2,39 Millionen Minuten: Das längste „Fußballspiel“ der Welt

Für alle LeserLange Fußballspiele hat es in der Historie schon einige gegeben. In die Geschichte eingegangen ist unter anderem das erste Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1922, welches nach 189 Spielminuten wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste. Deutlich länger duellierten sich im Sommer dieses Jahres zwei Teams, die den Weltrekord im Dauerfußball knacken wollten. Tja und dann gibt es noch ein Spiel, das zwar seit Jahren abgepfiffen ist, doch der Liveticker rennt und rennt und rennt ...

Als die längste Fußballpartie im offiziellen Spielbetrieb gilt in Deutschland das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1922 zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FC Nürnberg. Dieses fand am 18. Juni 1922 im Berliner Grunewaldstadion vor immerhin 30.000 Zuschauern statt. Beide Teams schenkten sich laut den Überlieferungen nichts.

„19 Mal trugen Sanitäter verletzte oder entkräftete Spieler vom Platz, vier bis fünf Zähne blieben auf dem Rasen“, beginnt ein Artikel zu diesem Spiel auf spox.com. Dort ist auch nachzulesen, dass Schiedsrichter Peco Bauwens – der übrigens von 1950 bis 1962 DFB-Präsident war – die Akteure nach der zehnten (!) Verletzungsunterbrechung auffordern musste, „sich des Fair-Play-Gedankens zu besinnen.“

Nach regulärer Spielzeit war noch keine Entscheidung gefallen, es stand 2:2 unentschieden. Also gab es Verlängerung. Und da einfach kein weiteres Tor fallen wollte und das Elfmeterschießen noch nicht erfunden war, gab es ganz viel Verlängerung. Als es schließlich schon dunkel geworden war, beendete Schiri Bauwens – der zwischendrin selbst bereits mit Wadenkrämpfen zu Boden gegangen war – das fußballerische Treiben. Zu diesem Zeitpunkt waren 189 Minuten gespielt! Es musste also ein Wiederholungsspiel her.

Diese 189 Minuten können ein paar wagemutige Fußballfreunde nur belächeln. Denn am 29. Mai 2019 begannen die Sportfreunde Winterbach und der „Thank God it’s Friday – Event Club“ damit, den Weltrekord im Dauerfußball zu knacken. Die Winterbacher kicken normalerweise im Saarland in der Kreisliga, der Event-Club hingegen ist ein Zusammenschluss, der bei allen möglichen Events mitmischt.

Das Spiel dauerte eine ganze Woche! Das sind sieben Tage, also 168 Stunden, also 10.080 Minuten! Und auch hier war vom Ergebnis her keine Entscheidung gefallen. Der Endstand lautete 1.802:1.802. Als bester Torschütze zeichnete sich Heiko Ficht aus, der 306 mal (!) traf. Und natürlich ging diese Megapartie auch nicht spurlos an den Akteuren vorbei – es waren unter anderem zwei Bänderrisse zu beklagen.

Für den Guiness-Weltrekord allerdings waren die Spieler bereit, alles zu geben: „Ein verletzter Eventclub-Spieler wurde am Ende sogar mit Krücken noch einmal eingewechselt.“, schrieb fussball.de in seinem Spielbericht zu diesem Spektakel.

Neben diesen tatsächlichen sportlichen Extremleistungen gibt es da noch eine Partie, die zwar offiziell längst beendet ist, aber deren Liveticker bei fussball.de seit viereinhalb Jahren unaufhörlich weiterläuft. Aktuell zeigt dieser Ticker daher eine Spielzeit von über 2,39 Millionen Minuten an!

Das Spiel, um das es hier geht, ist die Oberliga-Partie FC Rot-Weiß Erfurt II gegen den 1. FC Lok Leipzig, die am 14. Juni 2015 im Erfurter Steigerwaldstadion ausgetragen worden war. Und es war wirklich kein Fußballereignis, an das sich der Fußballfreund gern erinnert. Denn die Partie wurde wegen massiver Ausschreitungen seitens der Lok-Hooligans in der 78. Minute abgebrochen.

Zu diesem Zeitpunkt führte Erfurt bereits mit 2:0 und Lok-Kicker Djamal Ziane hatte gerade die Rote Karte gesehen. Der Traum vom Aufstieg war für die Leipziger – die unbedingt gewinnen mussten, um überhaupt die Relegation zu erreichen – damit ganz offensichtlich geplatzt.

Es rauschte hinterher gehörig im Blätterwald und war in der Öffentlichkeit noch lange Gesprächsthema. Abgeschlossen ist dieses dunkle Kapitel bis heute nicht wirklich, denn die juristische Aufarbeitung dauert immer noch an. In der Ausgabe 73 der LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) wird der aktuelle Stand ausführlich beschrieben. So gesehen ergibt der scheinbar nicht enden wollende Liveticker sogar einen symbolischen Sinn, denn der Schaden, den eine solche Randale nicht zuletzt für das Image der betroffenen Vereine verursacht, ist oft über Jahre spürbar.

Die Justiz und der Leipziger Fußball: Drei Beispiele der Aufarbeitung

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1. FC LokRekordNürnbergHSV
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