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Die verflixten letzten Sekunden: Fabian Kunze blickt auf seine erste Saison als HCL-Cheftrainer zurück

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    Das Saisonfinale war noch mal ein richtiger Knaller: Mit einem deutlichen 36:26-Erfolg gegen den Drittplatzierten Herrenberg sicherten sich die Frauen des HC Leipzig den 7. Tabellenplatz in der 2. Handball-Bundesliga. Genau diese Platzierung hatte Cheftrainer Fabian Kunze vor der Saison in der Leipziger Zeitung (LZ 82 / August 2020) als optimistisches Ziel ausgegeben. Was der 30-Jährige in seinem ersten Jahr als Cheftrainer eines Frauen-Zweitligateams gelernt hat, was die Höhepunkte und die Tiefpunkte der Saison waren, verrät er im LZ-Interview.

    Herr Kunze, für Sie war es die erste Saison als Cheftrainer eines Zweitliga-Frauenteams, was haben Sie persönlich aus diesem Jahr für Lernerfahrungen gezogen?Es gab viele Spielsituationen, die ich bisher noch nicht erlebt hatte. Hier wird ein Spiel in den letzten 30 Sekunden entschieden, das war im Nachwuchs sehr selten, da waren die Mädels hier schon weiter. Und die Spielerinnen sind auch schon Persönlichkeiten, während im Nachwuchs einfach gemacht wird, stößt man hier im Erwachsenenbereich schon mal mit mancher dieser Persönlichkeiten aneinander. Aber ich denke, das haben wir gut gelöst. Und natürlich ist auch der mediale Druck hier größer als vorher im Nachwuchsbereich und bei der 2. Mannschaft. Es wird vieles hinterfragt, was man macht.

    Welche Entwicklung haben Sie im letzten Jahr bei Ihrer Mannschaft gesehen, und wo haben Sie weiteres Entwicklungspotential ausgemacht?

    Wir haben am Anfang der Saison bestimmte Themen vorgegeben. Beispielsweise wollten wir noch freieren Handball spielen, also nicht immer nur über Ansagen. Und wir wollten einen stärkeren Tempo-Handball spielen. Das hat bei den Mädels aber lange gedauert, sodass wir in dieser Phase wieder zu dem zurückgegangen sind, was sie schon konnten. Wir werden jetzt daran ansetzen, noch besser zu verteidigen, damit weniger Angriff-Abwehr-Wechsel, weniger Spezialistenwechsel nötig sind.

    Insgesamt wollen wir einfach einen noch schnelleren Handball spielen. Das war zuletzt gegen Herrenberg schon sehr gut, aber die Spiele davor hatten noch viel Potenzial. Da sind sie manchmal noch nicht routiniert genug – vor allem mit Blick auf die Spiele, in denen noch die entscheidenden 20-30 Sekunden zu spielen waren. Dort muss man sie noch sehr an die Hand nehmen, das hätte ich gar nicht gedacht.

    Die Saison 2020/2021 wurde ja durchgängig von der Corona-Pandemie flankiert, wie sind Team und Trainer/-innen mit dieser zusätzlichen Belastung zurechtgekommen?

    Leipziger Zeitung, Nr. 91: Unschuldig verfolgt. Foto: L-IZ

    Schon die Saison-Vorbereitung war verrückt, denn du durftest ja zunächst nur kontaktlos trainieren. Aber wir sind im Endeffekt sehr froh darüber, dass wir relativ schnell wieder in die Halle durften und schnell wieder unseren geregelten Ablauf hatten. Da müssen wir uns auch bei der Stadt Leipzig bedanken, die uns immer wieder unterstützt und uns die Hallenzeiten gegeben hat. Außerdem habe ich einen Trainerstab, der einen riesigen Job gemacht hat, gerade im athletischen Bereich, als man nichts anderes machen durfte. Das ist wirklich toll, auch hier ein großes Danke! So hatten wir glücklicherweise mit Corona relativ wenig zu tun.

    Ein wichtiger Erfolgsgarant war für den HCL seit jeher das euphorische Publikum. Ohne die Fans schien es für Ihr Team gerade bei Heimspielen manchmal besonders schwer zu sein. Täuscht der Eindruck?

    Nein. Die Mädels haben in den letzten Jahren eine überragende Fanschaft erlebt. Die ersten Spiele waren ja noch mit 300–400 Zuschauern, da hat man gesehen, wie sehr die pushen können. Und wenn die jetzt fehlen, ist das für die Mädels ungewohnt. Außerdem glaube ich, dass zu Hause der Druck, gewinnen zu müssen, auch noch ein bisschen größer ist. Da ist man im Kopf manchmal irgendwo anders. Wir vermissen die Fans, und ich gehe davon aus, dass es nun bald wieder mit Zuschauern geht.

    Wenn Sie den Saisonverlauf noch einmal Revue passieren lassen, was waren da aus Ihrer Sicht die Höhepunkte und die Tiefpunkte?

    Das Schlimmste waren die sieben sieglosen Spiele in Folge (11.-17. Spieltag / d. Red.). Da zweifelt man an sich selber, auch die Mädels begannen zu zweifeln, und es war eine relativ schlechte Stimmung. Wir haben daraus zwar viel gelernt, aber es war echt nicht schön. Das Bremen-Spiel zum Beispiel gaben wir in der letzten Sekunde noch her, und dann genau dasselbe gegen Solingen. Das war wirklich blöd gelaufen. Aber auf der anderen Seite machten wir gegen Harrislee mit dem letzten Wurf noch das Unentschieden, was richtig cool war.

    Ein echtes Highlight war das erste Spiel gegen Zwickau, damals noch vor Zuschauern. Da verloren wir mit nur einem Tor gegen den jetzigen überragenden Aufsteiger und hätten sogar gewinnen können. Das war für mich als Trainer einfach bombastisch. Und das letzte Spiel gegen Herrenberg war ebenfalls ein Highlight. Das bleibt jetzt wahrscheinlich am längsten in den Köpfen, denn jetzt kommt erst mal eine große Pause.

    Außerdem hatten wir ab und zu auch handballtaktische Umstellungen vorgenommen, die super funktioniert haben. Es sind ja ganz viele junge Mädels dabei, die wir gut integrieren konnten.

    Nach dem 9. Platz vom Vorjahr ist es diesmal schon Rang 7 geworden. In welche Tabellenregionen soll es nun in der nächsten Saison gehen?

    Wir wollen uns nächstes Jahr noch mal im Mittelfeld festsetzen, vielleicht werden wir Sechster. Und dann werden wir sehen, was in der Zukunft noch so geht.

    Mehr Informationen:
    www.hc-leipzig.com
    www.hbf-info.de

    „Die verflixten letzten Sekunden: Fabian Kunze blickt auf seine erste Saison als HCL-Cheftrainer zurück“ erschien erstmals am 28. Mai 2021 in der aktuellen Printausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG.

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