Rugby Club Leipzig: „Es war eine sensationelle Saison!“

Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 69, seit 19. Juli im HandelFür die Männer des Rugby Club Leipzig (RCL) ging vor drei Wochen die bisher erfolgreichste Saison überhaupt zu Ende. In der 1. Bundesliga Nord/Ost zogen die Stahmelner auf dem 4. Platz ein, und als Kirsche auf die Sahne holte sich das Team auch noch den Bundesliga Cup. Dieser Pokalsieg ist der erste Titel, der seit 39 Rugby-Jahren wieder nach Leipzig geht. Zuletzt hatte 1980 die BSG Lok Wahren mit dem Double als DDR-Meister und Pokalsieger triumphieren dürfen.

„Das war eine sensationelle Saison!“, freut sich auch RCL-Präsident Karsten Heine. Dabei sah es nach der Hinrunde so aus, als würden die Leipziger in der zweiten Saisonhälfte ernsthafte Probleme bekommen. „Im letzten Spiel im November hat sich unser Spielmacher Reinhardt Engelbrecht schwer am Knie verletzt und ist einen Tag später gleich operiert worden – Außenband, Meniskus, Korbhenkel, eigentlich alles, was am Knie dran ist. Damit war er raus“, erinnert sich Heine mit Schrecken.

Doch das war längst noch nicht alles: „Zwei Südafrikaner, die über Weihnachten zu Hause waren, hatten sich dort verletzt. Ein englischer Spieler bekam ebenfalls Probleme mit dem Knie und konnte nicht mehr spielen. Unser Samoaner ist Vater geworden, umgezogen und stand uns nicht mehr zur Verfügung. Wir waren also sehr ausgedünnt. Dann haben wir im Spiel gegen die Grizzlies unseren Mannschaftskapitän Leroux van Zyl mit einem Syndesmosebandriss verloren. So war das eine sehr übersichtliche Mannschaft, die dieses Jahr in der zweiten Saisonhälfte gespielt hat.“

Doch die Mannschaft schien dadurch noch enger zusammengerückt zu sein. Bis zum letzten Spieltag durften die Leipziger sogar auf Tabellenplatz 3 hoffen. Dazu wäre zum Abschluss ein Sieg beim bis dahin Drittplatzierten RK 03 Berlin nötig gewesen. Der RCL verlor aber denkbar knapp mit 19:22.

Ärgerlich dabei: Der Linienrichter hatte einen Versuch der Leipziger nicht gelten lassen – stand bei seiner Entscheidung aber etwa 30 Meter vom Geschehen entfernt, da ihm der pfeilschnelle Südafrikaner Pule (läuft die 100 Meter in 10,5 Sekunden) uneinholbar davongelaufen war. „Ansonsten war das ein tolles Spiel auf Augenhöhe – beide hätten es gewinnen können, und es wäre gerecht gewesen. Aber am Ende hatte RK 03 das Quäntchen für sich, und das war okay“, ist Heine nicht nachtragend. Immerhin ist auch der erreichte 4. Platz der bisher beste, den der RCL in der Bundesliga erkämpfen konnte.

RCL-Präsident Karsten Heine. Foto: Jan Kaefer

RCL-Präsident Karsten Heine. Foto: Jan Kaefer

Ende Juni gab es mit den Berlinern ein überraschendes Wiedersehen – und wieder ging es um alles. Denn beide Teams standen sich diesmal auf dem Sportplatz in Stahmeln im Pokalfinale gegenüber. Der vom einstigen DRV-Pokal in den jetzigen Bundesliga Cup umgemodelte Wettbewerb hatte im Jahr seiner Premiere allerdings arge Startschwierigkeiten. Denn es gab kaum Mannschaften, die zu den angesetzten Spielen überhaupt antraten. Offenbar war den meisten der Pokal völlig aus dem Fokus geglitten.

„Wenn Sie Ihrem Team nicht sagen, unsere Saison geht bspw. bis 1. Juli, dann plant sich die ganze Mannschaft weg. Da laufen Verträge aus, da sind die Spieler im Urlaub und dann fragt man sich plötzlich, oh Gott, womit stelle ich mich jetzt hier auf den Platz!? Ich glaube, genau das war in diesem Jahr das Problem“, vermutet Heine. „Auch wir haben durchaus sehr gerudert, um eine Mannschaft an den Start zu bringen, mit der wir uns mit Berlin auf Augenhöhe begegnen können. Aber diese Mühe haben sich andere vermutlich nicht gegeben.“

Und die Mühe sollte belohnt werden. Der RCL siegte mit 56:22 und war damit Pokalsieger. Durch die Spielausfälle in den ersten beiden Pokalrunden, war das Finale für die Leipziger die erste und einzige Partie, zu der sie tatsächlich auf den Platz mussten. „Wir wissen, dass der sportliche Wert dieses Pokals übersichtlich ist“, so Heine, „aber wir freuen uns trotzdem ein kleines bisschen darüber. Denn wir hatten mit RK03 noch eine kleine Rechnung offen“.

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Leipziger Zeitung Nr. 69, seit Freitag, 19. Juli 2019 im Handel: Frei nach Schiller: Die Gedanken sind nicht frei, wenn Einer nicht den Mut zur Freiheit hat

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