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Zwischen Krisen-Stopp und Start: Der Felsenkeller-Betreiber Jörg Folta im Interview

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    Der Hashtag #Clubsterben machte bereits vor einer Weile die Runde, die Angst um die privaten Veranstaltungshäuser in Leipzig besteht bei vielen bis heute. Was wird nach der Coronakrise noch da sein, werden Eventhäuser gar verschwinden und wie überleben sie im Moment – ohne Konzerte, Diskos und Gastronomieumsätze? Jörg Folta, Bereiber des Felsenkeller in Plagwitz, wirkt gelassen, wenn man ihn darauf anspricht. Warum und wie lange noch? Ein Interview zum Stand in einem der größten Häuser des Leipziger Westens.

    Sehr geehrter Herr Folta: Ende Sommer 2020 hatte der Felsenkeller sein Herbst/Winterprogramm präsentiert, welches bedingt durch den 2. Lockdown komplett abgesagt wurde. Wie verkraftet man so etwas?

    Ja, das tat etwas weh. Wir hatten den Sommer über an verschiedenen Hygienekonzepten gearbeitet, diese genehmigt bekommen und ein umfangreiches Programm erstellt, welches im November 2020 starten sollte. Viele Konzerte, Kinoveranstaltungen, eine Veranstaltungsreihe der Musikalischen Komödie und etliches mehr.Als Mitglied des Runden Tisches Leipziger Spielstätten sollte das gemeinsam erarbeitete Vertrauenssiegel, der „Leipzig Live Codex“ exemplarisch am Felsenkeller angebracht werden. All das war mit dem 2. Lockdown hinfällig.

    Wie geht es momentan dem Felsenkeller?

    Den Umständen entsprechend gut. Die staatlichen Hilfen sind für Einrichtungen wie den Felsenkeller effektiv und kommen an. Kurzarbeitsgeld und Überbrückungshilfen haben uns bis jetzt gut geholfen.

    Nicht zu vergessen die November- und Dezemberhilfen. Dank unseres Biergartens konnten wir im letzten Sommer sogar einen Teil unserer laufenden Kosten selbst finanzieren.

    Also gut gelaunt und gelassen durch die Krise?

    Sagen wir mal: Positiv. Man darf nicht resignieren. Wir nutzen die Zeit, widmen uns unserem geschichtsträchtigen Haus. Wir erinnern an Rosa-Luxemburgs berühmte Rede im Felsenkeller im Jahr 1913, haben ein Denkzeichen vor unserem Haupteingang sowie eine Bibliothek errichtet.

    Es gab ein Crowdfunding, um die Sanierung des Hauses voranzutreiben. Seit dieser Woche kann man sogar in ausgewählten Läden einen „Rosa-Luxemburg-Likör“ erstehen – vielen Dank nochmal an die Connewitzer Likörfabrik, die uns mit dieser Aktion unterstützt.

    Aber vor allem wollen wir den Felsenkeller erhalten und verschönern. Zusammen mit dem Eigentümer des Felsenkellers nutzen wir die Zeit, die historische Bausubstanz auf Vordermann zu bringen. Im Herbst wollen wir, so es möglich ist, die historische Gaststube wiedereröffnen.

    Was auch immer passiert: das historische Ensemble „Felsenkeller“ wird bleiben und noch vielen Gästen eine zweite Heimat bieten.

    Das heißt, die Aufregung um die Existenzbedrohung der Kultur ist übertrieben?

    Nein, viele Soloselbstständige und kleine Unternehmen, vor allem die Dienstleister, haben hart zu kämpfen, viele haben schon resigniert. In der Kulturbranche sind sie die, die am härtesten von der Krise getroffen wurden. Sie sind die „Verlierer“, die oft durch Raster der Hilfen rutschen.

    Für Betriebe der Kulturwirtschaft, genauer gesagt die, die von Komplettschließungen betroffen oder aufgrund dieser arbeitsunfähig sind, gibt es allerdings zahlreiche Möglichkeiten, Gelder zu beantragen und laufende Kosten subventionieren zu lassen. Gerade die November- und Dezemberhilfen waren für viele ein Segen.

    Aber dennoch hört man häufig, dass der Staat tatenlos beim Sterben zusieht?

    Momentan stimmt das einfach nicht. Aber ich muss dazu sagen, dass es individuelle Gründe geben mag, von den beschriebenen Hilfen ausgenommen zu sein. Und es gibt natürlich einige Hürden bei der Beantragung der Gelder zu überwinden.

    Besorgniserregend ist eher die Zukunft der Häuser im weiteren Verlauf der Pandemie. Ewig wird der Staat die Hilfen nicht zahlen können.

    Gibt es eine brancheninterne Solidarität mit den „Verlierern“, also den Soloselbstständigen und kleinen Unternehmen?

    Das Neustart-Programm der Initiative Musik wäre hier als erstes zu nennen, welches ihnen indirekt zugute kommen wird. Viele Spielstätten haben genehmigte Projekte in der Tasche, die aufgrund des Lockdowns bislang nicht umgesetzt werden konnten.

    Der Felsenkeller startet sobald es wieder möglich ist eine Konzertreihe, die auch dazu dient, den Dienstleistern wieder ein Einkommen zu verschaffen. Ich hoffe sehr, dass wir bald damit beginnen können. Wir machen uns natürlich Sorgen, ob unsere freiberuflichen Partner, die Spezialisten aus der Gastronomie, Kreative und Top-Fachleute aus der Technikbranche die Krise überstehen.

    An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass es viele Soloselbstständige und kleine Unternehmen außerhalb der Kulturbranche gibt, die genauso oder härter von der Pandemie betroffen sind. Sie haben oft keine Lobby, hier ruft niemand „systemrelevant“.

    Die Klagen einiger Akteure der Kultur haben angesichts dessen manchmal etwas „Geschmack“.

    Wie geht es für den Felsenkeller weiter?

    Wir versuchen wie gesagt, positiv durch die Krise zu kommen. Wir sind Teil des „Runden Tisches Leipziger Spielstätten“, der das Vertrauenssiegel, den „Leipzig Live Codex“ erarbeitet hat, um den Re-Start des Betriebes der Einrichtungen zu flankieren und zu befeuern. Wir konzentrieren uns hier gemeinsam mit vielen anderen Häusern auf die Zeit nach dem Lockdown.

    Wir wollen endlich wieder loslegen! Dass es so was wie den Runden Tisch gibt, freut uns sehr. Wir agieren hier mit Partnern, die so denken wie wir.

    Danke für das Gespräch.

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