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Gefahrenstelle Nr. 16 im Leipziger Radnetz: Kurve in den Klingerweg

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    Irgendwann weiß man zwar als Radfahrer in Leipzig, dass eine ganze Menge Autofahrer auch mit Vollgas in Kurven brettern und gar nicht erst gucken, ob in der Kurve vielleicht langsamere Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Erst recht, wenn sie sich auf der Hauptstraße befinden. Hauptstraßen sind doch immer frei, oder? In Schleußig oft genug ein gefährlicher Irrtum. Die Könneritzstraße biegt im Norden als Hauptstraße ab in den Klingerweg, was einen weiteren Gefahrenpunkt für Radfahrer schafft.

    Auch die Straßenbahn biegt hier auf eigenem Gleis ab und sorgt dafür, dass sich der Straßenraum drastisch verengt. Es herrscht Park- und Halteverbot. Aber für Radfahrer endet die ausgewiesene Spur faktisch an der Haltestelle, die noch schön barrierefrei überfahren werden kann. Und dann? Dann rollt man direkt auf die Fahrbahn. Was an dieser Stelle überhaupt nicht ungefährlich ist, wie uns auch ein Leser berichtet: „Radfahrer, die von Süden kommen und in den Klingerweg fahren, müssen damit rechnen, von Autos von der Fahrbahn gedrängt zu werden. Denn weil die Straßenbahn in der Kurve auf ein exklusives Gleisbett geführt wird, wird es für Autos und Radler eng.

    Gleichzeitig ist die Vorfahrtsregelung nach der Kaphaltestelle nicht intuitiv klar. Ein Radler ist hier auch schon ums Leben gekommen.

    Gegenüber, auf dem gepflasterten Wurmfortsatz der Kö Richtung Ernst-Mey-Straße knallen immer wieder Radler auf die Straße, wenn sie vom asphaltierten Klingerweg dort einbiegen.“

    Trotzdem sieht man hier jederzeit tapfer Radfahrer aus allen Richtungen kommen. Hier ist eine der wichtigsten Radwegeverbindungen Leipzigs von der Könneritzstraße durch den Clara-Zetkin-Park direkt Richtung Innenstadt.

    Doch nicht nur die Vorfahrtsregelung am abrupt endenden Radweg wird immer wieder mal nicht beachtet, die Kurve hinter dem Eckhaus mit dem „Café am Park“ ist auch von der Könneritzstraße kommend nicht einsehbar. Was sich dort auf der Fahrbahn befindet, wird meist erst sichtbar, wenn man schon mitten in der Kurve ist. Zum Reagieren oft genug zu spät.

    Ein kleines Schild weist darauf hin, dass der Fußweg daneben für Radfahrer frei gegeben ist. Eigentlich auch so ein Leipziger Scherz, der übel ausgehen kann, denn der Fußweg wird in der Kurve ebenfalls sehr schmal – hat dort nicht einmal das Mindestmaß für einen normal nutzbaren Fußweg. Da wird auch die Begegnung von Fußgängern und Radfahrern ganz schnell zu einer gefährlichen Sache.

    Was sagt der ADFC dazu?

    Alexander John, Stellvertretender Vorsitzender des ADFC Leipzig

    Bereits vor dem Umbau gab es heftige Diskussionen darüber, wie diese Stelle am besten zu lösen sei.

    Damals verliefen an dieser Stelle noch alle Straßenbahnlinien nach Lausen und Großzschocher/Knautkleeberg, das änderte sich erst mit der Netzreform 2001. Neben dem reibungslosen Ablauf für die Straßenbahnlinien sollte auch der Rad-, Fuß-, und Kfz-Verkehr möglichst gut abgewickelt werden, ohne dass es zu Konflikten mit der Straßenbahn kommt.

    Abbiegesituation im Norden der Könneritzstraße: Radfahrer kommen vom Hochbord und müssen sich entweder auf der Fahrbahn in den Kfz-Verkehr einordnen - oder sie wagen die Fahrt auf dem nicht einsehbaren Fußweg. Foto: Ralf Julke
    Abbiegesituation im Norden der Könneritzstraße: Radfahrer kommen vom Hochbord und müssen sich entweder auf der Fahrbahn in den Kfz-Verkehr einordnen – oder sie wagen die Fahrt auf dem nicht einsehbaren Fußweg. Foto: Ralf Julke

    Verkompliziert wird die Ausgangssituation durch die beengten Verhältnisse (südlich die Häuser, nördlich der Sportplatz) und die Aufrechterhaltung der Rödelbrücke – ja, der „Hügel“ ist eine Brücke. Auch wenn man die Rödel heute nicht mehr sieht, die Brücke tut noch immer ihren Dienst.

    Man entschied sich letztlich für die Straßenbahn in Mittellage, getrennt durch einen Bord auf der Südseite. Der Bord ist nicht ganz unwichtig, weil die Straßenbahn ja irgendwie in den Park gelangen muss, während die Kraftfahrzeuge weiterhin auf der Fahrbahn bleiben und der Straßenbahn Vorrang einräumen sollen, ohne diese zu behindern.

    Die Fahrbahn ist in normaler Breite ausgeführt und das bedeutet, dass nur zweirädrige Fahrzeuge andere zweirädrige überholen können.

    Wenn man von der Könneritzbrücke (Elster) kommt, ist es relativ unproblematisch, gen Clarapark zu fahren. Dramatisch ist es allerdings, wenn man an der Haltestelle Holbeinstraße auf dem Hochbord fährt und in Richtung Clarapark möchte. Radfahrende kommen von einem gesonderten Teil und sind somit wartepflichtig. Man kann auch schon vor der Haltestelle auf die Fahrbahn wechseln, dann muss man jedoch die Gleise queren. Wie man es dreht und wendet, es ist nicht ganz unkompliziert.

    Wie könnten Lösungen aussehen?

    Nach dem tödlichen Unfall an dieser Stelle begann auch ein Nachdenken in der Verwaltung über diesen baulichen Zustand. Umgesetzt wurde aber zunächst nicht viel – nur die Benutzungspflicht für den gemeinsamen Geh-/Radweg auf der Nordseite wurde aufgehoben und das Radfahrverbot im Klingerweg auf Höhe der Sportanlage. Damit ist zumindest die Konfliktstelle auf der Nordseite entschärft worden.

    Da es auf der Südseite aber noch immer zu Konflikten kam/kommt, wurde in einem Vororttermin über mögliche Umbaumaßnahmen beraten. In den nächsten Monaten werden konkrete Lösungen seitens der Verwaltung vorgestellt. Auch der ADFC ist hierauf gespannt.

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      1 KOMMENTAR

      1. Es ist misslich, dass Hinweise auf erhöhte Gefahrenlagen vom Verkehrsamt grundsätzlich abgewatscht werden. Eine „gefühlte“ Gefahrenlage zählt gar nicht (nicht mal die, dass man eine Autobahn nicht zu Fuß queren sollte). Eine Reaktion findet eventuell statt, wenn sich an ein- und derselben Stelle vier Unfälle im Jahr ereignen (jawohl!). Dass aber sich erst ein tödlicher Unfall ereignen muss, damit die Verkehrsplaner ins ernsthafte Nachdenken und Planen kommen, ist nur noch zynisch zu nennen.

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