Es passt hinten und vorne nicht. Seit 2017 wird zwar endlich wieder der Bau von sozialem Wohnraum in Sachsens Großstädten gefördert. Aber die Gelder, die Bund und Land dafür zur Verfügung stellen, reichen hinten und vorne nicht, um den Bedarf zu decken.

Auch die Zahlen passen nicht zueinander. 1.460 neue Sozialwohnungen bräuchte Leipzig jedes Jahr, sagte Leipzigs Baubürgermeister Thomas Dienberg im Juni 2021. Aber davon weiß Sachsens Regionalminister Thomas Schmidt (CDU) nichts. Bei ihm im Ministerium, das auch die Fördergelder für den Wohnungsbau ausreicht, sind nur 1.310 geförderte Wohneinheiten angemeldet – pro Jahr bis 2025.

Aber das ist nicht die einzige Zahl, die nicht passt. Zwar bekommt Sachsen 49 Millionen Euro Förderung vom Bund für den sozialen Wohnungsbau pro Jahr und packt auch noch was obendrauf. Aber anteilig bekommt Leipzig davon nur 25 Millionen Euro, die nicht ausreichen, um die benötigten Wohnungen zu finanzieren.

Wie stark Leipzig hinter den eigenen Zielen zurückbleibt, macht die jüngste Antwort von Thomas Schmidt auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Juliane Nagel (Die Linke) deutlich.

„In der Stadt Leipzig wurden im Zeitraum 01.01. bis 31.12.2020 122 Wohneinheiten und im Zeitraum 01.01. bis 31.12.2021 277 Wohneinheiten des sozialen Wohnungsbaus fertiggestellt. Im Zeitraum 01.01. bis 31.12.2020 sind in der Stadt Leipzig 504 Wohneinheiten (davon 123 Wohneinheiten mit insgesamt 9.413,21 qm Wohnfläche bei kommunaler Wohnungsbaugesellschaft, sieben Wohneinheiten mit insgesamt 473,83 qm Wohnfläche bei Genossenschaften, 38 Wohneinheiten mit insgesamt 2.265,94 qm Wohnfläche bei Privatakteuren und 336 Wohneinheiten mit insgesamt 19.692,77 qm Wohnfläche bei privatwirtschaftlichen Wohnungsbaugesellschaften) und im Zeitraum 01.01. bis 31 .12.2021 vier Wohneinheiten mit 307,20 qm Wohnfläche (bei kommunaler Wohnungsbaugesellschaft) vertraglich gebunden worden“, so Schmidt.

Die Zahlen sind nicht überraschend. Das geht so seit 2017. Und wer gezwungen ist, sich im geförderten Wohnungssegment in Leipzig eine Wohnung zu suchen, der weiß, wie eng der Markt gerade bei diesen Wohnungen längst geworden ist.

Und der Markt wird enger, wenn Jahr für Jahr nicht mal die Hälfte der benötigten Wohnungen in diesem Segment gebaut werden. In der Landeshauptstadt, die insgesamt sogar einen Bedarf von 10.000 Sozialwohnungen angemeldet hat, werden sogar noch weniger Wohnungen fertiggestellt.

122 waren es 2021, als in Leipzig immerhin 280 schlüsselfertig wurden. Was freilich auch daran liegt, dass Dresden überhaupt erst wieder eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gründen musste, nachdem die Stadt ihre alte Wohnungsgesellschaft für eine Komplettentschuldung an privat verkauft hatte.

Die 280 im Jahr 2021 fertiggestellten Sozialwohnungen stellen zwar schon eine kleine Steigerung zu den 219 aus dem Vorjahr dar, aber sie sind weit entfernt von den gemeldeten Bedarfszahlen, auch wenn viele der schon vertraglich gebundenen Wohnungen erst in den Folgejahren fertig werden dürften.

Immerhin 1.650 Sozialwohnungen waren 2021 schon vertraglich gebunden. Darin steckten dann schon 66 Millionen Euro an zugesagten Fördermitteln auch aus den Vorjahren.

Was dann auch die Hochrechnung von 2021 bestätigt, dass Leipzig jährlich eigentlich 59 Millionen Euro an Förderung braucht, um den prognostizierten Bedarf zu decken.

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