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Immer eine Glasfaserkabelbreite voraus: Wie private Schulträger die Pandemie meistern

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    Wenn die Schüler/-innen in Sachsen mal wieder vor einer Fehlermeldung sitzen und deswegen ihren Aufgaben im Homeschooling nicht nachkommen können, ist klar: LernSax ist wieder abgestürzt oder schlicht überlastet. Das kommt nicht selten vor, im Dezember-Lockdown auch schon mal tagelang.

    Dass es auch anders geht, zeigt das Freie Gymnasium Borsdorf (FGB), das sich schon lange vor der Pandemie dafür entschieden hat, mit der Lernplattform Moodle zu arbeiten statt mit der wenig leistungsfähigen Variante des sächsischen Kultusministeriums. Ermöglicht hat dies die gut ausgebaute Infrastruktur der Schule: Mit ihrer Gründung 2008 wurde ein eigener IT-Administrator angestellt, ein Luxus, den sich keine staatliche Schule leisten kann, wenn nicht gerade ein Informatiklehrer diese Aufgabe zähneknirschend „freiwillig“ übernimmt.

    Doch nicht nur mit Moodle hat die Schule eine wesentlich stabilere, agilere und umfassendere Arbeitsplattform für ihre Lernenden etabliert: Auch die umfangreiche Nutzung des Microsoft Office-Paketes 365, das neben den bekannten Programmen Word, Excel und Powerpoint auch Teams und OneNote beinhaltet, ermöglicht ein nahezu reibungsloses digitales Miteinander von Lehrenden und Lernenden.

    So hat das FGB bereits drei Wochen nach dem Beginn des ersten Lockdowns einen Stundenplan erstellt, der den normalen Unterricht fast vollumfänglich digital abbilden konnte. Folglich kam es kaum zu Unterrichtsausfall – trotz der für alle Beteiligten völlig neuen Situation. Der Unterricht über die Videokonferenzanwendung Teams ermöglicht es zudem, ständig im sozialen Kontakt mit Mitschüler/-innen und Lehrer/-innen zu sein – ein nicht zu unterschätzender Vorteil angesichts der sonstigen sozialen Isolation während der Lockdowns.

    Das Programm OneNote wiederum schafft eine Basis für gemeinsames schriftliches Arbeiten, da die Lehrer-/innen im sogenannten Klassennotizbuch Arbeitsmaterialien hochladen können, die von den Schüler/-innen einzeln oder synchron gemeinsam in Gruppen bearbeitet werden, inklusive fast ganz analog wirkenden Markierungen und (gegenseitigen) Kommentaren.

    Doch auch bei weniger abstrakten Themen hat die Schule, an der momentan 380 Schüler/-innen von 40 Lehrer/-innen (inklusive Referendar/-innen) unterrichtet werden, ihre Nase weit vorn: Weil sie seit ihrer Gründung stets sehr aktive Beteiligte hatte. Seit einigen Jahren gibt es neben dem IT-Administrator auch einen pädagogischen IT-Koordinator (PITKo), der die Schnittstelle zwischen dem Technischen und dem Pädagogischen darstellt.

    Dadurch war es möglich, mittels umfangreicher Anträge vielschichtige Förderungen aus zahlreichen Töpfen abzugreifen, so bei Medios I (2008), Medios II (2012) sowie dem Digitalpakt (2020). Von diesen Mitteln profitieren immer die Lernenden: So haben sie bereits jetzt die vierte Generation interaktiver Tafeln vor sich und auch eigene Laptops für jede/n Schüler/-in sind für den baldigen Gebrauch angedacht.

    Aus eigenen Mitteln wiederum bestreitet das FGB seine digitalen Fortschritte für die Lehrerschaft. Diese hat mit ihrem Intranet Confluence ein Tool in der Hand, mit dem sich ohne viel Papierkram und Zetteln im Lehrerzimmer flexibel und zielgerichtet kooperieren lässt. So hat zum Beispiel jede Fachschaft ihre eigene Seite.

    So wird wöchentlich durch die Schulleitung ein „Brief“ veröffentlicht, der das Wichtigste der vergangenen und kommenden Woche aus den verschiedenen Bereichen des schulischen Lebens zusammenfasst. Auf diese Weise können sich Kolleg/-innen gegenseitig terminierte Aufgaben zuweisen, beispielsweise wenn es um die Kontrolle der erstellten Abituraufgaben geht.

    Ebenso wichtig wie der äußere digitale Wandel ist aber auch die Veränderung in der mentalen Einstellung aller an Schule Beteiligten, sagen Schulleiterin Kai Hakl und PITKo Mathias Hetmank unisono. Es sei zwecklos, Lernenden und Lehrenden die neueste Technik vorzusetzen, die neuesten Programme zur Verfügung zu stellen, wenn sie nicht mit vollem Enthusiasmus vollumfänglich genutzt würden. Stichwort Kulturwandel.

    Digitalisierte Schule heute bedeutet nicht, Dateien auf einen Server zu laden oder alle drei Tage eine Mail zu schreiben. Digitalisierte Schule im Jahre 2021 bedeutet alle Aspekte des Unterrichtes digital abzubilden, von einer gemeinsamen Texterschließung bei OneNote bis hin zu einer Leistungskontrolle bei Moodle.

    Allerdings erfüllt auch die Digitalisierung keinen Selbstzweck, sondern muss stets mit Bedacht eingesetzt werden. Aus diesem Grund arbeitet das FGB beständig daran, sowohl sein Mediennutzungskonzept den sich immer wieder verändernden Rahmenbedingungen anzupassen als auch kritische Aspekte der Digitalisierung von Schule zu eruieren und reflektieren.

    So ist geplant, nach der Zeit der Pandemie die Klassenstufen 5 und 6 aus der Digitalisierung herauszuhalten und erst ab Klasse 7 mit dem Fokus auf Moodle beziehungsweise ab Klasse 9 schwerpunktmäßig mit den Microsoft-Programmen zu arbeiten. Ab Klassenstufe 8 ist es den Schüler/-innen bereits jetzt gestattet, ihre eigenen Geräte mitzubringen, um sich Mitschriften zu machen oder Aufgaben zu bearbeiten.

    Ohne einen Träger, dem die moderne Ausstattung seiner Schule wichtig wäre, ohne progressive Köpfe in der Schulleitung und im Lehrerkollegium, ohne viele engagierte Eltern, vor allem aber ohne Lernende, die die Entwicklungen so freudvoll experimentell mitgestalten, wäre die Digitalisierung am FGB nicht da, wo sie heute ist – immer eine Glasfaserkabelbreite voraus.

    „Immer eine Glasfaserkabelbreite voraus“ erschien erstmals am 28. Mai 2021 in der aktuellen Printausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG.

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