Die Bodenständigen: Der Blick der staunenden Soziologin auf die Mitte unserer Gesellschaft

Für alle LeserWir haben ja an dieser Stelle schon etliche Bücher besprochen, deren Autor/-innen sich mit der viel beschworenen „Mitte“ beschäftigen – von der „Schweigenden Mitte“ bis zur „Enthemmten Mitte“. Jede/-r hat auf seine oder ihre Weise versucht, überhaupt erst einmal zu definieren, was sich hinter dieser schwammigen Masse eigentlich verbergen soll. Aber oft führt das geradezu in den Nebel. Anders als Barbara Thériaults ganz reale Erkundungen da, wo die Menschen tatsächlich leben. In Erfurt zum Beispiel.

Erfurt ist nicht ganz zufällig zentraler Erkundungsort der kanadischen Soziologin. Denn hier hat Barbara Thériault an der 1994 neu gegründeten Universität studiert. Hier ist sie heute Professorin am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien. Sie verbringt ihr Leben zwischen den beiden so völlig unvergleichbaren Städten Erfurt und Montreal. Ein Weilchen lag ihr Lebensmittelpunkt auch mal als Stadtschreiberin in Lemberg (Lwiw).

Soziologen schauen anders auf die Gesellschaft als zum Beispiel Politiker, Ökonomen oder Politikwissenschaftler. Etwas unbefangener, könnte man sagen. Sie ticken eher wie Ethnologen, die immer ein wenig auf Distanz gehen und all das, was um sie herum geschieht, versuchen zu vergleichen und zu verstehen. Wer dann gar eine kanadische Großstadt mit einer doch eher überschaubaren thüringischen Landeshauptstadt vergleicht, sieht sowieso mehr Unterschiede.

Unterschiede, die Eingeborene gar nicht wahrnehmen oder nur, wenn sie sich selbst wieder mit Bewohnern anderer Städte vergleichen. Leipzig zum Beispiel, das tatsächlich ein paar mal vorkommt in diesem Büchlein, quasi als Gegenbild zu praktisch all den anderen kleinen und mittleren Städten in Mitteldeutschland – irgendwie abgehoben, smart, elitär. Auch das Wort extravagant fällt.

Das Büchlein ist keine wissenschaftliche Untersuchung. Auch keine Polemik oder Streitschrift. Das erfreut nicht nur, sondern macht richtig Spaß beim Lesen, weil Thériault dabei auch auf ein Vorbild zurückgreift, das in deutschen Medien kaum noch zu finden ist: die große Zeit des deutschen Feuilletons und einen ihrer markantesten Vertreter: Siegfried Kracauer. Der hat das Schreiben von Feuilletons auch als elegantes Stilmittel dafür genutzt, die Sitten und Gebräuche seiner Mitwelt zu erkunden. Wer aufmerksam hinschaut, sieht Dinge, die auch eilige Journalisten meist nicht sehen, nicht für wichtig halten.

Diese Aufmerksamkeit kennzeichnet auch Thériaults kleine Feuilletons, von denen einige schon 2017 und 2018 in der „Thüringer Allgemeinen“ veröffentlicht wurden. Was bei ostdeutschen Regionalzeitungen ja schon seit Ewigkeiten kaum noch vorkommt. Der damalige Chefredakteur der Zeitung hatte noch einen Sinn dafür. Und Thériaults kleine Entdeckungen im ganz normalen Erfurter Alltag bereicherten die Zeitung.

Viele Leser/-innen fühlten sich erkannt und gemeint. Und staunten auch über sich selbst, weil sie über all diese Dinge oft noch gar nicht nachgedacht hatten – das heimliche Heiraten, die so erstaunlich geänderten Trinkgewohnheiten, Tattoos und ihre Botschaften, Hochzeitsfotos an der Wand, karierte Hemden, die Haarlänge von Frauen, den Sinn von Jugendweihen usw.

Natürlich merkt man schnell, dass Barbara Thériault damit auch in eine sehr spezifische ostdeutsche Welt eintaucht. In jene Landschaft, in der die Vergangenheit ironisch zitiert wird, manche Leute aber geradezu Lust daran haben, mit der Politik zu fremdeln und augenzwinkernd etwas Gemeinsames zu beschwören, das sich nicht nur aus nostalgischen Erinnerungen speist.

Der Begriff der Bodenständigkeit taucht dabei immer öfter auf, als Selbsteinschätzung genauso wie als Lob – etwa für bodenständig gebliebene Fußballer und Politiker. Also Leute, die zwar Karriere gemacht haben, aber den Eindruck vermitteln, mit beiden Beinen auf der Erde geblieben zu sein, noch ansprechbar. Leute eben, wie man sie beim Bäcker oder Fleischer an der Ecke treffen kann.

Da wirkt der Begriff auf einmal wie ein Gegenbild zur modernen Selbst-Verwirklichung, zum Egotrip und Rollenspiel. Und da hat er ganz unübersehbar auch nichts mehr mit dem modernen Begriff der „Mittelklasse“ zu tun, der sich über ein Leben in tollen Metropolen, akademischen Karrieren, Weltbereistheit und exotischen Hobbys und Gewohnheiten definiert. Im Gegenteil: Man ist stolz auf den durchaus bescheideneren Ort, an dem man wohnt, wo man unaufgeregte Freundschaften pflegt, sich praktisch kleidet und pragmatische Lebensentscheidungen trifft.

Eine Art Bodenständigkeit, die man nicht nur in Thüringen findet, so Thériault, sondern auch in westdeutschen Provinzen. Das Wort impliziert Zustimmung und Abgrenzung. Und da wird es spannend, weil dieser Blick auf das eigene So-Sein auch Politik macht, einerseits ein Bild von Dazugehören schafft, andererseits aber auch – fast stillschweigend – eine Abwehr definiert. Oder besser ein „eigentlich nicht“. Überschwang und Grenzüberschreitung gehören nicht dazu. Man tut lauter vernünftige Sachen, ändert auch ganz stillschweigend schlechte Gewohnheiten, wenn man merkt, dass sie einem nicht guttun. Aber man macht kein großes Wesen daraus, wundert sich eher selbst, wie sich das so entwickelt hat. Man hat es gar nicht so sehr gemerkt. Erst diese verwunderte Professorin, die einen darauf aufmerksam macht, brachte einen zum Stutzen.

Und stutzt dann selbst, als sie als Beobachterin in Lwiw beobachtet, wie die Bürger dieser ukrainischen Großstadt mit den Veränderungen der Zeit umgehen. Sichtlich anders als die Erfurter. Deutlich bemühter, das forcierte Tempo des Westens aufzunehmen. Und deutlich geselliger als die Bewohner von Montreal, die sich augenscheinlich schon riesig freuen, wenn man sich mal auf einer Beerdigungsfeier treffen kann.

Natürlich kann man vermuten, dass jedes Land und jede Stadt ihre eigenen Arten von „Bodenständigkeit“ hat. Die sich – die kleinen Texte erzählen ja davon – sehr unterscheiden können. So nebenbei wird etwas sichtbar, was man so eigentlich nur aus der Biologie kennt: Auch Menschen entwickeln Biotope. Orte, an denen eine ganz bestimmte Mischung der Selbstverständlichkeiten, des Umgangs miteinander, der Gewohnheiten und Signale des Dazugehörens existieren.

Was in Zeiten, als Menschen noch nicht (gezwungenermaßen) um die Welt reisen, in Metropolen ziehen und anderswo Existenzen aufbauen mussten, eher nicht auffiel. Außer Stadtwanderern wie Siegfried Kracauer.

Und es sind nicht eben nur irgendwelche Traditionen (wie die Thüringer Bratwurst oder FKK), irgendwelche netten Macken, die die Bewohner des Ortes von anderen Populationen unterscheiden. Es ist – das wird sehr deutlich – eher ein stillschweigendes Muster von Selbstverständlichkeiten, von Dingen, „die man eben so macht“, von Grenzen, die alle verinnerlicht haben. Lauter Erwartungen, die letztlich darüber bestimmen, ob jemand als dazugehörig empfunden wird oder als fremd.

Die kleinen Beobachtungen sind wie ein Umweg hinter die Kulissen der deutschen Debatte um Mitte und Radikalität. Wir sehen mit Barbara Thériault die Rückseite der Kulisse. Und siehe da: Es wird die Welt der ganz normalen Bürger einer nicht wirklich großen Stadt sichtbar, denen nichts fremder ist, als radikal zu werden. Und die trotzdem aus dem Gefühl heraus, dass die verinnerlichten Regeln verletzt werden, zu radikalen Gedanken neigen.

Der Sprung passiert fast unmerklich, begegnet Barbara Thériault selbst beim freundlichen Gespräch mit Menschen, die ihr offen und freundlich begegnen – und mitten im Gespräch kommt die geradezu freundliche Unbarmherzigkeit hervor, die sich empört gegen die Zumutungen verwahrt, die das Gewohnte bedrohen.

Etwas, was nicht nur in den kleinen Erfurt-Feuilletons zum Vorschein kommt, sondern auch in den Blogbeiträgen, die Barbara Thériault in Lwiw schrieb, und in einigen beiläufigen Kommentaren zu Montreal. Dieses seltsame Wort Bodenständigkeit, das es nur im Deutschen gibt und hier auch von fast jedem verstanden wird, beschreibt augenscheinlich etwas, was anderswo genauso existiert, auch wenn es dort mit anderen Regeln und Erwartungen umgeht.

Zwar redet kaum jemand darüber, was das ist und was alles dazugehört, wo die gefühlsmäßigen Grenzen verlaufen und was man als normal empfindet. Aber wenn die neugierige Soziologin nachfragt, stellt sich immer wieder heraus, dass es diesen Kanon der Selbstverständlichkeiten überall gibt, auch in der durchaus bürgerlichen Mitte von Erfurt. Und „Mitte“ heißt da selbst für gut etablierte Akademiker immer wieder: Maßhalten.

Bodenständigkeit und Maßhalten gehören eigentlich zusammen wie Geschwisterkinder. „Die Mitte, so stellte sich heraus, ist nüchtern, untätowiert, unparfümiert, gemäßigt und trägt gern karierte Hemden“, schreibt Barbara Thériault im Vorwort. Es geht um einen „Ethos des Maßhaltens“. „Diese Haltung – nicht zu viel, nicht zu wenig – prägte den Diskurs, aber auch das Verhalten und den Geschmack (in Sachen Schönheit, Essen und Trinken, Beziehungen). Auch das Träumen.“

So etwas prägt natürlich auch Erwartungen, Wünsche an das Leben, die Vorstellung von jenem Ort, an dem man sich aufgehoben fühlt (auch wenn der Begriff „Heimat“ damit oft gar nicht identisch ist.) Man schaut mit Barbara Thériault auf einmal völlig anders auch auf dieses Mitteldeutschland mit seinen vielen kleinen und mittleren Städten, die sich so deutlich vom „elitären“ Leipzig unterscheiden. Und es scheint sogar ein gewisses Glücksgefühl damit verbunden: Man muss keine wilden Träume (mehr) träumen, um sich geborgen und am richtigen Ort zu fühlen.

Und das Aber sitzt natürlich auch gleich nebenan: Aber was, wenn diese Geborgenheit infrage gestellt wird? Da wären wir dann tatsächlich im Deutschland von heute und seinen vielen Provinzen, in denen Bodenständigkeit als etwas Verbindendes gilt, auch als etwas Beruhigendes, während da draußen die wilden Stürme jagen.

Barbara Thériault Die Bodenständigen, edition überland, Leipzig 2020, 14 Euro.

Das Schweigen der Mitte: Der Versuch herauszufinden, warum es keine großen gesellschaftlichen Debatten mehr gibt

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht ;-) Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

RezensionenErfurtSoziologieFeuilletons
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Antonia Mertsching: Ein Grundeinkommen wäre gerade für die sächsischen Kohleregionen ein Zukunftsthema
Das Kraftwerk Boxberg in der Lausitz. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDer Corona-Shutdown hat auch etwas gezeigt, was den meisten Menschen überhaupt nicht bewusst ist: Wie labil unsere Art des Wirtschaftens ist, wie wenig Stillstand genügt, um ein ganzes System zum Kippen zu bringen, Unternehmen pleitieren und Menschen in Arbeitslosigkeit stürzen zu lassen. Und das, obwohl gleichzeitig hunderttausende systemrelevante Arbeitsplätze nicht besetzt und miserabel bezahlt sind. Doch als kurz die Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen aufflammte, waren sofort die Löschtrupps im Einsatz.
Dienstag, der 26. Mai 2020: Sachsen will große Familienfeiern und Busreisen wieder erlauben
Busreisen durch Sachsen könnten bald wieder möglich sein. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserBund und Länder haben sich darauf geeinigt, Kontaktverbote und Maskenpflicht bis Ende Juni zu verlängern. Ob es wirklich so kommt, entscheidet aber jedes Bundesland für sich. In Sachsen dürfte es auf die verabredete Linie hinauslaufen, jedoch sind Lockerungen in anderen Bereichen geplant. Neuigkeiten gibt‘s auch zum Schutzschirm für Kommunen und den „Identitären“ in Halle. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 26. Mai 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Kunstraum D21 öffnet wieder: Eine Ausstellung zum menschlichen Körper als Medium und Inszenierung
Corpo. Foto: Melissa Leander Lücking

Foto: Melissa Leander Lücking

Für alle LeserStück für Stück kehrt das gewohnte Leben zurück, wenn auch noch auf längere Zeit unter Auflagen, denn das Coronavirus ist nach wie vor unterwegs. Also gelten nicht nur in Gaststätten und Kabaretts die wichtigen Hygiene-Regeln. Sie gelten auch in Galerien. Doch wenigstens dürfen sie wieder öffnen, auch die kleineren wie der Kunstraum D21 in der Demmeringstraße 21, wo am Freitag, 29. Mai, eine höchst aktuelle Ausstellung eröffnet.
Ein Insbrucker Architekturbüro entwirft neue Kita und Musikakademie am Dösner Weg
So sollen Kita und Musikakademie auf dem Gelände von Gurken-Schumann aussehen. Visualisierung: Snøhetta, Innsbruck, Österreich

Visualisierung: Snøhetta, Innsbruck, Österreich

Für alle LeserSo langsam nimmt das künftige Baugebiet am Bayerischen Bahnhof Gestalt an. Nachdem die ersten Architekturentwürfe zur geplanten Wohnbebauung an der Kohlenstraße schon gezeigt wurden, bekommt jetzt auch die künftige Kindertagesstätte auf dem einstigen Gelände von Gurken-Schumann ein Gesicht. Diesmal hat ein norwegisches Architekturbüro mit Sitz in Österreich den Wettbewerb gewonnen.
Sachverständigenanhörung zum Volksantrag Gemeinschaftsschule bleibt voller Widersprüche
Nicht nur Knaben haben so ihre Probleme mit Sachsens Schulen. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserEs war noch nicht die Entscheidung, auch wenn Sabine Friedel, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, sich nach der am Montag, 25. Mai, durchgeführten Sachverständigenanhörung zum Volksantrag „Längeres gemeinsames Lernen in Sachsen“ sicher war: „Schulfrieden wird endlich hergestellt“. Tatsächlich konnte sie ja selbst beobachten, dass es nach wie vor große Widersprüche gibt – auch zwischen Volksantrag und Regierungskoalition.
Massive Umsatzeinbrüche bei sächsischen Einzelhändlern und deutliche Zuwächse bei Supermärkten und Online-Handel
Wegen Corona geschlossen: Restaurants, Gaststätten und Hotels sind seit Wochen zu. Die Beschäftigten haben nun mit enormen Lohneinbußen zu kämpfen, warnt die Gewerkschaft NGG. Foto: NGG

Foto: NGG

Für alle LeserAm Montag, 25. Mai, veröffentlichte nicht nur das Bundesamt für Statistik Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal – und animierte Medien wie den „Spiegel“ wieder zu Klamaukmeldungen wie „Coronakrise trifft deutsche Wirtschaft mit Wucht“ – mit Vergleichen, bei denen die überschwänglichen Verfasser gleich mal auf die Weltfinanzkrise von 2008/2009 zurückgriffen. Aber tatsächlich weiß noch niemand, wie heftig die Auswirkungen des Corona-Shutdown wirklich werden.
Stadtwerke Leipzig und Abfallverband gründen neue Projektentwicklungsgesellschaft für erneuerbare Energieerzeugung
Selbst vom Völkerschlachtdenkmal aus zu sehen: die Deponie Seehausen. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserAngekündigt hatten es die Stadtwerke Leipzig schon länger, dass sie ihre Anteile an Windkraft- und Solaranlagen ausbauen wollen, um ihren Strommix weiter umweltverträglich zu machen. Manchmal gibt es besondere Gelegenheiten, mit denen ein großer Schritt dazu möglich wird. So wie jetzt, da die Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH (WEV) darangeht, die künftige Nutzung der Deponie Seehausen im Leipziger Norden zu planen.
Auch die Verluste sind drin: Der erste gesamtdeutsche Atlas der Tagfalter und Widderchen ist erschienen
Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. Foto: UFZ

Foto: UFZ

Für alle LeserSeit 2017, seit der Veröffentlichung der sogenannten Krefeld-Studie, sind die deutschen Umweltforscher hellwach. Sie wussten zwar schon vorher, dass es überall Verluste an Insekten gab, massive Rückgänge und Totalverluste. Aber seit der medialen Berichterstattung zur Krefeld-Studie wissen sie auch, dass sie mit ihren Erkenntnissen nicht hinter dem Berg halten dürfen. Sie brauchen die Öffentlichkeit, um die Politik endlich zu echten Reformen zu bringen. Dazu gehört auch ein neuer Schmetterlingsatlas, den es so vorher nicht gab.
Montag, der 25. Mai 2020: Kretschmer will Kontaktverbote und Maskenpflicht in Sachsen fortsetzen
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Foto (Archiv): Michael Freitag

Foto (Archiv): Michael Freitag

Für alle LeserFolgt Sachsen bald dem Beispiel von Thüringen und verabschiedet sich von Kontaktverboten und Maskenpflicht? Wohl nicht, sagt zumindest Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Unabhängig davon gibt‘s weiterhin ausreichend Corona-bezogenen Diskussionsstoff: zu Demos, Gestaltung des Schulunterrichts und Unterbringung in Asyleinrichtungen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Montag, den 25. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Broilers Open Airs verlegt auf 2021
Quelle: Semmel Concerts

Quelle: Semmel Concerts

Die wegen der COVID-19-Pandemie durch behördliche Auflagen abgesagten Termine der BROILERS OPEN AIRS 2020 konnten komplett auf das nächste Jahr verschoben werden. Die Band freut sich, nun endlich die Termine für 2021 bekannt geben zu können.
Für eingezäunte Hundewiesen ist einfach kein Platz mehr in Leipzigs Parks
Nur mit Leine: Mit Wuff im Park. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDie Idee war eigentlich ganz vernünftig, so aus Hundehalterperspektive: Wenn es umzäunte Hundewiesen gäbe, könnte man den Hund dort einfach von der Leine lassen, der könnte sich austoben und käme dabei spielenden Kindern, Picknickern und Radfahrern nicht in die Quere. Doch dieser Petition abzuhelfen sieht das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport keine Chance. Es gibt einfach zu wenig Platz in Leipzigs Parks.
Sachsens Justiz gerät mitten hinein in einen selbst organisierten Schweinezyklus
Die Altersstruktur der Richterinnen und Richter in Sachsen (Dezember 2019). Grafik: Freistaat Sachsen /SMJus

Grafik: Freistaat Sachsen /SMJus

Für alle LeserDass es in Sachsens Justiz einen derartigen Rückstau an Verfahren gibt, hat vor allem zwei Gründe: Den Personalmangel, der ab 2009 auch die sächsischen Gerichte erfasste, nachdem CDU und FDP ein resolutes Personalsparprogramm aufgelegt hatten, und die Überalterung vieler Richter. Die ist zumindest für den rechtspolitischen Sprecher der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, Rico Gebhardt, ein deutlicher Grund zur Polemik. Denn 1990 gab es ja einen umfassenden Elitenwechsel.
Stadtverwaltung will jetzt doch RBL Media mit dem Putzen der Spritzschutzgeländer beauftragen
„Alle nach Halle“ am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDa hatte sich Leipzigs Verwaltung einiges vorgenommen, als sie die Werbekonzession für die Leipziger Haltestellenhäuschen neu ausschrieb und die Spritzschutzgeländer gleichzeitig extra ausschreiben musste. Seit knapp einem Jahr ist zu beobachten, was passiert, wenn man keine Anschlussregelung findet: Sie werden zunehmend mit Graffiti verschmiert und niemand scheint Kraft und Zeit zu haben, sie zu schrubben. Jetzt soll der neue Werbepartner RBL die Pflege der Geländer doch noch übernehmen.
Grüne beantragen eine echte Reduktion der Lichtverschmutzung als Zielstellung im Leipziger Lichtmasterplan
Nächtlich erleuchtetes Naturkundemuseum an der Lortzingstraße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEine Lichtschutzsatzung für Leipzig gibt es nicht, das sei auch rechtlich nicht möglich, hatte Leipzigs Verwaltung im vergangenen Jahr betont, als sie ihre neue Strategie zum Umbau der Leipziger Stadtbeleuchtung vorstellte. Dabei ging es vor allem um den Ersatz der alten, energieaufwendigen Leuchtkörper durch sparsamere LED-Lampen, aber weniger um eine Minderung der Lichtlast. Auch wenn der Stadtverwaltung schon so ein bisschen bewusst ist, wie sehr Lichtverschmutzung besonders die Insektenvielfalt beeinträchtigt.
Leipzig soll ein viertes Frauenschutzhaus mit einer Clearingstelle bekommen
Feministischer Aktionstag am 16. Mai in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie Ausgangsbeschränkungen zum Corona-Shutdown haben auch ein Problem wieder sichtbar gemacht, das sonst im Alltagsgeschehen kaum Beachtung findet: die Gewalt an Frauen. Denn am häufigsten erleben Frauen Gewalt in ihrer Partnerschaft, die zur Hölle werden kann, wenn der Partner seine Probleme nur noch mit Gewalt auslebt. Dann braucht es Zufluchtsorte für die Schwächeren. Aber die reichen in Leipzig schon lange nicht mehr.