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Vielleicht ist das gerade das richtige Städtchen, um sich einmal ein paar Tage von der stressigen Großstadt zu erholen: Coburg. Berühmt durch das hier einst regierende Herzogsgeschlecht derer von Sachsen-Coburg-Gotha, deren Sprösslinge in europäischen Königshäusern einst heiß begehrt waren. Man denke nur an das englische Königshaus. Denn so ein kleines Fürstenhaus am Südrand Thüringens hatte immer einen immensen Vorteil: Wer die Töchter oder Söhne des Hauses heiratete, riskierte keine Konflikte mit anderen Großmächten.

Auf den ersten Blick wird es also klein und beschaulich. Auch wenn solche kleinen Fürstenhäuser wie die von Sachsen-Coburg-Gotha noch einen anderen Vorteil hatten: Sie wollten genauso glänzen wie die großen Königreiche und investierten deshalb richtig viel Geld in ihr prachtvolles Schloss. Schloss Ehrenburg in diesem Fall, praktisch am Rand der Altstadt gelegen, samt Marstall, ehemaliger Reithalle und Schlossgarten. Und überall stehen stolze Denkmäler herum für diverse Fürsten. Manche von ihnen eifrige Geldausgeber, aber trotzdem geliebt von den Coburgern.

Die dem Besucher ganz bestimmt auch gern erzählen, dass ihr kleines Coburg drei Jahre lang auch mal ein eigenständiger Freistaat war – von der Abdankung Herzog Carl Eduards bis zur Volksabstimmung von 1921, als die Coburger dafür stimmten, Teil des Freistaats Bayern zu werden.

Ein eigentlich ahistorischer Beschluss. Denn eigentlich gehörte das kleine Herzogtum ja zu den wettinischen Kleinfürstentümern, die sich in Thüringen herausgebildet hatten, nachdem sich das Ernestinische Fürstentum immer mehr aufspaltete.

Die Veste über der Stadt

Woran der Wanderer spätestens erinnert wird, wenn er auf die Veste Coburg hinaufsteigt, die trutzig über der Stadt thront. Eine Veste, die weniger durch kriegerische Auseinandersetzungen berühmt wurde als durch ihren berühmtesten Besucher: Martin Luther. Der machte sich im April 1530 auf nach Coburg, um von hier aus die Verhandlungen beim Reichstag in Augsburg zu verfolgen. Und Luther-Freunde werden auch hier – wie auf der Wartburg – ein Luther-Zimmer bestaunen können.

Und Martin Luther ging es hier genauso wie auf der Wartburg: Er fühlte sich einsam und verlassen.

Es ist nicht jedem gegeben, auf einer  Burg zu leben. In diesem Fall auch noch weitab vom Schuss. Denn in Augsburg verhandelten Altgläubige (die damals noch die Mehrheit stellten) und Protestanten darüber, wie man künftig friedlich miteinander koexistieren könnte. Und ausgerechnet der Kopf der Protestanten durfte nicht dabei sein, weil Luther in Acht gesetzt war.

Ihm blieb nur die ferne Zuschauerrolle. Und man ahnt, wie ihn das aufgeregt haben muss. Denn Frieden gab es in Augsburg keinen. Kaiser und Altgläubige setzten die noch in der Minderheit befindlichen protestantischen Fürsten massiv unter Druck. Die reisten folglich vorzeitig ab und anerkannten keinen einzigen der Augsburger Bechlüsse.

Dafür gründeten sie dann einen Bund, den Schmalkaldischen Bund, mit dem sie sich gegen die übermächtige katholische Liga wappneten. Aber das ist schon eine andere Stadt und eine andere Geschichte.

St. Moritz im Wappen

Die Veste Coburg jedenfalls sollte man nicht auslassen, wenn man sich einmal einen oder mehrere Tage in Coburg gönnt, das als Städtchen selbst zum Flanieren einlädt – mit richtig schönen Höhepunkten wie den noch erhaltenen Stadttoren, dem Rosengarten und der Kirche St. Moritz. Was dann gleich an das einzigartige Stadtwappen erinnert, denn das zeigt einen der Heiligen drei Könige, den Heiligen Mauritius, der traditionell im Mittelalter als dunkelhäutiger König gezeigt wurde.

Das Mittelalter hatte damit kein Problem, die Nazis schon. Aber die Coburger halten zu ihrem Wappen, haben es schnell wieder eingeführt, nachdem die Nazis auch die Schlacht um Coburg glücklicherweise abgeblasen hatten. Das hat eine größere Zerstörung der Stadt verhindert.

Sodass man heute noch durch altertümliche Gassen schlendern kann, durch die „Krone Frankens“, wie Coburg gern vermarktet wird. Aber da dachten die Marketingexperten wohl tatsächlich an die prächtige Veste über der Stadt, eine der besterhaltenen im deutschen Sprachraum. Und wer die dort befindliche Kunstsammlung besucht, trifft natürlich einen alten Bekannten: Lucas Cranach d.Ä., dessen Bilder auch die Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha gesammelt haben.

Bevor man die Veste verlässt, kann man in der Rüstkammer noch all die Waffen bewundern, die am Ende nicht mehr benutzt wurden. Wobei Steffi Böttger so nebenbei auch erzählt, wie die Besatzung der Veste nach dem Siebenjährigen Krieg selbst die Geschütze der Festung verkaufte. Irgendwann wird auch teures Rüstzeug zu bloßem Metallschrott. Und da ist es der friedlichste Weg, wenn man die alten Haubitzen einfach an den nächste Schrotthändler verkaufen kann.

Steffi Böttger „Coburg an einem Tag“ Lehmstedt Verlag, Leipzig 2026, 7 Euro.

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