Man kann sich ja eine Menge Gedanken machen über Gleichberechtigung der Geschlechter und darüber, warum Frauen in entscheidenden Positionen immernoch unterrepräsentiert sind. So wie der Verbraucherschutzverein Berlin / Brandenburg, der sich auf Studien beruft, die „einen Zusammenhang zwischen Diversität und Geschäftserfolg“ belegen.

„Dennoch fehlt es vielen Unternehmen weiterhin an Frauen in Führungspositionen“, stellt der Verein fest. Und sieht das Problem auch bei deutschen Universitäten. Auch der Uni Leipzig.

Eine aktuelle Datenauswertung des Verbraucherschutzvereins Berlin/Brandenburg (VSVBB) zeigt nun, dass junge Frauen bereits in ihrer akademischen Ausbildung auf vergleichsweise wenige weibliche Vorbilder treffen. Der VSVBB hat 40 der größten deutschen Universitäten zu ihrer Frauenquote befragt.

Auch an der Universität Leipzig herrscht nach diesen Zahlen noch lange keine Gleichstellung: In Leipzig kommen auf 107 Professorinnen 261 Professoren. Daraus ergibt sich ein Frauenanteil in Höhe von weniger als einem Drittel (29,08 Prozent) – Platz 15 in der Rangliste der befragten Universitäten. Die TU Dresden kommt gleich dahinter mit 28,73 Prozent. Es sind auch die einzigen sächsischen Hochschulen in der Liste.

Spitzenreiter in dieser Statistik ist die Universität Koblenz-Landau, wo 40,25 Prozent aller Professuren durch Frauen besetzt wurden.

An Universitäten und Hochschulen fehlen Professorinnen

Insgesamt gaben die 40 befragten Universitäten und Hochschulen an, dass 4.315 ihrer 15.574 Professuren durch Frauen besetzt wurden. Daraus ergibt sich eine Frauenquote in Höhe von 27,71 Prozent. An keiner der befragten Universitäten und Hochschulen herrscht diesbezüglich Gleichstellung.

Vergleichsweise viele Professorinnen gibt es an der Universität Koblenz-Landau, wo 40,25 Prozent aller Professuren durch Frauen besetzt wurden. Auch an der Humboldt-Universität zu Berlin (39,73 Prozent) und der Freien Universität Berlin (37,01 Prozent) liegt der Frauenanteil weit über dem Durchschnitt. Die Top-Fünf der Unis und Hochschulen mit den meisten Professorinnen wird durch die Universität Potsdam (36,6 Prozent) und die Universität Bielefeld (35,6 Prozent) vervollständigt.

An mehreren Universitäten und Hochschulen liegt die Frauenquote jedoch auch im Jahr 2022 noch unter 20 Prozent. Dies trifft auf das Karlsruher Institut für Technologie (19,57 Prozent), die Universität Stuttgart (17,42 Prozent) sowie die Technische Hochschule Mittelhessen (14,98 Prozent) zu. An acht weiteren Lehranstalten wurde zudem weniger als jede vierte Professur durch eine Frau besetzt.

Wenig Dekaninnen an deutschen Universitäten und Hochschulen

Darüber hinaus werden an Deutschlands größten Universitäten und Hochschulen noch immer deutlich mehr Männer zu Dekanen bzw. Fachbereichsleitern gewählt, stellt der Verbraucherschutzverein Berlin / Brandenburg fest. Gerade einmal 18,94 Prozent der 454 Fakultäten werden von einer Frau geleitet. An sechs Hochschulen und Universitäten gibt es sogar keine einzige Dekanin oder Fachbereichsleiterin.

Oft sind es Strukturen, die es nach wie vor leichter machen, dass Männer in die entscheidenden Positionen kommen. Oft ist es auch die Studienrichtung, die über den Frauenanteil bestimmt. Aber beides trägt natürlich auch dazu bei, gewohnte Handlungsweisen beizubehalten und ein System, das Männer bevorzugt, nicht als solches zu erkennen.

Das macht Hochschulen in einer Welt, in der auch Unternehmen, Politik und Fördersysteme meist aus Männerperspektive agieren, scheinbar erfolgreicher – etwa beim Einwerben von Fördergeldern. Aber es beeinflusst auch die Wahl von Forschungsschwerpunkten und verstellt den Blick darauf, dass weibliche Sichtweisen auf die zu erforschende Welt „vergessen“ bzw. schlichtweg ignoriert werden. Und tatsächlich auch Chancen nicht gesehen werden, wenn sie nicht im Fokus männlichen Interagierens stehen.

Demgegenüber stehen auch drei Universitäten, an denen diesbezüglich fast Gleichstellung herrscht. Dazu zählt unter anderem die Universität Bremen, wo 5 von 12 Fakultäten von Frauen geleitet werden. An der Bergischen Universität Wuppertal und der Universität Kassel gibt es sogar jeweils nur einen männlichen Dekan mehr. Zudem steht an 15 von 40 Universitäten und Hochschulen eine Frau als Rektorin oder Präsidentin an der Spitze.

Zehn Hochschulen haben gar nicht geantwortet

„Als Pädagogin ist mir zudem bewusst, dass es bereits in der Ausbildung weibliche Vorbilder braucht, um möglichst viele junge Frauen für größere Aufgaben zu motivieren. Leider gibt es diesbezüglich an vielen deutschen Universitäten und Hochschulen noch Nachholbedarf“, kommentiert Angelika Menze, erste Vorsitzende des VSVBB, die Ergebnisse.

„Generell haben wir im Rahmen unserer Befragung jedoch oftmals den Eindruck gewonnen, dass sich an den Universitäten und Hochschulen durchaus etwas tut. So wurden in den vergangenen Jahren viele Gleichstellungsbüros eröffnet und vor allem Juniorprofessuren wurden, soweit wir es nachvollziehen konnten, vergleichsweise häufig mit Frauen besetzt. Enttäuschend war für uns allerdings, dass zehn weitere Universitäten und Hochschulen, die wir zu dem Thema befragt haben, aktuell gar keinen Überblick darüber haben, wie viele Frauen sie beschäftigen. Das lässt nicht darauf schließen, dass das Thema Gleichstellung dort eine große Rolle spielt.“

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