Vor dem Leipziger Zoo protestieren heute Mittag Angestellte der Einrichtung im Zuge aktueller Tarifverhandlungen. Stadt und MDR-Sinfonieorchester ehren einstigen Kapellmeister der Oper, der wegen seiner jüdischen Abstammung verfolgt wurde. Und in der Kulturfabrik Werk 2 wird heute die große Demonstration vorbereitet, die am Internationalen Frauenkampftag stattfindet.
Tierpfleger-Protest ohne Streik
Im Zuge laufender Haustarifverhandlungen haben Beschäftigte des Leipziger Zoos für heute eine Protestaktion angekündigt. Dabei wird betont, dass es sich ausdrücklich nicht um eine Streikmaßnahme handelt. Um 12:20 wollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine halbe Stunde am Eingang zum Zoologischen Garten auf Forderungen aufmerksam machen, die sie ihrem Arbeitgeber stellen.
Konkret geht es um 300 Euro mehr Gehalt im Monat und die Aufnahme von geringfügig Beschäftigten in den Tarifvertrag. Insbesondere Mitarbeitende in den unteren Entgeltgruppen sehen sich nach Angaben der Gewerkschaft ver.di zunehmend unter finanziellen Druck gesetzt. Gestiegene Lebenshaltungskosten träfen sie besonders hart. Hinzu komme, dass viele von ihnen unfreiwillig in Teilzeit arbeiten und damit über ein entsprechend geringeres Einkommen verfügten. Die Kombination aus niedriger Eingruppierung und reduzierter Stundenzahl verschärfe ihre wirtschaftliche Situation zusätzlich.
Für die Arbeitgeberseite eine schwierige Situation, wie für andere Einrichtungen, deren Personalstärke ebenso saisonabhängig ist, auch. So fordert ver.di seit vielen Jahren von einem großen Online-Versandhändler die Festanstellung von Arbeitskräften, die im umsatzstärkeren Oster- und Weihnachtsgeschäft das Stammpersonal aufstocken.
Auf den laufenden Betrieb der Einrichtung hat die Aktion keinen Einfluss. So ist auch der Besuch voll umfänglich möglich. Die Protestaktion wird von Angestellten durchgeführt, die ohnehin zu dieser Zeit Mittagspause haben. Diese opfern sie, um ein deutliches Signal zu senden: sie erwarten ein Angebot der Zoo-Verwaltung, mit dem sie ihrer Verantwortung gerecht wird.
„Damit der Zoo Leipzig einer der führenden Zoos Europas bleibt, braucht es eine angemessene Wertschätzung der Beschäftigten, die dies tagtäglich möglich machen. Dies drückt sich maßgeblich in guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen aus“, zitiert die Gewerkschaft Tierpfleger Anton Barske in einer Medieninformation.
Von der Protestaktion berichtet im Tagesverlauf unser Reporter Thomas Köhler.
Ehrung für Alfred Szendrei
Die Stadt Leipzig und das MDR-Sinfonieorchester würdigen heute an dessen 50. Todestag den Dirigenten und Komponisten Alfred Szendrei (1884–1976), der von 1918 bis 1924 als Erster Kapellmeister am Leipziger Opernhaus tätig war. Ihm zu Ehren wurde am Morgen in der Duforstraße 38, wo er von 1920 bis 1926 lebte, eine Gedenktafel eingeweiht, geschaffen von der Leipziger Künstlerin Franziska Neubert.
Szendrei war ab 1924 Musikdirektor des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters, der ältesten Formationen dieser Art in Deutschland, das heute als MDR-Sinfonieorchester bekannt ist. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde der Künstler von den Nationalsozialisten verfolgt, emigrierte nach der Machtergreifung der Nazis nach Frankreich und übersiedelte 1940 in die USA, wo er mit 92 Jahren 1976 in Los Angeles starb.
Franziska Neubert, die Schöpferin der Gedenktafel, studierte nach dem Abitur an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst sowie an der École Nationale Superieure des Arts Décoratifs in Paris. Nach dem Studium schloss sich ein Meisterschülerstudium bei Prof. Thomas M. Müller an, ebenfalls an der Leipziger HGB. Für ihre Meisterschüler-Abschlussarbeit erhielt sie den Anerkennungspreis des Ars Lipsiensis. Neuberts Arbeiten wurden mehrfach prämiert und werden im In- und Ausland ausgestellt. Zudem illustrierte die Künstlerin etliche Bücher, zum Beispiel Herta Müllers „Niederungen“.
Schon heute Frauentag im Werk 2
Die Kulturfabrik WERK 2 lädt heute zu einem „Aktionstag zum 8. März“ ein. Die Veranstaltung findet von 10 bis 17 Uhr in den Hallen D und A des Kulturzentrums in der Kochstraße am Connewitzer Kreuz statt, der Eintritt ist frei. Im Mittelpunkt des Tages stehen nach Angaben der Veranstaltenden gleiche Rechte und gleiche Chancen für alle sowie die Idee eines Feminismus, der ausdrücklich inklusiv gedacht ist. Zugleich ist er Vorbereitung auf die Demonstration am 8. März selbst.
Das Programm ist als Mitmach- und Begegnungstag angelegt: Besucherinnen und Besucher können kreativ werden, sich informieren und ins Gespräch kommen. Vorgesehen sind unter anderem Bastelangebote (zum Beispiel bunte Papierblumen), die sich mit feministischen Botschaften beschriften lassen, sowie Malaktionen im Rahmen des Projekts NorMalwerk, bei denen Bilder zu eigenen Stärken und Vorlieben entstehen und später zur Demo mitgenommen werden können. Für Bewegung sorgt eine Disco in Halle D; außerdem sind Tanz-Workshops mit Lisa Lotte Giebel angekündigt, jeweils um 11 Uhr und um 14 Uhr. Essen und Getränke werden angeboten, dafür soll ein kleiner Betrag eingeplant werden.
Beteiligt sind laut Ankündigung zahlreiche Initiativen und Einrichtungen, darunter das WERK 2 selbst, die Diakonie Leipzig, Frauenkultur e. V. und BELLIS e. V.; außerdem werden unter anderem Jusos, der Behinderten-Verband e. V., das Haus der Demokratie Leipzig, Leben mit Handicaps e. V., der NorMalwerk Kunstraum sowie die Grafik-Druck-Werkstatt und WILMA genannt.
Die eigentliche Demonstration zum Internationalen Frauenkampftag, zu der das Bündnis „8. März ist immer!“ mobilisiert, findet am Sonntag statt. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Augustusplatz, von dort aus geht es durch die Innenstadt über die Karl-Liebknecht-Straße zum Connewitzer Kreuz. Der Protest ist offen für alle Menschen und im Anschluss an die Demonstration wird im Werk 2 eine feministische Abrissparty mit Musik und DJs angeboten.
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