Weiter Wirbel um Weimer – der umstrittene Kulturstaatsminister streicht seine Messe-Termine, während drei Initiativen Protest-Kundgebungen am Eröffnungstag der Buchmesse angemeldet haben. Rund um das heutige Konzert von Sarah Connor kommt es zu Stau. Und der Handball-Bundesligist SC DHfK trennt sich nach 16 Jahren überraschend von Lucas Krzikalla.
Buchmesse hebt vor Protestkulisse den Vorhang
Leipzigs große Bücherbühne eröffnet heute mit einem Festakt im Gewandhaus, in dessen Rahmen auch der Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen wird. Dotiert mit 20.000 Euro geht er an den bosnisch-herzegowinisch-kroatischen Schriftsteller Miljenko Jergović. Für seinen Roman „Sarajevski Marlboro“ erhielt der Autor 1995 den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis. Die Buchpreis-Jury würdigt mit ihrer heutigen Auszeichnung einen Autor, der sich literarisch mit der Geschichte Südosteuropas, mit Kriegserfahrungen und den kulturellen Verflechtungen innerhalb Europas auseinandersetzt, dabei aber immer auch Perspektiven für ein besseres Verständnis untereinander eröffnet.
Dass Verständigung mitunter schwierig ist, zeigen auch Kundgebungen im Umfeld der Eröffnung. Die vermutlich größte Demonstration wird vom Bündnis „Leipzig nimmt Platz“ organisiert. Sie richtet sich unter dem Motto „Gegen Zensur und Autoritarismus“ gegen das umstrittene Verfahren rund um den „Deutschen Buchhandlungspreis“. Nachdem mehrere Buchhandlungen zunächst von der Nominierungsliste gestrichen worden waren und die Preisverleihung schließlich ganz abgesagt wurde, werfen Kritiker Kulturstaatsminister Wolfram Weimer politische Einflussnahme vor. Die Demonstration findet deshalb bewusst am Vorabend der Messe statt. Die Gewerkschaft ver.di hat sich dem Aufruf zur Demonstration angeschlossen und fordert ihre Mitglieder in einem Schreiben auf: „Bringt Bücher mit und zeigt sie gemeinsam mit uns – als Zeichen für die Freiheit des Denkens, die wir verteidigen und einfordern.“ Zeitgleich ist eine weitere Kundgebung angekündigt, die sich mit der Klimakrise befasst.
Die Leipziger Gruppe „ProtestFlügel“ will um 18 Uhr, zeitgleich mit der Anti-Zensur-Kundgebung, vor dem Gewandhaus mit einer musikalischen Aktion auf ökologische Probleme im Donauraum aufmerksam machen. Das Thema greift den diesjährigen regionalen Schwerpunkt der Buchmesse auf, der unter dem Motto „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ steht. Aktivisten wollen die Aufmerksamkeit rund um den Eröffnungsabend nutzen, um auf Hochwasser, Dürreperioden und den Verlust von Lebensräumen entlang des Flusses hinzuweisen.
Eine dritte Demonstration ist ebenfalls für heute Abend angemeldet worden. Sie steht im Zusammenhang mit einer Buchmesseveranstaltung mit dem israelischen Militärsprecher Arye Sharuz Shalicar. Kritiker werfen der Veranstaltung, die im Felsenkeller stattfindet wird, politische Propaganda vor. Somit beginnt die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr nicht nur als literarisches Großereignis, sondern auch als Politikum. Während im Gewandhaus der Festakt stattfindet, wollen im öffentlichen Raum mehrere Kundgebungen unterschiedliche politische Anliegen sichtbar machen. Eine direkte Begegnung von Kultur und Konflikt…
Wie die Deutsche Presseagentur (DPA) und die Leipziger Volkszeitung am gestrigen Abend übereinstimmend vermelden, wird der umstrittene Kulturstaatsminister Weimer nur am heutigen Festakt zur Eröffnung teilnehmen und auf alle weiteren geplanten öffentlichen Messe-Termine verzichten. Damit sucht sich der in seinem Amt beschädigte Politiker den sichersten Auftritt aus, ohne sich einer Konfontration zu stellen.
Corner-Chaos wegen Connor
Kommt, singt und sorgt für Stau! Rund um das Konzert von Sarah Connor in der Quarterback Immobilien Arena müssen sich Besucher heute Abend auf erhebliche Verkehrsprobleme einstellen. Die Stadt Leipzig rechnet wegen des erwarteten Andrangs mit einer angespannten Parksituation und weist darauf hin, dass es in der Umgebung der Arena eigentlich nur die zur Arena gehörenden Miet-Stellplätze gibt.
Geboren wurde die erfolgreiche Pop-Sängerin 1980 im niedersächsischen Delmenhorst als Sarah Marianne Corina Lewe. Ihren Künstlernamen „Sarah Connor“ trägt sie seit Beginn ihrer Karriere. Ihr Großvater väterlicherseits war Jazz-Pianist. Zunächst begann sie ihre Laufbahn unter dem Künstlernamen Sarah Gray. Um einprägsamer und internationaler zu klingen, änderte sie ihn jedoch in Sarah Connor, in Anlehnung an ihre irisch-amerikanischen Vorfahren. Mit dem Debütsong „Let’s Get Back to Bed – Boy!“ und vor allem dem Hit „From Sarah with Love“ gelang ihr Anfang der 2000er-Jahre der Durchbruch, mehrere Alben erreichten in Deutschland Platz eins der Charts. Nach den Jahren mit englischen Songs wechselte Connor 2015 erfolgreich zu ihrer Heimatsprache. Das Album „Muttersprache“ wurde zu einem der meistverkauften deutschsprachigen Popalben der vergangenen Jahre und brachte ihr eine neue Generation von Fans.
Bereits zehn Jahre zuvor sorgte die Künstlerin mit einem deutschsprachigen Song für Aufsehen, als sie einen Text des jüdischen Mädchens Selma Meerbaum-Eisinger intonierte, die 1942 mit nur 18 Jahren in einem deutschen Zwangsarbeitslager starb. Selmas Gedichte gelten heute als eines der bewegendsten literarischen Zeugnisse junger jüdischer Stimmen aus der Zeit des Holocaust.
Das Konzert von Sarah Connor beginnt um 20 Uhr, der Einlass startet bereits um 18 Uhr. Besonders rund um das Sportforum, entlang der Jahnallee sowie auf den Zufahrten zur Arena dürfte es deshalb zu einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen kommen. Besucher müssen ausreichend Zeit für die Anreise einplanen. Die Stadt empfiehlt, auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen oder Park-and-Ride-Angebote zu nutzen. Wer mit Bus und Bahn kommt, kann an der Haltestelle Waldplatz/Arena aussteigen. Diese wird von den Straßenbahnlinien 3, 4, 7, 8 und 15 bedient. Autofahrer müssten dagegen vor allem kurz vor Konzertbeginn mit Staus an sämtlichen Kreuzungen und längerer Parkplatzsuche rund um das Arena-Gelände rechnen.
SC DHfK trennt sich von Rechtsaußen
Der SC DHfK Leipzig und Lucas Krzikalla gehen nach der laufenden Saison getrennte Wege. Der auslaufende Vertrag des 32-jährigen Spielers wird nicht verlängert. Das teilte der Handball-Club überraschend in einer öffentlichen Meldung auf seiner Vereins-Seite mit. Die Entscheidung sei im Zuge einer „zweigleisigen Kaderplanung“ des Bundesligisten gefällt worden, heißt es in der Mitteilung.
Die Trennung markiert das Ende einer außergewöhnlich langen Verbindung zwischen Spieler und Verein. Krzikalla spielt bereits seit 2010 für den SC DHfK Handball und gehört damit zu den prägenden Figuren der Leipziger Bundesligaära. Über viele Jahre hinweg war der Rechtsaußen ein prominentes Gesicht des Clubs. Dennoch entschied sich dessen Führung nun für einen personellen Schnitt auf seiner Position.
Geschäftsführer Karsten Günther betont, dass dieser Schritt keineswegs leicht gefallen sei. „Die Entscheidung auf der Rechtsaußenposition ist uns extrem schwergefallen. Lucas hat sich über viele Jahre hinweg mit großem Einsatz für unseren Verein verdient gemacht, viele Talente für eine Handballkarriere inspiriert und ist ein echtes Aushängeschild des SC DHfK Leipzig. Auch in dieser Saison zeigt er konstant starke Leistungen.“ Gleichzeitig müsse der Klub jedoch die zukünftige Entwicklung des Kaders im Blick behalten. „Auf Rechtsaußen verfügen wir mit Staffi und Anton über zwei junge Spieler mit großem Potenzial und langfristiger Perspektive, die bis 2028 an uns gebunden sind und wie Kritschi aus unserer eigenen Akademie stammen. In der aktuellen Gesamtsituation – geprägt von sportlicher Ungewissheit und wirtschaftlich herausfordernden Rahmenbedingungen – war es daher notwendig, diese Entscheidung so zu treffen“, erklärt Günther.
Krzikalla selbst blickt trotz des bevorstehenden Abschieds dankbar auf seine Zeit in Leipzig zurück. „Der SC DHfK ist für mich nicht einfach nur ein Verein, sondern war über meine gesamte Profikarriere hinweg meine sportliche Heimat. Die vielen Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnisse aus den vergangenen 16 Jahren hier in Leipzig haben mich geprägt und werden mich ein Leben lang begleiten. Ich bin unglaublich dankbar für diese besondere Zeit.“ Gleichzeitig kündigt der Routinier an, bis zum Saisonende alles für den Klassenerhalt zu geben. Neben Krzikalla stehen beim SC DHfK Leipzig damit bereits drei Abgänge für den Sommer fest. Torhüter Domenico Ebner wird zum TBV Lemgo Lippe wechseln, zudem läuft der Vertrag von Ahmed Khairi aus. Für die Leipziger beginnt damit schon jetzt die Phase der personellen Neuordnung für die kommende Saison. Unabhängig davon, ob die in der 1. oder 2. Bundesliga absolviert wird.
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