Musik zwischen heiligem Marmor, Glasfassade und Moderne – heute gibts ein ganz besonderes Konzert. Zudem läuten schon lange erwartete Ereignisse unübersehbar das Frühjahr ein: zwei Schleusenöffnungen sowie das „Fenster-Auf!“ von Leipzigs lustigstem Ausflugslokal. Und diese Rubrik verspricht, dass wir aus purer Freude am Frühling glücklich genug sind und keinen Aprilscherz versteckt haben. Wirklich!
Liebe, Lächeln und Lavendel
Es ist ein hellgrüner Farbtupfer, der den erst langsam aus dem Winterschlaf erwachenden Richard-Wagner-Hain am Elsterradweg ab heute wieder zu einem der beliebten Ausflugsorte an Leipzigs Flussufern macht. Ein kleiner hölzerner Zirkuswagen, einst gelb, vor seiner Einweihung 2009 als Kaffee- und Kuchen-Paradies von Schriftstellering Rebecca Maria Salentin („Schuld war Elvis“) mühevoll restauriert und geführt, betreibt ihn seit 8 Jahren Julia Rittig mit ebenso viel Liebe, wie ihre Vorgängerin.
In der kalten Jahreszeit arbeitet sie freiberuflich im Online-Marketing, freut sich nun aber auf die ganz andere Seite ihres Berufslebens. „An unserem Wagen geht es richtig familiär zu. Viele Gäste kennen sich, treffen sich nach ihrer Arbeit bei uns auf der Wiese, haben die Kinder dabei.“ Und so schließt das Kleinod abends in der Regel bei Sonnenuntergang, wenn es die Familien und Spaziergänger nach Hause zieht.
Einen mürrischen Blick wird man am „ZierlichManierlich“ nicht erwischen. Denn der Name zeugt nicht nur vom charmanten Kleinsein der Einrichtung, sondern auch vom herzlichen und höflichen Umgang miteinander. So entstehen Müllprobleme am Ufer und auf der Wiese nicht während der Öffnungszeiten, sondern eher in den Nachtstunden, wenn sich Pizzakartons und Flaschen anhäufen und der grashüpfergrüne Wagen seine Fensterläden längst geschlossen hat und seine Gäste daheim in friedlichem Schlummer liegen.
Im Angebot sind auch in dieser Saison wieder vom Team selbst gebackene Kuchen und Torten, die hausgemachten Lavendelkekse und die selbstgemachte Lavendellimonade lassen schon heute den Sommer erahnen. Neu auf der Karte ist in diesem Jahr ein Sandwich mit gegrilltem Käse. Denn so süß das „ZierlichManierlich“ daherkommt, es braucht mitunter was Herzhaftes. Und das ist eben auch zu haben.
Freunde des deutlich größeren Biergartens ein Stück flussaufwärts müssen sich noch etwas gedulden. Der eröffnet erst zum Saisonstart der Pferderennbahn im Scheibenholz im Mai.

Wasserwandern und Vogelschutz
Und weil wir einmal am Wasser sind: auch für die Bootsfahrer beginnt heute offiziell die Ausflugssaison! Die beiden Schleusen Connewitz und Cospuden werden für den Betrieb freigegeben und ermöglichen eine freie Fahrt, zum Beispiel vom Stadthafen bis auf den Cospudener See, ohne das Boot per Hand umsetzen zu müssen.
Wie aus den Nutzungszahlen der Stadt für den Zeitraum vom 1. April bis 30. Oktober 2025 hervorgeht, wurden insgesamt 26.428 Boote geschleust und damit noch einmal deutlich mehr als im Jahr zuvor, als 24.498 Boote gezählt wurden. Den größten Anteil hatte dabei erneut die Schleuse Connewitz mit 19.574 Booten, während die Schleuse Cospuden auf 6.854 Schleusungen kam. Besonders stark frequentiert war der August mit nahezu 6.700 Booten.
Die Schleuse Connewitz, die im Jahr 2015 in Betrieb genommen wurde, ist ein zentrales Bindeglied im Leipziger Gewässerverbund zwischen dem südlichen Auwald und dem sogenannten Neuseenland. Für ihren Bau wurden rund 5,5 Millionen Euro investiert. Die Schleuse Cospuden, die diese Verbindung weiter zum Cospudener Sees ergänzt, wurde vier Jahre später eröffnet. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 2,7 Millionen Euro.
Wasserwanderer gelten in der Regel als Naturliebhaber und sollten Verständnis haben, dass es trotz aller Frühlingsstimmung zu Einschränkungen der Befahrbarkeit kommen kann. Der Abschnitt durch den Leipziger Auwald wird jährlich zeitweise begrenzt oder gesperrt, um den streng geschützten Eisvogel während der Brutzeit nicht zu stören. Betroffen davon ist vor allem der Bereich rund um die Schleuse Connewitz. In dieser Zeit kann es je nach Abschnitt komplette Sperrungen oder Durchfahrtsverbote geben. Das bedeutet: Auch wenn die Schleusen technisch in Betrieb sind, ist die Durchfahrt Richtung Cospudener See dann nicht durchgehend möglich.
Die Maßnahmen richten sich nach den Niststellen der anmutigen Uferbewohner. So dürfen schon seit 1. März bis einschließlich 30. September muskelkraftbetriebene Wasserfahrzeuge ausschließlich in der Zeit von 11 bis 13 Uhr, von 15 bis 18Uhr und von 20 bis 22 Uhr den Floßgraben befahren. Das Ufer darf auf einem 20 Meter breiten, beidseitigen Uferstreifen nicht betreten werden. Aktuelle Informationen zur Befahrbarkeit gibt es u.a. beim LSV Südwest, Abteilung Kanu. Dort sind nicht nur die Eisvogel- Zeiten, sondern auch Beeinträchtigungen durch umgestürzte Bäume zu finden.
Klänge bei Klinger
So viel Frühling, so viel Belebendes nach Wochen von zwar nötigen, aber nervenden Umleitungen, berechtigten Arbeitskämpfen, verachtenswertem Vandalismus, damit einhergehenden Sperrungen und ministerieller Kulturzensur – da darf zum Start in den April die musische Komponente nicht zu kurz kommen.
So erwartet, zumal bei freiem Eintritt, späte Gäste des „Museums der bildenden Künste“ heute Abend ein ganz besonderes, orchestrales Ereignis. Unter dem Titel „Nachhall“ laden die Oper Leipzig und die Musikalische Komödie um 18.30 Uhr zu einem Wandelkonzert ein, das nicht im Konzertsaal stattfindet, sondern mitten in den Ausstellungsräumen des Hauses, zwischen den Werken von Beckmann, Klinger und der Leipziger Schule.
Wandelkonzert bedeutet: die Zuhörenden begehen das Museum und erleben an verschiedenen Punkten im Haus live gespielte Musik. Beteiligt sind Musikerinnen und Musiker aus Orchester und Chor der Musikalischen Komödie, in unterschiedlichen Besetzungen auftretend. Die musikalische Leitung liegt bei Michael Nündel.
Anders als bei einem klassischen Konzert mit festem Programm und klarer Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum entsteht eine offene Begegnung von musizierenden Künstlern, Museumsbesuchern, den klanglichen wie den abbildenden Kunstwerken. Einen weiteren „Nachhall“ soll es am 28. Mai an selbem Ort geben.
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