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Eine 24-jährige Leipzigerin soll ihren sieben Monate alten Sohn so heftig geschüttelt haben, dass er am Folgetag durch schwere Hirnschäden verstarb. Am Freitag wies die wegen Totschlags angeklagte Frau die schweren Vorwürfe gegen sich am Landgericht Leipzig zurück: Sie habe keine Erklärung, wie es zum Tod des Säuglings kam, sagte die Mutter unter Tränen. Das Gericht äußerte Zweifel an ihrer Darstellung.
Warum musste der kleine Mika* mit nur sieben Monaten sterben? Um die Klärung dieser Frage geht es seit dieser Woche am Landgericht Leipzig: Kindsmutter Linda W.* (24) soll den Säugling am 29. April 2024 in ihrer Grünauer Wohnung massiv geschüttelt haben. Vom herbeigerufenen Notarzt wurde der Junge reanimiert, starb aber am Folgetag in der Kinderklinik infolge schwerster Hirnschädigungen. Laut Staatsanwaltschaft habe die wegen Totschlags angeklagte Linda W. durch das Schütteln die Blutungen und Verletzungen verursacht, die zum Tod des Babys führten.
Angeklagte: „Habe seinen Tod bis heute nicht verkraftet“
Die schulabschluss- und berufslose Frau ließ am Freitag durch ihre Verteidigerin Henrike Wittner eine Erklärung abgeben, in der sie die Vorwürfe abstritt: „Ich habe ihn zu keinem Zeitpunkt geschüttelt, weil ich weiß, wie gefährlich das ist“, beteuerte Linda W. in ihrer Aussage. Als „Frühchen“ mit Entwicklungsstörung, das im September 2023 bereits in der 24. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen war, habe sie sehr auf Mika aufgepasst: „Weil er früh auf die Welt kam, habe ich immer besondere Sorge um ihn gehabt.“
An jenem 29. April 2024, einem Montag, brachte Linda W. nach eigener Darstellung ihre dreijährige Tochter zur Kita und habe Mika in der Trage dabeigehabt. Wieder daheim angekommen, habe sie das Baby gefüttert und auf die Couch gelegt. Irgendwann will sie bemerkt haben, dass etwas mit dem Jungen nicht stimmte: „Er wurde etwas blauer im Gesicht und atmete nicht.“ In Panik wählte Linda W. den Notruf, landete in der Warteschleife und rannte mit dem Kind auf dem Arm zu einer Nachbarin unter ihr, die sofort half.
Doch am Ende kam für Mika jede Hilfe zu spät, seine Hirnschäden waren irreversibel: „Den Tod habe ich bis heute nicht verkraftet. Manchmal weiß ich nicht, wohin mit meiner Trauer“, so Linda W., deren Tochter jetzt fünf ist und die Anfang 2026 Mutter eines weiteren Kindes wurde.
Auch ältere Verletzungen bei Säugling festgestellt
Vom Vater des verstorbenen Mika habe sie sich längst getrennt und heute keinen Kontakt mehr. Dieser soll sich zum Zeitpunkt des Vorfalls auf der Arbeit befunden haben. Wo er jetzt ist, wissen die Behörden nicht: Der 25‑Jährige wurde nach Gerichtsangaben bisher erfolglos zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben. Seine Zeugenaussage bei der Polizei wich jedoch von dem ab, was Linda W. schilderte. So sei er es gewesen, der die Tochter seiner Freundin allein in den Kindergarten brachte.
Hinzu kam, dass die Rechtsmedizin neben den Hirnschäden bei Mika auch ältere Schwellungen und Hämatome feststellte, die einer Erklärung bedürften: „Ihre Geschichte passt mit den medizinischen Befunden nicht ganz zusammen, um es vorsichtig zu sagen“, hielt der Vorsitzende Richter Johann Jagenlauf der Angeklagten am Freitag entgegen. Die beharrte weiter darauf, keine Erklärung zu haben.
Auch den verschollenen Kindsvater habe sie selbst nie tätlich gegenüber seinem Sohn erlebt, wenngleich die Beziehung zu dem Mann von Streit geprägt gewesen sei und sie Angst vor ihm gehabt habe. Manchmal sei sie daher auch zu ihrer Mutter geflüchtet, die ihr berichtet habe, dass der Vater zuweilen unwirsch und ungeduldig mit seinem Baby umgehe.
Ersthelferin: „Er war ganz blass und die Augen waren starr“
Die Hausnachbarin, die den kleinen Mika als Ersthelferin versorgte, war für Freitag zur Zeugenaussage geladen. Am Vormittag des 29. April 2024 habe Linda W. mit dem Säugling auf dem Arm bei ihr geläutet und sie in Panik um Hilfe gebeten, da er nicht mehr atme, erinnerte sich die 61-Jährige am Freitag. Den Anblick des Jungen könne sie nicht vergessen: „Er war ganz blass und die Augen waren starr.“
Die Frauen alarmierten den Rettungsdienst und die Polizei, die zuerst eintraf. Außerdem versuchte die Nachbarin, die früher in einem Kindergarten gearbeitet hatte, mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung Mikas junges Leben zu retten. Am Ende aber waren alle Mühen vergebens.
Für den Totschlagsprozess, in dem noch ein medizinisches und ein psychologisches Gutachten erwartet werden, sind weitere Termine bis zum 9. September anberaumt worden.
*Namen geändert.
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