Wenn Leipziger träumen: André Göhre „Ein paar Peanuts für Vereine und Sportmuseum“

Für alle LeserDas Jahr 2017 liegt in den letzten Zügen, die Welt ist im Weihnachtswahn oder hat diesen gerade hinter sich gebracht, aber viele machen sich außerhalb des Trubels auch Gedanken darüber: Welche Wünsche, Träume oder Illusionen hast du für das neue Jahr? So auch ich.

Natürlich könnte ich jetzt das Phrasen-Schwein füttern, mir Weltfrieden, Glück und Gesundheit auf der ganzen Erde wünschen. Das sind jedoch, zumindest für mich, Selbstverständlichkeiten, die nicht extra erwähnt werden müssen. Ich, als Leipziger Fußballhistoriker, habe da schon einige ausgefallenere Träume, die ich hier und heute einfach einmal zum Besten geben möchte.

Ich würde mir von der Stadt Leipzig das wünschen, wofür ich bereits seit Jahren kämpfe: Unser Leipzig, welches sich selbst als „Sportstadt“ sieht, sollte sich endlich wieder an seine sportliche – respektive fußballerische – Vergangenheit erinnern, zu seinen Wurzeln stehen und nicht ausschließlich dem „modernen“ Fußball hinterherhecheln. Denn, man glaubt es kaum, es gibt auch neben der fußballerischen Zweig-Niederlassung eines österreichischen Limonadenverkäufers Vereine in unserer Stadt, die Geschichte schrieben bzw. schreiben.

Vereine wie z. B. die SpVgg 1899 Leipzig, die SG Motor Gohlis-Nord, dessen Fußballabteilung sich in der Traditionslinie des FC Wacker 1895 Leipzig sieht, oder die SV Fortuna 02 Leipzig. Von den Chemikern und der LOKsche gar nicht zu sprechen. Vereine, die in der Vergangenheit das Ansehen und den Ruf Leipzigs als Hauptstadt der „Fußlümmelei“ weit über die Grenzen Sachsens, sogar über die Deutschlands trugen.

Clubs, die unendliche Meisterschaftstitel gewannen sowie unzählige Male in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft standen. Und dies zu Zeiten, als die Vorfahren Yoovidhya Chalerms noch durch den thailändischen Dschungel auf der Suche nach genießbaren Wurzeln und Kräutern stolperten.

Diese Vereine, kämpfen heutzutage im Nirvana der Kreisklassen bzw. -ligen unserer Stadt ums Überleben. Doch anstatt die Kommune diesen Mannschaften, die hier vor mehr als 100 Jahren den Deutschen Fußball-Bund gründeten und den ersten Deutschen Fußball-Meister hervorbrachten, etwas mehr finanzielle Unterstützung zukommen lässt, sponsert die L-Gruppe ein milliardenschweres Unternehmen mit 200.000 Euro, das diesen Betrag nicht einmal als Peanuts betrachtet und höchstens müde belächelt.

Diese 200.000 Peanuts würden den genannten – und vielen anderen – kleinen Vereinen unserer Stadt das Überleben sichern und sogar in die Zukunft planen lassen. Und ganz vielleicht bliebe sogar der eine oder andere Cent für das Sportmuseum Leipzig hängen, um dieses aus den Kellern des Olympiastützpunktes zu holen, wo es ein Bunkerdasein fristet, und ihm eine dauerhafte Ausstellungsstätte errichten lässt, in der Frau Dr. Gerlinde Rohr und Co. endlich ihre Schätze würdig präsentieren könnten.

Dies ist schon alles, was ich mir neben Weltfrieden, Glück und Gesundheit auf der ganzen Erde wünschen würde. Eigentlich gar nicht so viel, oder? Ich wünsche Ihnen allen ein schönes, geruhsames sowie friedliches Weihnachtfest sowie ein gesundes, erfolgreiches Neues Jahr. Und sollte RB zufällig an einem Wochenende nicht spielen, schauen Sie doch einfach einmal auf den Sportplätzen in der Demmering- bzw. Riesaer Straße oder im Stadion des Friedens – respektive Stadion der Freundschaft – vorbei. Die ehemaligen Meisterschafts-Vereine Leipzigs werden es Ihnen sicher danken.

André Göhre forscht in seiner Freizeit seit Jahren zu regionalen historischen Fußballgrößen wie Dr. Ernst Raydt, Theodor Schöffler, Erich Chemnitz, Bruno Wöllner oder Camillo Ugi. Zudem betreibt Göhre das „Netzwerk blau-gelb“ und bietet Stadionführungen beim 1. FC Lok sowie fußballhistorische Stadtrundfahrten an.

Alle Träume, welch bereits veröffentlicht sind, finden Sie ab sofort hier in steigender Anzahl unter dem Tag l-iz.de/tag/traeume.

Eine Reihe kehrt zurück: Wenn Leipziger träumen

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