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Keine Bühne den Faschisten: Vorwürfe rund um die Distanz-Kundgebung und Statement der Crew

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    Distanz versteht sich als ein Kulturprojekt, an dem alle Interessierten teilhaben können und das die Bereitstellung von Veranstaltungsflächen für unkommerzielle Veranstaltungen im städtischen Raum Leipzigs fordert. An diesem Samstag, 14. August, soll auf fünf Bühnen im Clara-Zetkin-Park eine Mischung aus Musik-Acts und Redebeiträgen stattfinden.

    Was als Fortsetzung einer gelungenen Kundgebung zur pandemiebedingten Situation der Kulturschaffenden im vergangenen Jahr gedacht war, entwickelte sich nun jedoch schnell zu einem Shitstorm. Viele Medienkanäle machten darauf aufmerksam, dass das Selbstverständnis der Veranstaltung stark von Teilen des Line-Ups abweicht. Während man sich auf der Website für Awareness, Vielfalt und Gleichberechtigung ausspricht, wurden anscheinend zwei Acts gebucht, die stark von diesem Bild abweichen.

    Neben dem Hardtekk-DJ Zahni, der Teil des rechtsoffenen Labels Strezzkids war, sollte Christian Hundt, Künstlername Hunnel, auf der Techno-Bühne auftreten. Dieser tritt auf seinen Social Media-Kanälen öffentlich und offensichtlich rechts auf – von Reichsflaggen bis hin zu „I love Htlr“-Aufklebern.


    Laut Jürgen Kasek, Leipziger Grünen-Politiker und Rechtsanwalt, der der Distanz-Crew beratend zur Seite stand, wurde den beiden besagten Acts umgehend abgesagt. Im kürzlich veröffentlichten Distanz-Statement wurde auch erklärt, dass alle anderen Acts jetzt noch einmal eingehend überprüft wurden.

    Außerdem erklärt Kasek im Hintergrundgespräch mit der Leipziger Zeitung (LZ), wie es überhaupt dazu kommen konnte: „Die Programme der einzelnen Bühnen wurden durch einzelne Crews zusammengestellt, die das Selbstverständnis des Distanz-Projektes zugeschickt bekommen haben und danach buchen sollten. Das Hauptorganisationsteam hat sich darauf verlassen, dass die externen Booker/-innen das Line-Up anhand des Selbstverständnisses zusammenstellen.“

    Dass man als Hauptorganisationsteam nicht noch einmal gegengeprüft habe, sei ein Fehler gewesen. Für kommende Veranstaltungen sei das eine Lehre und auch auf der Kundgebung am Samstag wird man auf der Techno-Bühne einen Redebeitrag integrieren, der sich mit den Acts, dem Selbstverständnis, dem Fehler und den daraus gezogenen Lehren auseinandersetzt.

    Hier das Statement der Distanz-Crew:

    „In erster Linie möchten wir uns bei allen Menschen bedanken, die uns auf den Vorfall aufmerksam gemacht haben. Distanz versichert hiermit offiziell, keinen Artists, die rechtes und diskriminierendes Gedankengut vertreten, eine Plattform bieten zu wollen. Dies wäre im völligen Widerspruch mit unserem Selbstverständnis und den Werten die wir mit der Veranstaltung vermitteln wollen. Wir haben im Vorfeld leider nicht bemerkt, aus welchen Hintergründen die gebuchten Personen kommen. Als Konsequenz werden die betreffenden Artists selbstverständlich abgesagt.

    Nun stellt sich die Frage wie entsprechende Künstler/-innen überhaupt auf das Line-Up kommen konnten. Hierzu ist zu sagen, dass das Booking extern über die für die jeweilige Bühne zuständige Crew koordiniert wird. Der zuständigen Crew waren die rechten Hintergründe der Acts bis zuletzt nicht bekannt. Die Crew distanziert sich ebenso wie wir von jeglichem rechtsradikalen und faschistischen Gedankengut und bekennt sich zu den Grundsätzen der Distanz-Veranstaltung.

    Leider hat keine externe Überprüfung des Line-Up auf solche Hintergründe stattgefunden, wofür wir uns ausdrücklich entschuldigen. Die besagten Künstler/-innen treten in ihrer musikalischen Szene renommiert und professionell auf, weshalb sie auch unter anderem bereits auf dem SMS-Festival gebucht wurden.

    Uns ist nun bewusst, dass diese Art von Vertrauen, die letztendlich zum Vorfall führte, nicht mit der Verantwortung die wir als öffentliche Veranstaltung tragen, vereinbar ist. Wir haben nun umgehend reagiert und das gesamte Line-Up sorgfältigst überprüft, um sicherzustellen, dass dieser Art von antisozialen und unterdrückenden Ansichten kein Raum gegeben wird. DisTanz ist kein Ort für Rassismus, Sexismus oder Gewalt, sondern ein Ort für Kunst, Kultur und Freiheit. Wir stehen nach wie vor zu unserem Selbstverständnis und bitten nochmals um Nachsicht und Entschuldigung.

    Weiterhin bitten wir um eure Unterstützung, denn die Kundgebung wegen dieser Vorwürfe zu boykottieren wäre ein ernster Rückschlag und eine verpasste Chance auf die positiven und kreativen Aspekte unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen!

    Eure Distanz-Crew

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