Auch 2026 rief der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Leipzig-Nordsachsen, anlässlich des 1. Mai, zur Demonstration vom Volkshaus in der Karl-Liebknecht-Straße zum Marktplatz und zu einem Fahrrad-Korso von der Sachsenbrücke zum Marktplatz auf. Der Demonstrationszug mit Start am Volkshaus war größer als im letzten Jahr, allerdings war der DGB mit diesem Aufruf nicht allein gewesen. Dazu später.

Es füllt sich vor dem Volkshaus. Foto: Thomas Köhler

Wir sprachen zu Beginn und auch später auf dem Marktplatz mit Vertretern einiger Parteien, von ver.di und auch mit einer der teilnehmenden Gruppen. Die zwei jungen Frauen von yuna – demokratische Jugend, die als letzte im Video zu sehen sind, waren die einzigen, die für ein Statement ansprechbar waren.

Andere Gruppierungen wollten sich nicht vor der Kamera äußern, umso lauter gebärdeten diese sich später. Eine Anmerkung zum Video mit Franziska Riekewald: Der Herr vom BSW im Hintergrund wollte unbedingt das Plakat mit dem Handschlag von Torgau ins Bild bringen. Für ein Statement war er nicht zu haben.

Ganz ohne Rauch ging es nicht ab bei der Demo. Foto: Thomas Köhler

Der Demonstrationszug setzte sich pünktlich in Bewegung, wie oben geschrieben war er größer als 2025 und durchaus beeindruckend. Der Vorbeizug im Video dauert etwa neun Minuten, eine geschätzte Teilnehmerzahl wird es später geben. Im Video sieht und hört man auch die verschiedenen Motivationen und Forderungen der Teilnehmenden.

DGB Plakat am Marktplatz in Leipzig. Foto: Thomas Köhler

Auf dem Marktplatz gab es dann verschiedene Redebeiträge und Gelegenheit mit Parteien und Gewerkschaften ins Gespräch zu kommen.

Einige Anmerkungen zu den Gruppen

Wer sind diese Gruppen die, neben dem Veranstalter DGB, zur Teilnahme aufgerufen hatten, und was wollen sie? Es waren verschiedene Gruppen, wie Handala Leipzig, Rote Wende Leipzig, Jugend im Kampf und andere. Die beiden letztgenannten machten im Vorfeld eine Plakataktion mit der sie, auf dem rechts zu sehenden Plakat, ausdrücklich auch zur Teilnahme an der DGB-Demo, im „Arbeiterkampfblock“ aufriefen.

Aufruf “Rote Wende”. Foto: Thomas Köhler

Wir haben dazu beim Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen nachgefragt. Einige Zitate aus der Antwort:

„Bei der Gruppierung „Handala Leipzig“ (ehemals Handala e. V.) handelt es sich um eine erwiesene extremistische Gruppierung, die das LfV Sachsen dem pro-palästinensischen auslandsbezogenen Extremismus zuordnet.“

„Bei den von Ihnen genannten Gruppierungen „Rote Wende Leipzig“ „Föderation Klassenkämpferischer Organisationen“ (FKO), „Gruppe Arbeiter:innenmacht“ (GAM) und „Kommunistische Organisation“ (KO) handelt es sich um erwiesene linksextremistische Bestrebungen, die das LfV Sachsen dem sog. dogmatischen Linksextremismus zuordnet.“

Das ist die Einschätzung der Behörde, es kann selbstverständlich jeder Mensch darüber denken wie er will. Da sich aber alle diese Gruppen selbst irgendwie dem linken Spektrum zuordnen zeigt das wie gespalten dieses ist. Der Autor hat den Eindruck, dass sich wenig geändert hat, seit Robert Merle im 68er-Roman „Hinter Glas“ (Derrière la vitre) über linke Sektierer schrieb:

Auszug aus “Hinter Glas” von Robert Merle. Thomas Köhler

Im allgemeinen besteht eine ernsthafte ideologische Diskussion, wenn sich so eine Gruppe abspaltet. Aber sowie eine Splittergruppe sich gebildet hat, sekretiert sie ihre spezielle Phraseologie und betreibt Kirchturmpolitik. Und dann ist es weniger wichtig, gegen den Imperialismus zu kämpfen als sich von den anderen Grüppchen zu unterscheiden. Zweite Phase: in dem Maße, wie sich so eine Sektierergruppe von der Realität löst, wird ihre Doktrin heilig und wer sie befolgt, ein Priester. Daher die Verdammungen, Exkommunizierungen und Verteufelungen. Das sieht dann etwa so aus: Wir haben die Wahrheit gepachtet, du aber bist ein Miststück, ein Schwein, ein Verräter, ein gaullistischer Kriecher, du hast Marx überhaupt nicht begriffen, wir werden dir die Fresse polieren, du Scheißkerl…”

Ohne über die Motivationen dieses Teilnehmerkreises urteilen zu wollen, auch über die Frage ob diese Themen, wie die der Palästina-Unterstützer, auf die Gewerkschaftsdemonstration gehören, sollte man sich Gedanken machen.

Es war jedenfalls eine starke Demonstration zum 1. Mai und bis 12.00 Uhr verlief sie auch ohne Zwischenfälle.

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