Zu hören waren sie schon von weitem. Insgesamt 18 Crews, Vereine und Kollektive aus der Leipziger Clubkulturszene tanzten am Samstag mit etwa 2.000 Demonstrierenden zu deftigen Beats auf der Global Space Odyssey (GSO) fünf Stunden lang durch die Straßen der Stadt. Was, flüchtig betrachtet, nach einem sorglosen Party-Umzug aussah, hatte eine klare politische Botschaft: „Räume für Träume – Reclaim the Space!“

Denn die Lage ist ernst. „Ein Jahr nach unserer letzten Demonstration bleibt die Situation für Clubs, Livemusikspielstätten und viele Kulturorte weiterhin prekär. Die Ausgaben steigen stetig: Personal, Energie, Mieten, Technik, Sicherheit. Selbst gut besuchte Veranstaltungen bringen oft nicht mehr das ein, was sie kosten. Was von außen nach vollem Haus aussieht, ist wirtschaftlich vielerorts ein Drahtseilakt“, hieß es im Aufruf zur diesjährigen GSO.

Da aber eben diese Kulturorte Leipzig weit über seine Grenzen hinaus attraktiv machen, wird die Stadtpolitik aufgefordert, Verantwortung für ihren Erhalt zu übernehmen. „Subkultur entsteht nicht von allein. Sie braucht Räume. Sie braucht Schutz. Sie braucht politische Rahmenbedingungen, die nicht nur verwalten, sondern ermöglichen“.

Start am Connewitzer Kreuz. Ohne Kultur wird es still: Kultur-Demonstration Global Space Odyssey Leipzig, 06.06.2026. Foto: Jan Kaefer

Als der Demo-Zug nach seinem Start am Connewitzer Kreuz, dem Passieren der Karli und einer Runde um den Innenstadtring, am Johannisplatz eine Zwischenkundgebung abhielt, fand Jana Milbrodt klare Worte: „Wer Clubs nur nach wirtschaftlichen Maßstäben bewertet, übersieht deren gesellschaftlichen Wert. Denn Kultur, Gemeinschaft und demokratische Teilhabe lassen sich nicht allein in Bilanzen messen. Und es ist ein Problem, wenn Orte, die so wichtig sind für Lebensqualität und kulturelle Vielfalt unserer Stadt gezwungen werden, sich einer reinen Marktlogik zu unterwerfen. Clubkultur darf nicht irgendwann nur noch etwas für Leute mit viel Geld sein. Wir können nicht erwarten, dass Clubs immer billig bleiben, während alle Kosten drumherum explodieren“, legte die Vorstandsvorsitzende vom Livekombinat, dem Verband der Leipziger Clubs und Live-Musikspielstätten, dar.

An dieser Stelle beginnt die politische Komponente, da die Clubs eben nicht einfach nur Orte zum Feiern sind: „Sie sind Orte für neue Musik, sie sind Subkultur, für queere Communitys, für People of Colour, für junge Künstler/-innen, für Menschen, die ausprobieren wollen, was vielleicht noch nicht massentauglich ist. Kurz: Sie sind Orte, an denen Kunst und Kultur entstehen – genauso wie Opern, Theater und Sportvereine auch. Im Gegensatz dazu haben aber viele Clubs keinen Zugang zu den gleichen Förderprogrammen und der politischen Unterstützung, die die anderen Kulturinstitutionen selbstverständlich offenstehen. Dieser wirtschaftliche Druck gefährdet genau das, was Clubs eben ausmacht: kulturelle Vielfalt, Experimente, Nachwuchsförderung, Freiräume für neue Ideen.“

Kultur-Demonstration Global Space Odyssey Leipzig, 06.06.2026. Foto: Jan Kaefer

Etwas Hoffnung macht ein kürzlich veröffentlichter Gesetzentwurf zur Reform des Bundesbaurechts. Darin ist vorgesehen, dass Musikclubs klar von Vergnügungsstätten abgegrenzt werden können, was deren Rolle als Kulturorte offiziell anerkennen würde. Bisher hängen sie zwischen Kultur und Vergnügen in der Luft. Bis zu einer tatsächlichen Umsetzung diese Entwurfes wird aber noch viel Wasser die Pleiße herunterfließen. „Wir brauchen viel mehr politische Unterstützung für Clubkultur! Denn wenn wir wollen, dass Leipzig auch in Zukunft eine vielfältige, lebendige und offene Kulturstadt bleibt, dann müssen wir die Orte schütze, an denen Kultur entsteht!“, fordert Milbrodt am Ende ihrer Rede.

Der GSO-Tross zog dann über den Täubchenweg, die Riebeck- und Prager Straße weiter zum Wilhelm-Külz-Park am Völkerschlachtdenkmal. Hier fand die vom Global Space Odyssey e.V., dem NachtRat Leipzig und zahlreichen ehrenamtlichen Helfer/-innen aus der Leipziger Kollektivszene organisierte Demonstration bis in die späten Abendstunden hinein einen ausgelassenen, tanzfreudigen Abschluss.

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