In Leipzig gibt es zwei Gebäude, die rekordverdächtig sind, mit ihren deutlich mehr als 300 Metern Länge. Eines davon ist mehr als 50 Jahre alt – und hat vom Volksmund einen liebevoll-augenzwinkernden Spitznamen bekommen. Lange Lene – so heißt ein außergewöhnliches Wohnhaus in Leipzigs Stadtteil Probstheida: Die Lange Lene ist mit ihren 333 Metern Leipzigs längstes Wohn- und Mietshaus.

Das Plattenbau-Gebäude hat zehn Geschosse und vier Aufgänge, die Anschrift lautet Lene-Voigt-Straße 2–8. Der Name der Straße und der Spitzname des Wohnhauses gehen zurück auf die sächsische Mundart-Dichterin Lene Voigt (1891–1962): Sie war viele Jahre gleich gegenüber in der einstigen Heilanstalt Dösen zu Hause.

Geschichte

Das Baukombinat Leipzig errichtete von 1966 bis 1968 in 19 Monaten die 333 Meter lange Plattenbau-Wohnscheibe, und im September 1968 zogen die ersten Familien ein. Entstanden ist sie nach einem Entwurf des Architektenkollektivs um Erich Böhme für den VEB Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) Leipzig.
Die „Lange Lene“ ist ein Mittelgang-Wohnhaus mit zehn Etagen und vier Treppenhaustürmen am Rande einer Einfamilienhaus-Siedlung. Anfangs wohnte etwa ein Drittel der Bevölkerung von Probstheida in dem Block mit seinen 795 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen.

Entwicklung

Das Haus ist Eigentum der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, es wurde von 1998 bis 2000 für 45 Millionen D-Mark komplett saniert. Bis dahin gab es in jedem Stockwerk noch den freien Blick durch den gesamten Gang – die damals eingebauten Brandschutztüren erschweren das nun. Auch wurden an 160 Wohnungen Balkone angebaut. Seit 1999 steht es unter Denkmalschutz.

Sie passt kaum auf´s Bild: Die Lange Lene ist 333 Meter lang. Foto: Joeb07, CC BY-3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leipzig_Probstheida_Block.jpg
Passt kaum auf´s Bild: Die Lange Lene ist 333 Meter lang. Foto: Joeb07, CC BY-3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leipzig_Probstheida_Block.jpg

Im September 2018 waren in der „Langen Lene“ mehr als 1.300 Menschen zu Hause. Die Kaltmiete betrug im Durchschnitt 5,24 Euro pro Quadratmeter, der Leerstand 5,9 Prozent. Mehr als die Hälfte der Mieter sind im Rentenalter. Ein Verein bietet für deren Bedürfnisse einen Seniorenservice.

ZDF-Reportage

Das Zweite Deutsche Fernsehen sendete am 1. November 2022 die halbstündige „37 Grad“-Reportage „333 Meter Hausflur – Leben in der „Langen Lene“. Darin ging es hauptsächlich um Bewohner von Leipzigs längstem Wohnhaus.

Für einen Rekord zwölf Meter zu kurz: Die Lange Lene ist zwar Leipzigs längstes Wohnhaus – doch es gibt in Leipzig ein noch längeres Gebäude. Das ist exakt zwölf Meter länger – und wesentlich älter. Es ist die von 1875 bis 1877 erbaute Kaserne Möckern. Die heutige Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland ist 345 Meter lang und somit Leipzigs längstes Büro-Gebäude. Mehr dazu demnächst.

Koordinaten: 51° 17′ 49″ N, 12° 25′ 42″ O
Quellen und Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lange_Lene
https://www.sachsen-fernsehen.de/rekord-plattenbau-lange-lene-feiert-50-geburtstag-523999/
https://www.leipzig-leben.de/neubaublock-probstheida/
https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-333-meter-hausflur-100.html

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In Rom steht mit dem wenige Jahre jüngeren Corviale eine ebenfalls zehngeschossige, aber mit knapp einem Kilometer Länge deutlich größere Wohnscheibe. Mit der langen Lene teilt dieses Monstrum die periphere Lage und den Status als Solitär. Hier wie dort hat man (weise?) darauf verzichtet, weitere Bauten dieser Art zu errichten.

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