Die unter dem Titel „Sofortprogramm für energetische Unabhängigkeit von Russland und Stärkung der Mobilitätswende“ am 11. März gestartete Petition hat das Quorum von 50.000 Unterschriften weit übererfüllt und wird somit bald im Bundestag verhandelt. Die Petition fordert unter anderem ein Tempolimit, autofreie Sonntage, Verbote von Inlandsflügen, den Ausbau der Fahrradinfrastruktur, intensivere Nutzung der Schienen, ein Recht auf Homeoffice und kostenlosen ÖPNV für drei Monate.

Prominente Unterstützer der Petition

Die Petition wurde unter anderem auf Twitter von dem Satiriker Jan Böhmermann, der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und dem Ingenieurwissenschaftler und Professor für regenerative Energiesysteme Volker Quaschning geteilt.

Die Besonderheit dieser Einreichung liegt in der Zusammenführung zweier Anliegen, die die Gesellschaft intensiv beschäftigen. So verfolgt die Petition die Unabhängigkeit Deutschlands von Putins Öl (und Öl generell) sowie eine Treibhausgas reduzierende und sozial gerechte Mobilitätswende. Die Petent/-innen fordern die umgehende Umsetzung dieser Maßnahmen. Putins Vernichtungskrieg muss gestoppt und die menschengemachte Erderwärmung abgemildert werden.

Putins völkerrechtswidriger Krieg

„Trotz des Horrors, mit dem Putins Vernichtungskrieg über die Ukraine hereinbricht, möchte Deutschland kaum Abstriche machen. Die Frage der Stunde ist: Was wollen wir für eine Gesellschaft sein? Jene, die die eigene Dekadenz über Menschenleben stellt oder jene, die erkennt, wie vermessen es ist, dem eigenen Konsum wie einem Naturgesetz zu huldigen?“, sagt der Hauptpetent Tino Pfaff.

„Neben Putins Angriff auf die Demokratie zeigt auch der Verweis auf die menschliche Geschichte, dass fossile Energieträger und menschliches Leid schon immer nah beieinander standen. Wir müssen schnellstmöglich den Verbrauch von allen fossilen Energieträgern beenden. Der Wirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck muss mehr wollen als nur ein russisches Ölembargo“, so Pfaff weiter.

Eine Treibhausgas reduzierende und sozial gerechte Mobilitätswende

Die Petition fordert außerdem die dringend nötige Reduktion von Treibhausgasen im deutschen Mobilitätssektor und eine Mobilitätswende, die gerechte, facettenreiche und weniger gesundheitsgefährdende Mobilitätsstrukturen und -angebote in den Fokus nimmt.

„Klimaschutz und energiepolitische Souveränität zeigen auf das gleiche Ziel. Wir brauchen jetzt Maßnahmen, die besonders Menschen mit wenig Einkommen von den hohen Energiepreisen auffangen. Sozial gerechte Mobilität ist die Lösung dafür“, meint Katja Diehl.

In der Petition wird unter anderem ein Tempolimit gefordert, welches bei einem Tempo 100 km/h auf der Autobahn und 80 km/h auf Bundesstraßen, 2,5 Prozent der gesamten und 5 bis 8 Prozent der russischen Ölimporte reduzieren würde. Obendrein ließen sich 5,4 MillionenTonnen CO₂ pro Jahr einsparen. Mit diesen Einsparungen hätte man seit Kriegsbeginn, laut einer Rechnung von Greenpeace, allein bis Anfang April 2022 mehr als 170 Millionen Euro an Zahlungen für russisches Öl verhindern können.

Bis zuletzt wehrte die FDP ein Tempolimit als „Symbolpolitik“ ab und stellte sich hier im Gegensatz zu anderen Regierungsparteien in die Quere.

Massive Kritik an der FDP

„Die FDP blockiert immer noch als einzige regierende Partei ein Tempolimit – und das, obwohl sich über 75 Prozent der Deutschen eines wünschen“, so Clara Thompson vom Bündnis Wald statt Asphalt, welches an der Ausarbeitung der Maßnahmen der Petition beteiligt war. „Es ist absolut nicht nachvollziehbar, warum sie sich weiterhin quer stellt.“

Bei der Aufrechnung der sieben ermittelbaren Forderungen zeigt sich, dass eine Mobilitätswende weitreichende Auswirkungen auf den Verbrauch von Öl haben kann. Ein Tempolimit, autofreie Sonntage, Homeoffice, Ausbau der Radinfrastruktur, Verbot Inlandsflüge, intensivere Nutzung der Schienen (Güterverkehr auf die Schiene + Personenverkehr-Nutzung auf Vor-Corona-Niveau) würden bis zu 30 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen. Das sind etwa 4 Prozent des gesamten jährlichen Ausstoßes Deutschlands im Jahr 2021.

Der Kraftstoffverbrauch könnte durch diese Maßnahmen jährlich um 13,4 Millionen Tonnen reduziert werden. Das sind etwa 12 Prozent des gesamten deutschen Öl- und Netto-Ölproduktimportes.

Wortlaut der Bundestagspetition

SOFORTPROGRAMM FÜR ENERGETISCHE UNABHÄNGIGKEIT VON RUSSLAND UND
STÄRKUNG DER MOBILITÄTSWENDE VOM 11.03.2022

Der Bundestag soll ein Sofortprogramm beschließen und umgehend auf den Weg bringen. Ziel ist eine Beschleunigung der Mobilitätswende, um Deutschland energetisch unabhängiger von Russland zu machen. Der Bundestag möge seiner Verpflichtung nachkommen, die gesellschaftliche Stabilität durch Energiesouveränität und den Schutz der Lebensgrundlagen zu gewährleisten. Dafür ist es zwingend nötig, die Anliegen von Sicherheitspolitik mit sozialgerechten Klima- und Umweltschutzmaßnahmen zu verbinden.

Begründung

Warum dieses Sofortprogramm?

1. Fast die Hälfte der russischen Einnahmen stammt aus dem Verkauf fossiler Energieträger. Deutschland finanziert über Ölimporte aus Russland Putins Krieg mit: Im letzten Jahr zahlte Deutschland 12 Milliarden für Öl.

2. Die Maßnahmen tragen schnell, mehrheitlich aufwandsarm und wirksam dazu bei, die Energieabhängigkeit von Russland zu mindern, indem sie dazu führen, dass weniger Kraftstoffe (Benzin, Diesel, Kerosin) verbraucht werden. Das ist auch sozial gerecht, weil besonders Menschen mit wenig Einkommen von den hohen Energiepreisen betroffen sind.

3. Die Klima- und Umweltschutzeffekte dieser Maßnahmen tragen zusätzlich zur Senkung der Treibhausgasemissionen und Minderungen von Umweltzerstörungen, analog der vom Bundestag beschlossenen Klimaziele, bei.

Zusammenfassend: Die Sicherung gesellschaftlicher Stabilität findet in einem Handlungsansatz, der auf zweierlei Wegen wirksam ist, ihre Zuwendung: Energiesouveränität Deutschlands und Schutz planetarer Lebensgrundlagen.

Welche Maßnahmen beinhaltet das Sofortprogramm?

Sofort umsetzbar, sofort wirksam

– Tempolimit (Tempo 100/80/30)
– Drei Monate kostenloser ÖPNV für alle in Deutschland lebenden Menschen
– Autofreie Sonntage
– Verbot von Inlandsflügen
– PopUp-Bikelanes, auf dem Land und in der Stadt
– Spritpreisunterstützung für öffentliche Mobilität und prekär Verdienende
– Fortführung von Homeoffice
– Sofortprogramm für Sammeltaxis im ländlichen Raum
– Sofortige Streichung der PlugIn-Förderung
– (kurzfristige) Verlagerung von Güterverkehr auf die Schienen

Sofort auf den Weg zu bringen, mittelfristig wirksam

– Fahrradinfrastruktur massiv ausbauen
– Nah- und Fernverkehrsnutzung auf Vor-Corona-Niveau und darüber hinaus erhöhen
– Dienstwagen nur noch elektrisch fördern
– Mobilitätsprämie für alle statt Kaufprämie für Besserverdienende (Förderung von bspw. E-Bikes, ÖPNV-Abos,     Bahn-Abos, E-Lastenrädern)
– Prämie für Leichtfahrzeuge

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Es gibt 15 Kommentare

Helmut Schmidt hätte die ganzen nötigen Schilder kurzerhand aus Schachbrettern geschnitzt!!!!1

Wenn es denn mal so wäre (Thema Paretoprinzip), dass 80 % Einsparung mit dieser Maßnahme verbunden wäre. Das ist ja grad das Thema: wenig Effekt! Stattdessen eine willkommene Gelegenheit für die Leute, die sich schon seit Jahren freuen den Autofahrern mal schön in die Suppe zu spucken.

Da sieht man wieder einmal, dass viele Menschen nicht mit dem Paretoprinzip vertraut sind. Insbesondere haben die ganzen Politiker wohl das Studium an dieser Stelle geschwänzt, shame! Dieses ganze Klein-Klein…

Trotz dessen kann natürlich das Tempolimit gerne kommen. Das sage ich, obwohl ich, wenn freigeben ist, auch 200 fahre (einfach, weil ich es kann). Aber da hat man ja nicht genug Schilder…*eyesroll*
Leute Leute Leute! Da wünscht man sich mal ein paar Praktiker, nicht diese ganzen verkopften Theoretiker.

Kurz zu Ihren vielen guten Gedanken:

Die Sache mit den Straßenpanzern ist mehrfache Kritik.
Erstens wurde durch die Autolobby ständig eine Vergrößerung der Mobile durchgesetzt und für den Verbraucher als notwendig forciert. Man schaue sich alte Tiefgaragen an, was da für PKW für Platz geplant wurde. Passt fast kein Auto mehr rein. Bzw. ohne Türen öffnen.
Die jetzigen bspw. SUV haben einen ungeheuren Platzbedarf – wer soll den leisten?
Und warum?
Aufgeregte Bewohner fordern ständig neuen Parkplatz für ihre “Geräte”. Eine sinnfreie Forderung.
Für was halten sich die Automobilkonzerne, dadurch auch die Infrastruktur zu nötigen?
Offensichtlich bedient man sich auch niedriger Bewegverlockungen: sicher ist so ein Blechpanzer, man schaut auf andere herab und obendrein steigert es das Ego immens.
Weiterhin: die Abschreibungsmöglichkeit für Firmenwagen muss verlängert werden. Sonst kaufen Firmen immer wieder Autos neu, obwohl diese noch jahrelang fahren könnten.
Dieses Verhalten steigert auch die Kosten für alle Verbraucher. Denn diese Kosten werden auf die Preise umgelegt. Wir Verbraucher finanzieren also diesen luxuriösen PKW-Bedarf mit.

ICE’s fahren mit viel Strom, ja, aber übrigens komplett mit Ökostrom.
Flugzeuge stoßen massenhaft Emissionen aus und werden als Konzerne noch durch Steuersubventionen für das Kerosin entlastet! Da läuft der Laden natürlich noch gewinnbringender. Wie verrückt ist das denn?

Ein Problem habe ich mit Unternehmensstrategien, die nicht mehr mit dem aktuellen Wissen um Klimawandel, Ressourcen und Fairness zu tun haben. Warum solche Firmen nicht mit Rahmenbedingungen reglementieren?

Ihr Lebenswandel mit Handy TV & Co ist wie meiner 🙂

Ja, der Lebenswandel war sicher noch nie perfekt und mitunter schädlich.
Aber ich habe das Gefühl, dass in dieser schnelllebigen Zeit, in der Veränderungen gravierend schnell erfolgen, die größten “Sünden” geschehen. Und das so schnell, dass die Folgen irreversibel sein werden.

Beim drehenden Jogurt musste ich sehr lachen – Danke dafür 😀
Ich bin völlig bei Ihnen, dass man einige Absurditäten gern ändern könnte. Neben der Milch aus dem Allgäu oder den ausländischen Bauarbeitern wäre ich da schon wieder auf Ihrer Seite. Allerdings ist letzteres auch ein Fachkräfteproblem, und auch eins unserer “der Billigste bekommt den Zuschlag” Vergabepraxis.
Ich denke da auch so – lasst uns gern solche Dinge angehen – aber die Leute mit 100 Sachen herumkriechen zu lassen gehört aus meiner Sicht einfach nicht zu den umzusetzenden Maßnahmen!

> Ja, 160km/h sind cool, aber ist es so elementar lebenswichtig, dass sie eine halbe Stunde eher ankommen?
Also DIESER Maßstab ist echt schwierig. Es ist wirklich verdammt wenig überlebenswichtig. Lastenräder sind es z.B. auch nicht.

Getrennt davon würde ich mal noch auf Ihre Fragen eingehen, weil ich den Eindruck habe, dass einige davon wirklich zentral in der Diskussion sind zum Erkennen der Standpunkte:

> Wieso lohnt es sich für Unternehmen, alle 2 Jahre ihren Bediensteten tonnenschwere Dienststraßenpanzer vorzuhalten?
Jedes Auto wiegt ab circa einer Tonne. Das ist leider “Stand der Technik”, und selbst SUV wiegen nicht krass viel mehr, wenn man von den wirklich großen Typen wie Touareg, G-Klasse oder X7 absieht. Straßenpanzer…ich weiß nicht, wo Sie mit dieser Formulierung hinwollen. Aber ich bin bei Ihnen, falls Ihre Kritik war, dass Firmen ihren Angestellten die Autos zur privaten Nutzung überlassen. Damit produziert man wirklich Fahrtenkilometer, die diese Angestellten sich sonst nicht leisten würden. Tankkarte vorzeigen und los gehts – kann ich tatsächlich aus vielen Beispielen im Bekanntenkreis bestätigen und würde ich auch angehen.

> Wieso fliegt man innerhalb Deutschlands und subventioniert das auch noch?
Weil es Verbindungen gibt (Köln-Dresden, Hamburg-München), die per Zug wirklich wesentlich länger dauern. Wenn man vergleicht, wie viele Leute in diese Kurzstreckenflieger passen und wie viele in den ICE, dann relativiert sich das Problem aber schon wieder. Nur wenige Leute haben den Bedarf nach kurzer Reisezeit und wollen sich das auch leisten.
Und nebenbei: bitte nicht den Energieverbrauch eines ICE unterschätzen – bei jedem Anfahren und auch bei allen Bereichen in Volllast (Kasseler Berge, allg. Geschwindigkeiten nahe der Zulassungsgrenze) zieht er sich um die 8 MEGAwatt durch den Fahrdraht. Ja, schon klar, darunter sitzen auch mehrere hundert Leute. Ich wollte es nur erwähnen.

Warum zahlen wir als Gemeinschaft jede Menge Kohle für Schäden, die im Straßenverkehr aufgrund überhöhter Geschwindigkeit anfallen?
> weil wir als Gemeinschaft immer irgendwie zusammen haften für das Verhalten der Einzelelemente der Gemeinschaft. Auch für Übergewichtige, auch für Provokanten wie Böhmermann, oder für Extremsportler. Und wir profitieren natürlich auch mitunter von Leuten, die kurze Dienstreisezeiten haben, viel erwirtschaften oder, von mir aus auch dieses Beispiel: die durch ihre Profitgier eine erfolgreiche Firma führen, die sichere oder gut bezahlte Arbeitsplätze schafft. Denken Sie, dass die Schäden durch überhöhte Geschwindigkeit tatsächlich so sehr teuer für die Gesellschaft sind, dass sich der Aufreger lohnt? Zum Beispiel in der krassen Höhe der 100 Milliarden, die jetzt mal eben in unseren Militärapparat gesteckt werden?

> Wieso müssen wir gesundheitliche Schäden hinnehmen, die durch ökologische Handlungsweise vermeidbar sind?
Weil wir Menschen nicht nur vernünftig sind. Und um die Frage grundsätzlich zu kritisieren: weil “ökologische Handlungsweise” genauso schwer konsequent umzusetzen und vor allem auch zu bewerten ist wie die Frage “was ist christlich?” oder “was ist links?”. Siehe Diskussion um asphaltierten Radwegen im Wald. Grüne Maßnahme, oder nicht grün? Sieht jeder anders.

> Warum verdienen Teile der Gesellschaft an solchen misslichen Umständen?
Warum haben Sie ein Problem damit? Verdient nicht immer, tatsächlich immer, irgendwer mehr als andere, auch aus der Not heraus? Der Arzt zum Beispiel wird hoch angesehen, obwohl es ihn nur gibt, weil es Krankheiten gibt. Der Zusammenhang von “darf nicht profitieren” und “missliche Umstände” den verstehe ich eigentlich nicht.

>Und wieso ist es Teilen der Gesellschaft egal, wie sie unsere Erde der nachfolgenden Generation übergeben?
Weil jede Generstion egoistisch gelebt hat. Jede. Sobald es Fortschritt gab und die Möglichkeit den Lebensstandard zu verbessern, wurde alsbald getan was sich bot. Es wurden Wälder gerodet als es Glashütten und die ersten Hochöfen sowie Köhlereien gab. Man hat es später als Fehler erkannt und handelt heute anders (ich empfehle mal in der Gegend um Eibenstock zu wandern), aber absolut niemand hat das Recht, eine ganze Generation in Sippenschuld zu stellen und zu behaupten, dass diese Eine den Planeten versaut hätte.
Und die nächste Generation wird es, als Ganzes gesehen, genau so tun. Alles deutet darauf hin, und die Fridays-Bewegung ist auch nur ein kleiner Teil einer Generation. Auch diese Generation möchte, im Ganzen gesehen, Häuser besitzen, Ruhe vor den Nachbarn, einen Freiraum zum Entfalten, Mobilität für egoistische Bedürfnisse.
Und nicht zuletzt: Es gibt kein Recht auf den Lebensstandard, den wir jetzt haben. Es gibt im Grunde nur ein Potential an Möglichkeiten, was man durch eine diffuse Mischung aus Strebsamkeit, Glück oder auch Bildung und anderen Faktoren mehr oder weniger ausschöpfen kann. Sollte einiges davon zu unseren Ungunsten ausgehen, na dann überleben wir eben als Gesellschaft in Holzhäusern ohne Autos, global reisende Sinfonieorchester und dicht vernetzte Mehrkern-Hosentaschenrechner. Deswegen ist es einigen Teilen der Gesellschaft, wie Sie sagen, egal. Weil es halt wirklich egal ist.

> Dafür ist jede Generation verantwortlich. Und ich denke, die jetzigen Generationen haben bereits einiges verspielt und lassen es seit Jahrzehnten mächtig schleifen. Auch auf meine Kosten.
> Ihrem ersten Satz kann ich mich gut anschließen, und auch dem nächsten. Ich versuche auch bewusst zu konsumieren, fahre eher Zug fürs Reisen, als Flugzeug oder Auto zu nehmen. Besitze kein EFH, hab mein Handy seit 6 oder 7 Jahren, die Glotze 9 Jahre, die Waschmaschine 13 Jahre, hab einen Stromverbrauch von circa 1,2 MWh pro Jahr, nur um manches zu nennen. Ich empfinde es sozusagen ebenfalls als “vernünftig” oder “lohnenswert” sich um einige Dinge zu bemühen.
Dazu gehören allerdings nicht die Warming-Stripes, Elektroautos als alleinige Heilsbringer oder der sofortige Verzicht auf “Putin-Gas”.

Prinzipiell bin ich bei vielem bei Ihnen, sehe einige Dinge aber durchaus etwas kritischer.

* Ja, 160km/h sind cool, aber ist es so elementar lebenswichtig, dass sie eine halbe Stunde eher ankommen?
* Ist bekannt, dass sich mit steigender Geschwindigkeit der ökologische Fußabdruck “quadratisch” erhöht?
Dieser gilt überall, egal, wie groß ein Land ist.
* Korrekt, ein Tempolimit löst nicht den Krieg, aber dieser ist ein Grund mehr.
* Gerade Montagearbeiter, Vertreter oder anderer Joghurtfahrer, die quer durch Deutschland rollen, sind ein Teil des Problems, was wir uns selber geschaffen haben.
Ich bin kein Fetischist für Lastenfahrräder, aber wäre es nicht sinnvoll, man benötigt zum größten Teil nur noch Kurzstreckenverkehrsmittel, um alle versorgen zu können?
– Muss ein Vertreter aus Bayern bis nach Sachsen fahren, um zu vertreten?
– Muss mein Joghurt aus Niedersachsen zu mir gefahren werden, damit ich rechtsdrehend essen kann?
– Müssen Arbeiter aus Tschechien entfernte Baustellen in Deutschland bedienen?

Das wird alles nicht durch ein Tempolimit gelöst, ab er dieses wäre ein Teil von sinnvollen Rahmenbedingungen.

* Auf der Autobahn übrigens sind es viele ausländische Nachbarländerkennzeichen, die mich überholen, und ich schleiche bestimmt nicht.

Es war gar nicht so überspitzt gemeint. Ich wollte nur sagen, dass ich dieses “sich-feiern” der grünen Menschen wegen der Umsetzung solcher Pillepalle-Maßnahmen wie einem Tempolimit auf Autobahnen Quatsch finde. Es würde etwas bringen, wenn weniger Autos fahren würden, dafür braucht man Angebote.
Das Tempolimit bringt ein paar Prozent Spritersparnis, und ein paar Unfallopfer weniger. Und Einigen Enthusiasten natürlich ein tolles Gefühl, dass man dabei war, als es um eine “gute Sache” ging.
Die Realität sieht so aus, und das macht es zu einer marginalen Maßnahme, dass die allermeisten Leute bereits im Bereich von 110-140 km/h fahren. Egal aus welchem Grund (Streckentempolimit, Elektrosparwagen, dichter Verkehr, eigenes Komfortempfinden, sparen wollen,…).
Alles was ich möchte ist, dass der “Vernunftszeigefinger” wieder gesenkt wird, und ich im Falle einer längeren Autofahrt dann eben dort, wo es geht, den Tempomat auf 160 stellen kann und damit besser voran komme! Wir Deutschen sind in dieser Hinsicht eben tendenziell etwas anders als unsere Nachbarn, und das kann man auch mal akzeptieren.
Wobei, wenn ich so manches holländisches, polnisches, schweizer oder tschechisches Kennzeichen überholen sehe, da denke ich, so anders sind die vielleicht dort gar nicht…

Es bleibt dabei: Ungefähr die Hälfte der Leute scheint sich mit einem Tempolimit anfreunden zu können. Wahrscheinlich ändert sich diese Zahl je nachdem, wen man fragt und wie und auch wie oft (Meinungsbeeinflußung durch fortwährende Medienberichte und der Suggestion der “Mehrheitsmeinung”, der man sich dann irgendwann anschließt), und prinzipiell könnte ich mich damit auch anfreunden. Aber sicher nicht bei einer Zahl, die da “100” heißt. Erst Recht nicht, wenn das Argument sein sollte, dass der russische Präsident dann den Krieg nicht mehr führen könnte.

Wie gesagt, die krassesten Spitzen der Effekte Mehrverbrauch, Lärm oder Unfallgefahr kann man gern abschneiden, aber bei einer Landesgröße wie der von Deutschland wäre es schön, wenn man nicht holländische Verhältnisse ansetzen würde. Und ich sehe da überhaupt nicht den Einfluß der pöhsen Automobil-Lobby, sondern es ist mein ureigenes Interesse, dass ich schnell voran komme auf diesen Autobahnen, die wirklich sicherer ausgebaut sind als z.B. die Schweizer Strecken. Es ist auch das Interesse der Montagearbeiter, Vertreter und anderer Leute, die tatsächlich mal weiter durch Deutschland fahren, als das Lastenrad einen bis zum nächsten Biomarkt trägt…

Sie müssen es ja nicht gleich unverhältnismäßig überspitzen.
Sicher benötigen wir auch zukünftig individuellen und wirtschaftlichen Verkehr.
Die Rahmenbedingungen dafür sollten sich aber der realen klimatischen und Verfügbarkeitslage anpassen.
Wieso lohnt es sich für Unternehmen, alle 2 Jahre ihren Bediensteten tonnenschwere Dienststraßenpanzer vorzuhalten?
Wieso fliegt man innerhalb Deutschlands und subventioniert das auch noch?
Warum zahlen wir als Gemeinschaft jede Menge Kohle für Schäden, die im Straßenverkehr aufgrund überhöhter Geschwindigkeit anfallen?
Wieso müssen wir gesundheitliche Schäden hinnehmen, die durch ökologische Handlungsweise vermeidbar sind?
Warum verdienen Teile der Gesellschaft an solchen misslichen Umständen?
Und wieso ist es Teilen der Gesellschaft egal, wie sie unsere Erde der nachfolgenden Generation übergeben?

Dafür ist jede Generation verantwortlich. Und ich denke, die jetzigen Generationen haben bereits einiges verspielt und lassen es seit Jahrzehnten mächtig schleifen. Auch auf meine Kosten.

Ich könnte mir vorstellen, dass nicht fahrende Autos besser für Ihre genannten Ziele sind, als Autos, die paar Prozent weniger Treibstoff verbrauchen.

Weil allein der Klimawandel und endliche Ressourcen Grund genug dafür wären.
Grund genug für sinnvolle Ressourcenverwendung und Leben unter Berücksichtigung des ökologischen Fußabdrucks.
Corona, China und Putin haben die Lage noch verschärft.

Tatsächlich halte ich es für kein Problem, die krassen Spitzen der Effekte abzuschneiden. Also die wirklichen Raser, Lärmstörer, Umweltbelaster und Flächenverbraucher zu sanktionieren. Das sollte man gern tun – ich hab auch nichts davon, wenn Leute im Bugatti mit mehr als 250 km/h über die Autobahn brettern, oder diese beiden Tussis (man kann es echt nicht anders sagen) letztens mit ihrem Buggy lautstark auf der Karli auf und ab fahren, oder wenn Leute mit ihren undichten Motoren herumfahren, oder wenn Leute im Pick-Up den Platz in der Stadt verbrauchen.
Gern auch mehr Blitzer und Lärmpatrouillen (auch gegen posende Motorradfahrer).

Ich hab bloß keine Lust mir erzählen zu lassen, dass Tempo 50 in der Stadt “rasen” wäre, oder ein Euro-6-Diesel “Dinosaurier-Umweltzerstörung” und was sonst noch so zu lesen ist an fachlich-technischen Kommentaren aus der Erregungsblase.

Ich hab das Tempolimit im “Zügeland Schweiz” kennengelernt. Die Autobahnen um Luzern, Zug und Zürich sind hackevoll gewesen, und natürlich gab es auch Stau. Erst Recht in Zürich, wo es genug 30er Zonen gibt, der Verkehr dieser alten Annahme nach also total flüssig fließen müsste.
Was es in Zürich allerdings gibt, das ist ein richtig guter ÖPNV. Dort kann man aus meiner Sicht also wirklich sagen, wer da noch das Auto nutzt, der will es dann auch so. Genauso wie in Stuttgart zum Beispiel. Die Taktung bis in die Nacht hinein toll, angenehme Fahrzeuge, schnelle Verbindungen.
Und weshalb finden Sie, wäre es jetzt “höchste Eisenbahn” für das Tempolimit? Wegen Putin?

Zugegeben halte ich ein paar Punkte auch für überzogen.
Gelernt habe ich, dass vernünftige mäßige Forderungen meistens weniger Aussicht auf Erfolg haben als überzogene, bei denen mit einem Kompromiss wenigstens etwas erreicht.
Schade und Unsinn – ist aber so.

Allerdings wann, wenn nicht jetzt, ist es höchste Eisenbahn für solche Instrumente?
Ein Tempolimit bringt z.B. sehr wohl etwas, nicht nur weniger Emissionen, sondern auch weniger Stau, weniger Unfälle,… Man sollte einfach mal anfangen, mit 140km/h zum Beispiel.

> Die FDP blockiert immer noch als einzige regierende Partei ein Tempolimit – und das, obwohl sich über 75 Prozent der Deutschen eines wünschen“, so Clara Thompson
Kennt Jemand zufällig die Quelle für diese Zahl?

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