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Quartalsbericht III/2021: Großstadtwachstum am Limit und die Rolle des Autos in der Metropolregion

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    So langsam kommt das Leipziger Amt für Statistik und Wahlen dazu, den Rückstau aufgrund der Bundestagswahl aufzuholen. Kurz nach dem zweiten Quartalsbericht für 2021 gab es am Freitag, 17. Dezember, die Vorstellung des dritten Quartalsberichts, in dem ein durchaus brisantes Thema einen ganzen Beitrag füllte: das Mobilitätsverhalten in der Metropolregion Leipzig/Halle. Ein Thema, das auch in der Klimadebatte eine Rolle spielt. Denn wo Mobilität ohne Pkw nicht möglich ist, ist auch die Verkehrswende ein Problem.

    Und das wieder hat eine Menge mit dem Bevölkerungswachstum in Leipzig und Umgebung zu tun. Denn seit 20 Jahren erlebt die Region ja genau das: Junge Menschen ziehen für Ausbildung und Arbeitsstelle dort hin, wo die Infrastrukturen noch intakt sind, die Wege zur Arbeit und zur Ausbildungsstelle kurz, wo man mit Gleichgesinnten zusammenkommt und auch Familiengründungen ohne Handstand leichter möglich sind.Das Wachstum der deutschen Großstädte hat ja wenig bis nichts mit ihrer Attraktivität als hübsche Touristenstadt zu tun. Sie sind genau die Netzknoten, die in einer rasant liberalisierten Wirtschaftswelt neue Arbeitsplätze und Unternehmensgründungen hervorbringen, während ländliche Räume mit den Arbeitsplätzen auch ihre Bevölkerung verlieren.

    605.832 Einwohner/-innen im September 2021

    Die Corona-Pandemie hat das Leipziger Bevölkerungswachstum deutlich gebremst. Das war schon 2020 nachweisbar. Und das ist auch 2021 so, auch wenn für den September eine neue Höchstmarke im Melderegister verzeichnet wurde.

    „Das Bevölkerungswachstum in Leipzig verharrt im 3. Quartal 2021 auf niedrigem Niveau. Gegenüber dem 2. Quartal 2021 (Stichtage 30.06./30.09.) wuchs Leipzig um 453 Personen, gegenüber dem Stichtag zum Ende des 3. Quartals 2020 um 4.331 Personen“, fasst der neue Quartalsbericht die Entwicklung kurz zusammen.

    „8.330 Personen sind seit dem vergangenen Quartal neu nach Leipzig gekommen, 8.309 haben die Stadt verlassen (im gleichen Quartal des Vorjahres waren dies noch 8.119 Zuzüge und 7.936 Fortzüge).“

    Was eben auch davon erzählt, dass die Corona-Pandemie die Mobilität der Menschen massiv eingeschränkt hat. Das betrifft nicht nur die innerdeutschen Umzüge, sondern auch die Migration aus dem Ausland.

    Und so stellt auch der Quartalsbericht fest: „Der Saldo aus Geburten und Sterbefällen betrug im 3. Quartal +208 (+181 im entsprechenden Vorjahresquartal). Insgesamt wurden im vergangenen Quartal 1.649 Kinder geboren und 1.441 Personen verstarben. Möglicherweise ist die Stagnation im Bevölkerungszuwachs der vergangenen Jahre mit einem veränderten Mobilitäts- und insbesondere Umzugsverhalten im Kontext der COVID-19-Pandemie assoziiert. Ob das Wachstum nach Abklingen der Pandemie wieder mehr Fahrt aufnehmen wird, bleibt abzuwarten.“

    Tatsächlich aber hat sich das Wachstum schon vor Corona vermindert. Was logisch ist. Gerade aus den ostdeutschen Regionen gibt es immer weniger junge Leute, die überhaupt noch in die Großstädte nachziehen könnten. Und dazu kommt, dass aufgrund des Mangels an bezahlbaren Wohnungen gerade für junge Familien immer mehr Familien sich für einen Umzug in die Landkreise, den „Speckgürtel“ um Leipzig und Halle, entscheiden.

    Die Auto-Dominanz außerhalb der Großstadt

    Was dann aber sofort auch Konsequenzen für die Verkehrsmittelwahl hat. Denn während in Leipzig zwar noch immer 47 Prozent der Einwohner das Auto zum Einkauf benutzen, sind es in den Mittelzentren rund um Leipzig schon satte 66 Prozent und in den Grundzentren 71 Prozent.

    Die Pkw-Dichte in der Region Leipzig / Halle. Grafik: Stadt Leipzig, Quartalsbericht III / 2021
    Die Pkw-Dichte in der Region Leipzig/Halle. Grafik: Stadt Leipzig, Quartalsbericht III/2021

    Noch deutlicher wird das Ganze beim Weg zur Arbeit. Während 45 Prozent der Leipziger/-innen mit dem Auto zur Arbeit fahren, sind es in den Mittelzentren 72 Prozent und in den Grundzentren 79 Prozent. Je weiter weg man von der Großstadt mit ihrem dichter ausgebauten ÖPNV-Netz ist, umso größer ist die Rolle des Autos.

    Freilich steckt auch eine kleine Überraschung in der Befragung, wie die Verwaltung mitteilt: „Demnach nutzen langjährig ortsansässige Leipzigerinnen und Leipziger häufiger das Auto für Einkäufe, während 43 Prozent der Neu-Leipziger zu Fuß einkaufen gehen. Zugleich wählen diese für ihren Arbeitsweg am seltensten das Auto (30 Prozent) und häufiger als andere Befragte Öffentliche Verkehrsmittel (31 Prozent). Ein Erklärungsansatz hierfür ist der große Altersunterschied der beiden Teilgruppen – Neu-Leipzigerinnen und -Leipziger sind im Schnitt 20 Jahre jünger als die Alteingesessenen.“

    Andererseits wird man im Alter auch bequem und ändert lieb gewordene Gewohnheiten nicht mehr so schnell, während junge Menschen oft schon ganz bewusst zu umweltfreundlichen Verkehrsarten tendieren. Manuela Lagrange, Anna Dunkl und Tim Leibert betonen in ihrem Beitrag sogar: „Jüngere Menschen zeigen wiederum seit einigen Jahrzehnten eine weitaus geringere Autoaffinität, als sie in anderen Generationen sichtbar ist.“

    Das Problem mit dem optimalen ÖPNV

    Und dann gibt es noch eine erhebliche Diskrepanz, wie die Autor/-innen feststellen: „Für 80 Prozent ist eine gute Anbindung an den ÖPNV relevant bei der Wahl eines Wohnstandortes – für über die Hälfte sogar sehr wichtig.“ Nur wird das dann in der tatsächlichen Nutzung des ÖPNV so nicht sichtbar. Was auch die Autor/-innen des Beitrags rätseln lässt: „Warum die hohe Relevanz einer guten ÖPNV-Anbindung sich bei der Wohnstandortwahl nicht in der Nutzung widerspiegelt, lässt sich aus der Befragung nicht ableiten.“

    Wie wichtig eine gute ÖPNV-Anbindung für die Bewohner der Region Leipzig / Halle ist. Grafik: Stadt Leipzig, Quartalsbericht III / 2021
    Wie wichtig eine gute ÖPNV-Anbindung für die Bewohner der Region Leipzig/Halle ist. Grafik: Stadt Leipzig, Quartalsbericht III/2021

    Obwohl sie dann doch ein paar Verdachtsmomente finden: „Möglicherweise überzeugt auch das vorhandene Angebot nicht oder die ÖPNV-Anbindung wurde mit Blick auf andere Haushaltsmitglieder wie Partner-/innen und Kinder als wichtig erachtet. Ein weiterer Erklärungsansatz ist, dass die ÖPNV-Anbindung vor dem Umzug falsch eingeschätzt wurde bzw. sich für die täglichen Wege als doch nicht ausreichend herausgestellt hat. Die ÖPNV-Anbindung scheint somit im Güterbündel für die Wahl des Wohnstandortes Relevanz zu finden, wenn auch oftmals nur für die Möglichkeit, ihn optional nutzen zu können.“

    Denn mit dieser optimalen Nutzung hapert es ganz augenscheinlich, je weiter man sich vom Oberzentrum entfernt.

    Aber darauf gehen wir demnächst noch etwas genauer ein.

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