Für den 28. Januar hatte die GEW Sachsen zum Streik an den sächsischen Hochschulen, also auch an der Uni Leipzig, aufgerufen. Kurz vor der dritten Verhandlungsrunde in Tarifverhandlungen der Länder will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Die ersten beiden Verhandlungsrunden führten zu keinem Ergebnis, die Arbeitgeber legten kein verhandlungsfähiges Angebot vor, heißt es.
Julius führte in seiner einleitenden Rede dazu aus: „Es gab stattdessen so eine Art Lösungskorridor, eine Skizze eines Lösungskorridors von vielleicht so etwas wie Inflationsausgleich mit einem Schnaps obendrauf. Und das auf 29 Monate. So, erstmal faktisch: Was soll denn ein Schnaps obendrauf bedeuten? Also wir kommen da hin mit vernünftigen Forderungen und da wollen wir auch ernst genommen werden.
Und da wollen wir keinen Kneipenjargon, der uns entgegengeworfen wird, sondern wir wollen ernst genommen werden.“ Wenn die öffentlichen Arbeitgeber tatsächlich solche Formulierungen in die Verhandlungen eingebracht haben, dann müssen sie sich über den Frust der Beschäftigten nicht wundern.
So kamen gegen 10.00 Uhr etwa 500 Beschäftigte der verschiedensten Einrichtungen der Universität, des Studentenwerkes, der Bibliotheken, Mensen und andere, auf dem Kurt-Masur-Platz zusammen. Mit dabei waren die studentischen Hilfskräfte, die im Rahmen der Verhandlungen einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte fordern.
Der größte Teil der Proteste richtete sich naturgemäß gegen die Sparpolitik im Bildungsbereich, durch die sächsische Landesregierung. Aber auch die Universitätsleitung wurde hart, für die Durchsetzung der Maßnahmen, kritisiert.
Die Forderungen der Gewerkschaft sind bekannt: 7 Prozent mehr Gehalt – mindestens 300 Euro, 200 € mehr für Azubis und Praktikanten im Monat und Weiterentwicklung der Lehrkräfte-Entgeltordnung.
Was hat es aber mit dem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TVStud) auf sich?
Wir fragten dazu Christian Lange, der den Redebeitrag zu dem Thema gehalten hatte.
Christian, ein Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte. Du hast vorhin ausgeführt, es gibt eigentlich eine schuldrechtliche Vereinbarung, nach der ein bestimmter Lohn gezahlt werden muss. Die wird aber nicht eingehalten. Jetzt wollt ihr einen Tarifvertrag. Was steckt dahinter?
Wir fordern einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, weil wir sehen, dass die schuldrechtliche Vereinbarung, die wir vor zwei Jahren erreicht haben, noch nicht ausreichend ist. In Sachsen wird vor allem die Mindestvertragslaufzeit, die eigentlich vorgeschrieben ist, häufig unterwandert.
In drei Vierteln der Fälle wird diese nicht eingehalten. An der Uni Leipzig, in der Hälfte der Fälle nicht. Das ist ein Unding, weil das dazu führt, dass studentische Hilfskräfte sich von Vertrag zu Vertrag hangeln müssen. Deswegen setzen wir uns dagegen ein.
Was machen studentische Hilfskräfte im Allgemeinen?
Das ist schwierig zu sagen, weil wir wirklich in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten. Wir arbeiten unter anderem im Bereich der Lehre, halten Tutorien für unsere Mitstudierenden um ihnen Wissen zu vermitteln. Wir arbeiten gleichzeitig aber auch in der Lehre, in der Forschung und unterstützen dort bei Datenerhebungen, bei der Einordnung von verschiedenen Daten, und so weiter, oder machen Literaturrecherche.
Also sind es ja keine Hilfsarbeiten, wie der Begriff Hilfskräfte impliziert, sondern es sind tatsächlich wissenschaftliche Arbeiten zum großen Teil, teilweise auch Arbeiten in der Lehre?
Unsere Arbeit ist sehr qualifiziert, ja. Wir haben ja alle tendenziell nicht ein, sondern eher schon mindestens zwei Jahre Studium hinter uns und bringen damit eine fachliche Qualifikation mit, die dann natürlich gerne genutzt wird in unserer Arbeit und ohne die diese Arbeit auch nicht möglich wäre.
Und wie soll der Tarifvertrag aussehen?
Der Tarifvertrag, da könnte ich jetzt ein bisschen länger darüber reden. Unsere Forderungen im Tarifvertrag sind, dass unter 17 Euro die Stunde nichts geht im TVStud, dass wir mindestens 40 Stunden im Monat angestellt werden, damit wir nicht mehrere Jobs nebenher machen müssen, sondern einen Job haben können, auf den wir uns fokussieren können. Und eine Mindestvertragslaufzeit des Arbeitsvertrags von zwei Jahren, damit wir uns nicht in den Semesterferien neuer Jobs suchen müssen, sondern sicher und fest angestellt sind.
Danke für Deine Zeit und viel Erfolg.

Nach den Ansprachen setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Viele der Kolleginnen und Kollegen werden auch morgen bei der Kundgebung und Demonstration zum bundesweiten „Streiktag Bildung“ anwesend sein. Dann wird Leipzig zum länderübergreifenden Streik-Hotspot der GEW.
Dazu sagte Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen:
„Leipzig wird am 29. Januar ein starkes Signal aus der Bildungslandschaft senden – über Ländergrenzen hinweg. Kolleginnen und Kollegen aus drei Bundesländern machen gemeinsam deutlich: Gute Bildung braucht gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung. Dass alle drei Landesvorsitzenden hier zusammen auftreten, unterstreicht den bundesweiten Druck auf die Arbeitgeber.“
Ablauf der Streikkundgebung am 29.01. in Leipzig:
10:00 Uhr: Auftaktkundgebung Richard-Wagner-Platz
11:00 Uhr: Demo durch die Leipziger Innenstadt mit Zwischenkundgebung, Redebeitrag an der Universität zum Tarifvertrag für Studierende (TVStud)
Ca. 11:45 Uhr: Abschlusskundgebung Richard-Wagner-Platz, Redebeiträge
Ca. 12:30 Uhr: Ende
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