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Bürgerumfrage zum Corona-Jahr: Wenn Homeoffice und Homeschooling aufeinanderprallen

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    Der Fragekomplex zum Erleben der Corona-Pandemie 2020 in Leipzig, den das Amt für Statistik und Wahlen in die Bürgerumfrage 2020 eingefügt hatte, hat auch deutlich gemacht, wie stark gerade die Eltern von den Bedingungen im Lockdown betroffen waren. Bei Schul- und Kita-Schließungen mussten sie meistens zu Hause bleiben.

    Manche verbanden das dann mit der Möglichkeit des Homeoffice, das durch Corona 2021 auch in Leipzig einen gewaltigen Schub bekommen hat. Wobei es auch gleichzeitig erstaunlich ist, dass auch schon vor Corona 26 Prozent der Leipziger Erwerbstätigen zumindest theoretisch die Möglichkeit hatten, einen Teil ihrer Arbeit zu Hause zu erledigen.Eigentlich ist das ein Uralt-Thema der Digitalisierung – aber die Möglichkeiten funktionierender Breitbandnetze und der modernen technischen Endgeräte haben noch nicht wirklich in allen Büro-Branchen zum Umdenken geführt. Oft galt – selbst wenn alle technischen Möglichkeiten vorhanden waren – strenge Präsenzpflicht – auch in Großraumbüros.

    Das hat sich schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 deutlich geändert. 46 Prozent der Beschäftigten wechselten praktisch binnen kurzer Zeit in die digitale Heimarbeit, 28 Prozent sogar für den kompletten Lockdown, was garantiert dazu beitrug, die Infiziertenzahlen im Frühjahr schnell zu senken.

    Im zweiten Lockdown ab Herbst nutzen nur noch 40 Prozent der Beschäftigten diese Möglichkeit. Was zum Bild dieses zweiten Lockdowns passt, in dem deutlich mehr Menschen unterwegs waren als im Frühjahr und die Zahlen der Infizierten nie so deutlich sanken wie im April.

    Entwicklung des Homeoffice im Corona-Jahr. Grafik: Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen
    Entwicklung des Homeoffice im Corona-Jahr. Grafik: Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen

    Warum das so war, hat die Bürgerumfrage freilich nicht erkundet. Andererseits zeigt sie natürlich, wie viele Erwerbstätige in Leipzig gar nicht ins Homeoffice gehen können, weil das mit ihrer Erwerbstätigkeit schlicht nicht geht: Für das Frühjahr gaben das immerhin 54 Prozent der Befragten an, im Herbst waren es dann freilich 60 Prozent, was wohl eher davon erzählt, dass einige Unternehmen die technischen Hürden für ein Homeoffice ihrer Angestellten noch nicht wirklich gemeistert haben.

    Und noch etwas brachte die Befragung an den Tag: Im Homeoffice arbeiten konnten vor allem Angestellte in besser bezahlten Berufen. Die Leipziger/-innen, die in eher niedrig bezahlten Tätigkeiten stecken, haben meistens keine Möglichkeit, überhaupt an ein Homeoffice zu denken. 75 Prozent der Leipziger/-innen, die zwischen 800 und 1.400 Euro im Monat verdienen, konnten nicht ins Homeoffice gehen. Bei den Erwerbstätigen mit Einkommen über 2.000 Euro waren es nur 47 Prozent.

    Und vergessen darf man auch nicht, dass Homeoffice gerade für Familien mit kleinen Kindern eine doppelte Belastung war. Denn wie soll man eigentlich die Betreuung der Kinder absichern, wenn man am Computer konzentriert arbeiten muss?

    Eine Frage, die die Politik jedenfalls nicht beantwortet hat, was den Druck erklärt, der auf den Entscheidern lastete, als es zum Jahresbeginn um die Wiederöffnung von Schulen und Kindertagesstätten ging. Denn beides sind ja keine Luxus-Einrichtungen, um Eltern tagsüber ein schönes Leben zu ermöglichen. Gerade Geringverdienerhaushalte sind in Leipzig in der Regel darauf angewiesen, dass beide Elternteile morgens zur Arbeit aus dem Haus gehen können und ihre Kinder in Kita und Schule gut aufgehoben wissen.

    Ergebnis: 61 Prozent der befragten Eltern hatten jeden Tag die Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten. Das wurde in der Auswertung leider nicht nach Müttern und Vätern sortiert, sodass leider auch nicht beleuchtet werden kann, ob Frauen hier deutlich stärker belastet wurden als Männer. Das kann man bestenfalls vermuten.

    Was aber an der Gesamtbelastung der Familie nichts ändert: 60 Prozent der befragten Eltern fühlten sich durch Schul- und Kita-Schließungen stark bis sehr stark belastet. Was augenscheinlich auch stark damit korrespondiert, dass die zu Hause bleibenden Eltern ganz und gar nicht von der Arbeit freigestellt wurden, sondern die Kinderbetreuung mit Homeoffice verbanden. Immerhin 67 Prozent der befragten Eltern waren im Homeoffice.

    Und 68 Prozent gaben an, dass gerade die Betreuung der Schulkinder stark bis sehr stark belastend war. Da ahnt man, wie gerade in diesen Familien alles aufeinanderprallte: die Kinder im Homeschooling, die Eltern im Homeoffice, und kein Raum, einfach mal irgendwo ungestört Pause zu machen.

    Was dann die Frage nach sich zieht: Wie akzeptiert waren die ganzen Maßnahmen eigentlich in Leipzig? Darum kümmern wir uns im nächsten Beitrag zum Thema.

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