Selten hat der 1. FC Lok glücklicher ein Spiel gewonnen. Beim 2:0 (1:0) gegen Viktoria Berlin erspielte Lok auswärts keine Torchance aus dem Spiel heraus, Gastgeber Viktoria vergab dagegen in der ersten Halbzeit fünf gute klare Möglichkeiten. Das Spiel entschied Lok vor 752 Zuschauern mit zwei Toren nach Standards.

Ob Lok-Präsident Thomas Löwe jemals ein dreckigeres Geburtstagsgeschenk als diesen Auswärtssieg des 1. FC Lok bekommen hat? Der Vereinsvorsitzende hatte vor einem Jahr noch einen traurigen 51. Geburtstag gefeiert, weil Lok tags zuvor mit 4:1 von Viktoria Berlin vermöbelt worden war. Im Jahr 2019 war Löwe umso glücklicher und dankte Lok-Teamchef Björn Joppe direkt nach der Pressekonferenz für dieses Geburtstagsgeschenk. Eines, bei dem die Verpackung nicht sonderlich schön war, aber dafür der Inhalt.

Als Djamal Ziane nach 14 Minuten eine Soyak-Ecke einnickte, war die Lok-Führung glücklich. Lok-Torhüter Lukas Wenzel hatte schon nach fünf Minuten zweimal aus Nahdistanz pariert, kurz zuvor traf Ndualu in einer 2-gegen-1-Überzahl-Situation nur die Latte. Im Anschluss an den Ziane-Treffer wurde die Führung allerdings noch glücklicher. „Wir sind nicht reingekommen und hatten in der 1. Halbzeit viel Glück“, konstatierte der Torschütze, der mit viel Körpereinsatz versuchte, die wenigen Bälle in die Offensive festzumachen.

Lok war jedoch vornehmlich im Rückwärtsgang. Kurzfristig hatte Teamchef Björn Joppe auf Paul Schinke verzichten müssen, der mit Magen-Darm-Erkrankung in Leipzig geblieben war. Robert Berger fehlte wegen Adduktorenproblemen, Maximilian Pommer, Sascha Pfeffer und Benjamin Kirsten sind ohnehin länger verletzt, Nicky Adler hat die gesamte Vorbereitung verpasst. So war auf der Lok-Bank sogar ein Platz frei und Neuzugang Leon Heynke sowie Pascal Pannier kamen zu ihren ersten Startelf-Einsätzen. Während sich Pannier solide präsentierte, hatte Heynke gerade in der ersten Hälfte auf der Sechs neben Maik Salewski ordentlich zu paddeln.

Lok hatte gerade bei Ballverlusten im Mittelfeld Probleme, die Lücken zu schließen, aber Viktoria traf das Tor nicht. Brand traf mit einem strammen Schuss den Pfosten, Wenzel parierte sogar einen von Ziane unglücklich abgefälschten Ball kurz vor der Linie, Zickert und Wolf grätschten gefährliche Torschützen durch viel Körpereinsatz rechtzeitig ab. „Normalerweise mussten wir zur Pause 1:3 hintenliegen. Das taten wir nicht, also haben wir umgestellt. In der 2. Halbzeit wollten wir tiefer stehen und Nadelstiche setzen. Das ist uns in der Defensive gelungen“, so Ziane, der den Einsatz seines Teams lobte.

„Wir hauen uns wie letzte Saison total rein.“ So sehr, dass Viktoria in der zweiten Halbzeit sichtlich Kraft und Nerven verlor. Christopher Menz ließ sich zu einer Tätlichkeit gegen den eingewechselten Peter Misch hinreißen und flog nach knapp einer Stunde vom Platz.

Und noch ein Standard in Halbzeit 2

Die Joppe-Elf verteidigte in der zweiten Halbzeit souveräner, bot weniger Räume in der Tiefe an. „Wenn wir weiterhin vorn draufgegangen wären, hätten wir sicher Tore kassiert“, so Ziane. „So haben wir es gemacht, wie es andere Gegner gegen uns machen.“

Allerdings ging die Offensivstrategie in der zweiten Halbzeit nicht auf. Lok kam so zu keinem Torabschluss aus dem Spiel heraus, verlor die Bälle schon bevor sie in der Viktoria-Hälfte gesichert waren. Die Gastgeber hatten auch in Unterzahl viel Ballbesitz, allerdings ohne richtig gefährlich zu werden. Einzig Brand stand noch einmal kurz vor einem Treffer, als er eine Eingabe aus Nahdistanz über das Tor schaufelte. Da hatte Lok schon mit der zweiten Chance zugeschlagen.

Einmal war es gelungen, in die Viktoria-Hälfte strukturiert vorzudringen, den daraus entstehenden Freistoß zog Soyak aus 25 Metern von der linken Außenlinie scharf aufs Tor, Zickert zog den Kopf weg, Flauder im Tor war geschlagen. Lok führte 2:0 und ließ nichts mehr anbrennen.

„Wir freuen uns über die drei Punkte, keine Frage. Aber wir haben auch viel Demut dabei. Heute hat die bessere Mannschaft verloren“, kommentierte Joppe das Spiel. Seinen Präsidenten hat es dennoch gefreut, denn mit sieben Punkten aus drei Spielen gegen starke Gegner ist der Saisonstart geglückt. Lok ist Dritter und empfängt am 17.8. Drittliga-Absteiger Energie Cottbus zu einem weiteren Härtetest im Plache-Stadion.

Ein Meilenstein der Leipziger Fußball-Literatur

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