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„Die Krankheit war auf einmal viel näher“: Lukas Binder blickt im Interview auf die Infektionen beim SC DHfK zurück

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    LEIPZIGER ZEITUNG/ Auszug Ausgabe 86, seit 18. Dezember 2020 im HandelEnde Oktober und Anfang November traten auch in der Mannschaft der Bundesliga-Handballer des SC DHfK Leipzig einige Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus auf. Inzwischen sind die ersten Spiele nach Quarantäne und einem gemischten Training von Profis und U23-Spielern absolviert.

    Lukas Binder spricht im Interview mit der Leipziger Zeitung (LZ) über seine Erfahrungen und die Auswirkungen der Infektion auf ihn als Leistungssportler.

    Wie war es, als die Abfahrt zum Spiel nach Stuttgart anstand und das erste positive Testergebnis bekannt wurde?

    Das war beklemmend, da wir zunächst nur wussten, dass eine Person aus dem Pooltest positiv getestet war. Das hätte erst einmal jeder aus dem Kreis der Mannschaft sein können. Die Krankheit war einem so auf einmal viel näher und manche von uns waren besorgt. Andere dachten im ersten Moment an einen falsch positiven Test. Das Thema war bei aller Aufklärung durch das medizinische Team keinem von uns vorher so nah.

    Es folgte eine Selbstisolation der Mannschaft, aber es gab schließlich 9 Fälle, wie hat sich die Krankheit bei Ihnen bemerkbar gemacht?

    Zunächst mit typischen Grippeanzeichen. Es ging bei mir los mit Halskratzen, schnell kamen Schnupfen und Kopfschmerzen dazu. Ich war total kurzatmig, schon nach geringen Belastungen. Und ich musste mich an zwei Tagen mehrmals übergeben. Alles in allem höchst unangenehm.

    Vom Geschmacks- und Geruchsverlust ist auch noch etwas zurückgeblieben, das kann aber wohl wirklich dauern, bis die Sinne wieder einwandfrei funktionieren.

    Das klingt unschön. Wie stehen Sie zu der auch in Leipzig bei Demonstrationen geäußerten Meinung, dass das Virus doch auch bloß eine Grippe sei?

    Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wir haben als Mannschaft erlebt, dass dieses Virus sehr aggressiv – also höchst ansteckend – ist. Trotz der Ruhephase kam es auch in einem Fall zu einer Herzmuskelentzündung. Das weckte Erinnerungen an Sebastian Faißt, der damals während eines Spiels an Herzversagen starb.

    Ich fürchte, dass etliche immer noch nicht genug über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Covid-19 wissen. Wir sind da von Beginn an über die medizinischen Betreuer gut aufgeklärt worden. Ich bin auch dankbar für die Vorsichtsmaßnahmen, die dem Wiedereinstieg ins Training vorangingen.

    Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 86, Ausgabe Dezember 2020. Foto: Screen LZ

    Wie sahen die denn aus?

    Alle Betroffenen hatten eine einstündige MRT-Untersuchung an Lunge und Herz. Die Zeit kommt einem aber in der Röhre noch länger vor. Es gab auch weitere Tests, wie schnell man die Luft in der Lunge denn ausstoßen kann und eine Messung auf dem Ergometer. So sollte jede Beeinträchtigung ausgeschlossen werden.

    Nun sind Sie und Ihre Teamkollegen ja besser trainiert als die meisten Menschen – können Sie ein paar Beispiele für Ihr Konditionstraining nennen?

    Das stimmt, Herz und Lunge sind bei uns Leistungssportlern andere Belastungen gewöhnt. Der Grundstein dafür wird immer vor der Saison gelegt, mit teilweise vier Einheiten am Tag im Trainingslager.

    Bei uns kommt es auf Schnelligkeitsausdauer an, die wird zum Beispiel mit Spielen 3 gegen 3 bei voller Feldgröße oder Intervallläufen trainiert. Dabei rennen wir 15 mal in schnellem Tempo je 30 Sekunden lang, es folgt je eine Phase Joggen und Gehen von je 30 Sekunden.

    Gab es dennoch bei der Rückkehr auf die Platte spürbare Unterschiede für Sie?

    Muskulär habe ich leicht abgebaut, da an einigen Tagen während der Infektion nicht an Training zu denken war. Andere Leistungswerte waren ähnlich wie etwa vier Wochen vor der Saison, wenn die Effekte der Vorbereitung sich noch nicht ganz zeigen.

    Schweißt eine solche Erfahrung das Team noch fester zusammen?

    Das haben wir gar nicht nötig. Aber durch so einen gefühlten Neustart mitten in der Saison wird man noch einmal heißer und lernt auch zu schätzen, wie gut es dem eigenen Körper geht.

    Es wurde häufig gesagt, dass die Mannschaft viel Energie von den Zuschauern bekommt, aber sind die Spiele ohne Publikum nun noch verständlicher geworden?

    Diese Maßnahme haben wir eh unterstützt. Bei den Zahlen in Sachsen wäre es nicht verantwortlich, die Halle voller zu machen. Wir versuchen auch sonst, Vorbilder zu sein, haben die Masken auch getragen, wenn es zu unserem Infektionsschutz nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre. Zusammenfassend kann ich sagen, je mehr wir uns alle anstrengen, umso schneller kriegt man die Zahlen in den Griff.

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