Grüner Wasserstoff für die Zeit nach der Kohle

Energiepark Bad Lauchstädt darf Antrag für das 7. Energieforschungsprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums stellen

Für alle LeserBundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat am Donnerstag, 18. Juli, die 20 Sieger des Wettbewerbs „Reallabor der Energiewende“ im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung bekannt gegeben. Mit der Bekanntgabe ist auch eine Projektförderung von insgesamt 100 Millionen Euro vorgesehen. Darunter ist auch ein ganz zentrales Projekt im Raum Leipzig, an dem die VNG beteiligt ist, der „Energiepark Bad Lauchstädt“. Ein Baustein für eine Zukunft ohne Kohle.

Hier kommt zusammen, was zusammengehört: die Kombination von Erzeugung, Speicherung und Transport von grünem Wasserstoff. Mit der Benennung durch den Bundeswirtschaftsminister als förderwürdiges Reallabor ist das Projekt auch für die zweite Runde des zweistufigen Antragsverfahrens zugelassen.

Hinter dem „Energiepark Bad Lauchstädt“ stehen VNG Gasspeicher GmbH (VGS), ONTRAS Gastransport GmbH, DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg, Terrawatt Planungsgesellschaft mbH und Uniper Energy Storage GmbH. Dieser Unternehmensverbund plant ab 2020 in Bad Lauchstädt im südlichen Sachsen-Anhalt großtechnisch und unter realen Bedingungen die Herstellung, die Speicherung, den Transport und den wirtschaftlichen Einsatz von grünem Wasserstoff.

„Wir freuen uns, dass das BMWi unsere Ideenskizze ‚Energiepark Bad Lauchstädt‘ positiv bewertet und sich prinzipiell vorstellen kann, das Projekt als Reallabor zu fördern. Wir sehen dies als wichtiges Zeichen, dass die Bundesregierung den Aufbau der Power-to-Gas-Technologie nun stärker anreizt“, bewertete Bernd Protze, Geschäftsführer der VNG Gasspeicher GmbH (VGS), die Entscheidung.

„Wir werden uns jetzt mit den genauen Anforderungen auseinandersetzen, die für eine Bewerbung zum Reallabor erfüllt werden müssen. Reallabore sind ein zentraler Baustein, um Technologien wie Power-to-Gas schnellstmöglich im industriellen Maßstab aufzubauen und damit den Markthochlauf für grüne Wasserstofftechnologien zu beginnen.“

Eckhardt Rümmler, COO von Uniper: „Die Energiewende gelingt nur, wenn wir die Erneuerbaren Energien speicherbar und damit verlässlich machen. Bisher gibt es dafür noch keine überzeugende wirtschaftliche Lösung. Unser Projekt setzt genau an diesem Punkt an: Wir kombinieren die Erzeugung von grünem Wasserstoff aus Windstrom mit dem anschließenden Transport sowie der Speicherung und Nutzung des Wasserstoffs für wirtschaftliche Zwecke. Wenn sich dies in großem Maßstab bewährt, haben wir einen zentralen Baustein für eine sichere und nachhaltige Energieversorgung gefunden. Für viele aktive Windkraftanlagen, die bald aus der Direktvermarktung und der EEG-Förderung auslaufen, ergeben sich mit einer solchen Anlage attraktive und nachhaltige Zukunftsperspektiven.“

Auch Kay Okon, projektverantwortlicher Leiter des Bereichs Engineering und Projektmanagement bei VGS, zeigte sich erfreut: „Wir sind glücklich über die Befürwortung und die positive Bewertung durch das BMWi. Die Entscheidung bestätigt uns in unserer Einschätzung, wonach wir grünen Wasserstoff als Schlüsselenergieträger für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende betrachten.“

Das Projekt wurde Anfang April mit einer Projektskizze in den Ideenwettbewerb eingebracht, um sich für eine Förderung durch das BMWi zu bewerben. In der zweiten Stufe gilt es, einen im Detail ausgearbeiteten Förderantrag einzureichen. Reallabore der Energiewende wurden im 7. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung als neue Fördersäule etabliert, um den Technologie- und Innovationstransfer von der Forschung in die Praxis zu beschleunigen. Im Zeitraum 2019 bis 2022 sind dazu Fördermittel in Höhe von insgesamt bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen.

Im „Energiepark Bad Lauchstädt“ soll erneuerbarer Strom aus einem in Planung befindlichen nahe gelegenen Windpark mittels einer Großelektrolyse-Anlage von bis zu 35 Megawatt (MW) in grünen Wasserstoff umgewandelt werden. In einer eigens dafür ausgestatteten Salzkaverne kann der gewonnene Wasserstoff zwischengespeichert und über eine umzuwidmende Erdgaspipeline in das Wasserstoffnetz des mitteldeutschen Chemiedreiecks eingespeist und für urbane Mobilitäts- und Energielösungen eingesetzt werden.

Die vorgesehene unterirdische Salzkaverne soll eigens für die Speicherung von bis zu 50 Millionen Kubikmeter Wasserstoff ausgestattet werden.

„Es wäre die erste Wasserstoff-Kaverne in Kontinentaleuropa und weltweit die einzige, die grünen Wasserstoff, also mittels erneuerbarem Strom gewonnenen Wasserstoff, einspeichert“, erklärt Prof. Hartmut Krause, Geschäftsführer DBI. Die Kapazität übertrifft damit die in Deutschland in Pumpspeicherkraftwerken gepufferte Energie um etwa das Vierfache. Aus seiner Sicht „macht die Energiespeicherforschung mit dieser Größenordnung einen gewaltigen Sprung“.

Auch auf sächsischem Gebiet erreichen drei angemeldete Projekte die zweite Runde, meldete das Sächsische Wirtschaftsministerium am Donnerstag. So wurde aus Dresden das Projekt „CityImpuls DD“, das sich mit dem Thema energieoptimierte Quartiere beschäftigt, ausgezeichnet. Zwei weitere erfolgreiche Projekte, „GreenHydroChem Mitteldeutsches Chemiedreieck“ und „Referenzkraftwerk Lausitz“, wollen zukünftig im Bereich Wasserstoff- und Energiespeichertechnologien forschen.

Die Energiezukunft braucht Speicher für Grünes Gas und Komplettlösungen für Stadtquartiere

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