Seit Montag, den 7. Februar 2022, geisterten die ersten Absagegerüchte rings um die Leipziger Buchmesse 2022 herum, verdichteten sich am Dienstag und bestätigten sich schon einen Tag darauf in einer Pressemitteilung der Leipziger Messegesellschaft. Die Buchmesse 2022 ist Geschichte, rund einen Monat, bevor sie beginnen konnte, endeten die Vorbereitungen auch zu „Leipzig liest“, der Antiquariatsmesse und der Manga-Comic-Con. Was blieb, waren Enttäuschung und die Frage nach dem Warum, auch über Corona hinaus. Buchmesse-Direktor Oliver Zille, bis zum Beginn der Pandemie 2020 gewohnt, steigende Besucherzahlen verkünden zu können, im Interview mit der LZ.

Das Messegelände liegt leer und brach an diesem Donnerstagmittag im Februar 2022 und wird es auch vom 17. bis 20. März bleiben. Letztlich rund 70 Prozent der Verlage sollen ihre Messepräsenzen gestrichen haben, wollten keine Standgebühren zahlen oder sich anderweitig ins diesjährige Messegeschehen einbringen.Der Grund sei Corona, hohe Erkrankungszahlen in den Verlagshäusern, man argumentierte damit – zumindest nach außen. Trotz Hygienekonzept und Zusage der sächsischen Landesregierung, keine Besucherzahlbegrenzung für das Wochenende im März 2022 zu beauflagen, reichte das Vertrauen in der Buchbranche nicht für eine Messe.

Andere Stimmen sprechen von mangelnder Innovation in der diesjährigen Messevorbereitung – was stimmt, ist offen.

Es ist Ruhe eingekehrt in den hohen Hallen der Messe, die Absage ist vor gerade einmal 24 Stunden rausgegangen, alles auf Stopp, außer für Messe-Direktor Oliver Zille. Zwischen zwei anderen Terminen ist Zeit für ein kurzes LZ-Gespräch an diesem 10. Februar 2022 über die Gründe der Absage einer der letzten, wenn nicht gar der letzten großen Besuchermesse Leipzigs.

Ein Gespräch über die Gerüchte, die großen Verlage würden die Leipziger Buchmesse mittlerweile zugunsten der Frankfurter Oktobermesse torpedieren, Kritik an der Buchmesse-Leipzig, dem Verhältnis zwischen dem Börsenverein und Oliver Zille ebenso, wie die Frage, ob es 2023 überhaupt noch eine Buchmesse in Leipzig geben wird.

Im Gespräch: Buchmesse-Direktor Oliver Zille (10.02.2022)

Video: LZ

Hinweis der LZ: Was zum Zeitpunkt des Gespräches noch nicht bekannt ist, sind die seit letzter Woche angelaufenen Bemühungen vieler Verlage, der Stadt Leipzig und unter anderem der Leipziger Zeitung (L-IZ.de) trotz des Messeausfalles ein Leseprogramm aufrechtzuerhalten oder kurzfristig neu auf die Beine zu stellen.

Nach neusten LZ-Informationen will auch die Buchmesseleitung diese Bemühungen, an vielen verschiedenen Orten der Stadt im Zeitraum von 17. bis 20. März 2022 Lesungen und Autorinnen-Treffen stattfinden zu lassen, unterstützen.

Die Leipziger Zeitung plant in diesem Zusammenhang gemeinsam mit weiteren Partnerunternehmen, Verlagen und Veranstaltungshäusern in Leipzig am 19. und 20. März 2022 auch ein eigenes kleines Lesefestival und die Präsentation möglichst aller stattfindenden Termine dieses Wochenendes unter dem Namen „weiter:lesen22“.

Erste Anfragen und Informationen dazu gern an/unter [email protected]

Weitere Informationen dazu in Kürze.

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