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Mobilität

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Norman Volger (Grüne). Foto: L-IZ.de

Stadtrat stimmt mehrheitlich der Kappung der Linie 9 nach Markkleeberg zu

Es war schon spät, kurz vor 22 Uhr, als im Leipziger Stadtrat am Mittwoch dann endlich die Entscheidung zur Linie 9 zur Diskussion und Abstimmung kam. Und sie ging so aus, wie es Viele befürchtet hatten: Die Vorlage der Verwaltung kam durch, ab 28. November fährt die Linie 9 nicht mehr nach Markkleeberg.

Radfahrer am Johannisplatz. Foto: Ralf Julke

Warum reicht Sachsens Staatsregierung die EFRE-Mittel für kommunale Radwege nicht einfach aus?

Da gibt es Kommunen in Sachsen, die springen schon vor Freude an die Decke, wenn sie Investitionen mit 40, 50, 60 Prozent gefördert bekommen. Leipzig zum Beispiel, Großstadt am Westrand des Freistaats mit einem enormen Nachholbedarf beim Bau von Radwegen. Dafür gäbe es eigentlich 75 Prozent Förderung von der EU. Aber Sachsens Verkehrsminister hat anders entschieden. Zum Entsetzen der Grünen.

Der Querbahnsteig des Hauptbahnhofs Leipzig heute. Foto: Ralf Julke

Leipzigs Hauptbahnhof feiert am 24. Oktober sein 100-jähriges Jubiläum

Eigentlich ist es das dickste Schwergewicht im Jahreskalender von "1.000 Jahre Leipzig": Der Hauptbahnhof wird in diesem Jahr ganz offiziell 100 Jahre alt. Das klingt nicht nach viel, nachdem nun ausgerechnet der Hauptbahnhof Halle am 6. Oktober schon sein 125-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Aber natürlich gehört beides zusammen.

Die Linie 9 am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Linie 9 soll bis zur Vorlage eines neuen Nahverkehrsplans weiter nach Markkleeberg fahren

Da kratzten sich am 8. Oktober bei der Informationsveranstaltung zur Zukunft der Straßenbahnlinie 9 in Markkleeberg einige Stadträte am Kopf, reichlich verdutzt darüber, wie da über die Einstellung einer Straßenbahnlinie entschieden wurde, ohne die gewählten Stadträte vorher einzubeziehen. Aber tags zuvor ging es den Stadtbezirksbeiräten in Leipzig-Süd schon genauso.

Bald ein Bild der Vergangenheit: Die Linie 9 in der Breitscheidstraße in Markkleeberg. Foto: Ralf Julke

Für die Sicherung des Betriebes müssten die LVB erst einmal 11 Millionen Euro investieren

Noch ist völlig offen, wie die Leipziger Ratsversammlung am 28. Oktober entscheidet. Fest steht nur, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) bei einem "Ja" für die Strecke ziemlich bald in den Abschnitt zwischen Connewitz und Markkleeberg-Parkstraße investieren müssten, denn seit über zehn Jahren wurde hier nicht mehr investiert. Aber wie groß wären die Investitionssummen?

Die Linie 9 in der Wolfgang Heinze-Straße unterwegs. Foto: Ralf Julke

Die Einstellung der Straßenbahn nach Markkleeberg ist eine (nie getätigte) politische Entscheidung

Im Grunde war am 8. Oktober bei der Informationsveranstaltung im Neuen Rathaus das Wesentliche schon gesagt. Auch wenn es so spektakulär nicht klang, als der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Norman Volger, danach fragte, ob die Einstellung einer Straßenbahnstrecke in Leipzig nun beratungspflichtig sei oder nicht. Die klare Antwort von Michael Jana, Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes der Stadt: Ja, ist sie.

Straßenbahn der Linie 14 am Augustusplatz. Foto: Ralf Julke

SPD-Fraktion will wissen, was aus Leipzigs Kulturbahn Linie 14 geworden ist

In Sachen Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) wird jetzt auch die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat so langsam unruhig. Die Diskussion um die Einkürzung der Linie 9 hat irgendwie auch wieder das Thema der Linie 14 auf den Tisch gebracht, vor fünf Jahren heiß diskutiert, weil sie als kleine Rumpflinie irgendwie keinen Sinn mehr zu machen schien. Damals hatte die SPD den Antrag gestellt, eine Kulturbahn draus zu machen.

Die Linie 9 in der Wolfgang Heinze-Straße unterwegs. Foto: Ralf Julke

Aus Leipziger Sicht müsste die Linie 9 nach Markkleeberg nicht eingestellt werden

Und die Stadt Leipzig? Die sitzt - obwohl sie im MDV den größten Spieler stellt - beim Thema Linie 9 am Katzentisch. Das deutete beim Informationsabend am 8. Oktober im Neuen Rathaus auch Michael Jana an, der Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes der Stadt, als er erklärte: "Aus Leipziger Sicht hätten wir die Linie 9 ganz bestimmt nicht eingestellt."

Bald ein Bild der Vergangenheit: Die Linie 9 in der Breitscheidstraße in Markkleeberg. Foto: Ralf Julke

Selbst der Stadtrat wurde zu spät an der Diskussion über die Linie 9 beteiligt

Fast hätte es Leipzigs Verwaltung verpasst, die Einstellung der Straßenbahnlinie 9 zwischen Connewitz Kreuz und Markkleeberg beschließen zu lassen. Jetzt hat sie schnell noch eine Abstimmungsvorlage für den Stadtrat am 28. Oktober vorbereitet, um sich quasi nachträglich die Zustimmung für einen Vorgang zu holen, der schon am 28. November umgesetzt werden soll. Und selbst Stadträte grübeln: Wer hat da eigentlich entschieden?

S-Bahn auf dem Weg nach Altenburg. Foto: Ralf Julke

Verhindern Sie die Schlechterstellung Sachsens bei der Finanzierung des Regionalverkehrs!

Eigentlich hatten es sich die deutschen Verkehrsminister 2014 etwas anders gedacht, als sie den "Kieler Schlüssel" erfunden haben: Er sollte bei deutlich höheren Bundeszuweisungen für die regionalen Zugverkehre inkraft treten und vor allem den bevölkerungsreichen Bundesländern helfen, die Kapazitäten auszubauen. Doch am 24. September verkaufte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Ländern den "Kieler Schlüssel" zusammen mit deutlich weniger Geld. Auch ein sächsisches Problem.

Die Linie 9 am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Leipzigs Jugendparlamentarier schreiben einen Protestbrief und Stadtverwaltung legt Stilllegungsbeschluss vor

Am 28. Oktober möchte die Leipziger Stadtverwaltung nun gern Nägel mit Köpfen machen, nachdem der Linke-Antrag, die Linie 9 zwischen Connewitz-Kreuz und Forsthaus Raschwitz zu erhalten, in der letzten Stadtratssitzung am 16. September keine Mehrheit fand. Irgendwie hat man nun auch auf Verwaltungsebene gemerkt, dass man ohne Stadtratsbeschluss nicht einfach eine Straßenbahnstrecke stilllegen kann.

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