Wäre eine Führung der Buslinie 70 über die Arno-Nitzsche-Straße nicht sinnvoller?

Eine Baustelle erfreut und verärgert seit Anfang April die Fahrgäste der Buslinie 70 genauso wie die Kraftfahrer auf der Richard-Lehmann-Straße: Seit dem 4. April (bis Ende Mai) werden die Bushaltestellen an der Altenburger Straße in der Richard-Lehmann-Straße in beiden Fahrtrichtungen barrierefrei ausgebaut. Warum nur, fragt jetzt der Fahrgastverband Pro Bahn. Die braucht doch gar keiner!
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Zumindest dann nicht, wenn man die Buslinie einmal anders denkt – nämlich in einer anderen Linienführung, die deutlich größere Fahrgastpotenziale erschließt. „Pro Bahn hat aus diesem Grund den LVB bereits vor zwei Jahren einen alternativen Verlauf der Buslinie 70 vorgeschlagen, welcher finanzierungsneutral wesentlich mehr Menschen erreicht und demzufolge mit einer viel besseren Auslastung verbunden ist. Bis heute gab es darauf keine Reaktion“, kommentiert Carsten Schulze vom Pro Bahn e.V., Landesverband Mitteldeutschland, den Vorgang.

Dabei steht der Verband logischerweise meist einsam auf der Flur, weil seine Vorschläge nicht in eine größere Diskussion um den Leipziger Nahverkehr einfließen. Die aber überfällig ist. Erst 2015 hat der Leipziger Stadtrat massiv auf die Novellierung des Nahverkehrsplans gedrängt. Denn es ist eindeutig, dass eine derart rasant wachsende Stadt wie Leipzig auch ein ebenso schnell wachsendes ÖPNV-Angebot braucht.

Und zu diesen Überlegungen muss natürlich jetzt auch eine Prüfung aller vorhandenen Angebote gehören: Sind sie sinnvoll in der Linienführung? Verschenkt man sogar Potenzial?

Bei Linie 70 ist sich Pro Bahn sicher: „Bis 2001 wurde die Richard-Lehmann-Straße von der Straßenbahnlinie 22 bedient, danach folgte mit der Liniennetzreform die Buslinie 70. Die damalige Linie 22 wurde nicht ohne Grund eingestellt, insbesondere der lange Abschnitt der Richard-Lehmann-Straße zwischen Altem Messegelände und der Südvorstadt war schwach ausgelastet. Aufkommensrelevante Anlieger gibt es bis heute nicht. Lediglich mehrere Autohäuser haben sich angesiedelt. Auch die Linie 70 wird in diesem Abschnitt nur marginal nachgefragt.“

Die Bushaltestelle Altenburger Straße/MDR der Linie 70 verdiene also eigentlich keine besondere Aufmerksamkeit. Mit dem Ausbau werde nur die mit Abstand ungünstigste Streckenführung der Buslinie 70 zementiert. Die Investitionen in diese Haltestelle seien eine vermeidbare Geldvernichtung.

Pro Bahn hatte 2014 vorgeschlagen, die Linie 70 fast komplett aus der Richard-Lehmann-Straße herauszunehmen, stattdessen auf der Straße An der Tabaksmühle einfach weiterfahren zu lassen zur Gartenvorstadt Marienbrunn und dann auf der Arno-Nitzsche-Straße parallel zur Linie 10 zum Connewitzer Kreuz. Dort würde der Bus dann stadteinwärts abbiegen zur HTWK und über die Arthur-Hoffmann-Straße zur Deutschen Bücherei, zum Uni-Klinikum und zum Johannisplatz weiterfahren.

„Die vorgeschlagene Führung der Linie 70 kommt ohne die Haltestelle Altenburger Straße/MDR aus“, betont Schulze. „So wird beispielsweise das Seeburgviertel erstmals direkt angebunden. Auch der zentrale Bereich der Universitätskliniken bekommt die lang ersehnte Station vor der Tür. Die Gartenstadt Marienbrunn kämpft seit ihrer Entstehung 1913 um einen ÖPNV-Anschluss in östlicher Richtung. Allein diese Schwerpunkte zeigen, dass der Weg des Ignorierens und des Schaffens entgegengesetzter baulicher Tatsachen nicht der richtige sein kann.“

Da neue Wohn- und Arbeitsgebiete erschlossen werden, sei mit hunderten neuer Fahrgäste zu rechnen.

Andererseits würde die Linie 70 dann nicht mehr nach Markkleeberg fahren. Da müsste dann eine neue Buslinie eingerichtet werden.

Der Vorschlag macht freilich auch deutlich, dass gerade im Busnetz der LVB durchaus noch Luft ist. Und wenn tatsächlich der Anteil von 25 Prozent für den ÖPNV an den täglichen Wegen aller Leipziger angestrebt wird, wird das nicht funktionieren, ohne dass man bisher schlecht erschlossene Stadtbereiche besser erschließt.

Wobei die Linie 70 jetzt schon eine sehr lange und in Teilen sehr umständliche Strecke fährt, die durch den Vorschlag von Pro Bahn noch etliche Kurven mehr bekommt. Aber das sind auch Kurven, die durchaus einer Überlegung wert sind und in den Diskussionen um den neuen Nahverkehrsplan mitbedacht werden müssen. Tatsächlich weist das Leipziger Stadtgebiet einige weiße Flecken aus, wo das ÖPNV-Angebot nicht den Anforderungen der Zeit entspricht. Und gerade wenn jetzt neue Wohngebiete entstehen, führt das zwangsläufig zu einer erhöhten Nachfrage nach einer ÖPNV-Erschließung gerade dort, wo neu gebaut wird.

Der Vorschlag des Pro Bahn e.V. zur Linie 70.

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