Es ist 20:35 Uhr, als am 8. Juni 2022 die ersten Meldungen bei der LZ eingehen: in Volkmarsdorf, Neustadt-Neuschönefeld – also entlang der Eisenbahnstraße und Seeburgviertel – ist der Strom weg. Wie viele betroffen sind, ist noch unklar, aber entlang der Eisi sind gegen 21 Uhr die Leuchtreklamen aus, die Läden weitgehend leer und die Fenster dunkel. Und noch findet sich nichts auf der Stadtwerke-Seite, wo man eigentlich Infos bekommt, der Störungs-Notruf der L-Gruppe meldet „Kein Anschluss unter dieser Nummer, bitte rufen Sie die Auskunft an“.

Noch ist nicht klar, woran es nun lag und liegt, dass bis eben, 21:40 Uhr in manchen Teilen des Gebietes der Strom noch immer nicht zurück ist. Die Einsatzwagen des „Netz Leipzig GmbH“ sind im Viertel unterwegs, aber Gesamtunternehmenssprecher Frank Viereckl von der L-Gruppe kann kurz nach 21 Uhr noch keine Erklärung liefern, wird sich aber bald zurückmelden.

Während man sich im Stadtwerke-Unternehmen offenkundig um eine Lösung für den Stromausfall bemüht, fällt etwas anderes auf: die Notrufnummer 0800 1213000 ist aus – offenbar selbst Opfer des Stromausfalles geworden – und auch die Störungskarte des Unternehmens zeigt null Vorfälle, also nichts an.

Während entlang der Eisenbahnstraße gegen 21:15 Uhr die ersten Lichter wieder angehen, meldet ein Twitternutzer noch gegen 21:30 beispielsweise aus der Kohlgartenstraße, noch immer ohne Strom zu sein, auch in den Seitenstraßen der Eisi scheint es noch hier und da zu hapern, wie ein anderer berichtet.

Gegen 21:55 Uhr ist noch immer nicht wieder alles im Lot, aber so langsam fahren auch die letzten Straßenzüge wieder hoch. Wie auch beim Ausfall im November 2021 im Waldstraßenviertel geht das nur Stück um Stück, Haus für Haus vonstatten.

„Der Stromausfall hat bis zum Johannisplatz gereicht“, so Frank Viereckl um 21:55 Uhr telefonisch zur durchaus großen Ausdehnung des Ausfalles im Leipziger Osten. Dabei seien „7.500 Haushalte betroffen gewesen und 27 Trafostationen“, so Viereckl weiter.

Es habe eine Kaskade gegeben, von einer Störung aus, bei welcher sich diese als Ring angeordneten Stationen abschalten, um anschließend wieder selbstständig unter Auslassung des Störungspunktes hochzufahren. Die genaue Ursache – häufig Leitungsschäden, die durch Baustellen verursacht werden – werde man wohl erst morgen, am 9. Juni wissen und dann informieren.

Über einen Stromausfall, den es laut Störungskarte nie gab und der zu den größten der vergangenen Jahre in Leipzig gehört.

Update 9. Juni 2022, 21:15 Uhr

Manchmal dauert eine technische Erklärung länger als gedacht. Ein Bagger oder eine Baustelle jedenfalls waren es nicht, welche am gestrigen Abend zu einem zweistündigen Stromausfall für etwa 7.500 Haushalte im Leipziger Osten sorgte. Am heutigen Abend teilte Stadtwerke-Sprecherin Katja Gläß der LZ mit, es habe sich um eine „klassische Havarie, bedingt durch Ermüdung oder Beanspruchung“ bei gleich mehreren Stromleitungen gehandelt. Es seien demnach „parallel auftretende Kabelfehler“ gewesen, die zu einem Abschalten von 27 Trafostationen geführt hätten.

Dass der Ausfall nicht länger gedauert hätte, sei dem schnellen handeln und der Fleißarbeit der Stadtwerke-Mitarbeiter/-innen zu verdanken, die binnen von zwei Stunden alle Stationen wieder hochgefahren hätten.

Für den mindestens 45-minütigen Ausfall der Störstellennummer und der Nichtanzeige der Störung im SWL-System gab es hingegen keine Klärung. Eine LZ-Leserin schreibt dazu, die Störung sei zwar „in der App angezeigt“ worden, aber auch da „mit reichlich Verspätung“.

Den Ausfall der Nummer, unter welcher sich normalerweise Bürger informieren oder Störungen melden, erklärt sie sich so, „dass die Nummer Hotline ebenfalls gestört war, ist der Tatsache geschuldet, dass bei einer derart massiven Störung innerhalb kürzester Zeit tausende Anrufe eingehen, die von den Anlagen meist nicht verarbeitet werden können. Das Ergebnis ist ein Kollaps, der eigentlich ein Besetztzeichen generieren sollte. Hier allerdings kam die Ansage, die Nummer sei nicht vergeben. Ist auch eine Möglichkeit. Aber nach gut einer Dreiviertelstunde hatten sie ein Band mit der Störungsmeldung am Laufen.“

Sei es wie es sei: einer der größten Leipziger Stromausfälle der letzten Jahre ist schnell beseitig worden. An der besseren Resilienz der Systeme und Kabel sollte man wohl weiter arbeiten.

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