Ist heute schon morgen? Ivan Krastev denkt über die sieben Paradoxa des Corona-Shutdowns nach

Für alle LeserOrakel, Orakel – kaum ein Tag vergeht, an dem die großen deutschen Zeitungen nicht irgendeine neue Zukunftsvermutung in wortgewaltigen Kommentaren verbreiten. Oft mit einem besorgten Unterton, dem man anmerkt, dass er direkt aus diversen Konzernzentralen kommt, wo man einfach nicht wahrhaben will, dass das alte Geschäftsmodell gerade den Bach runtergeht. Und die Coronakrise hat das nicht ausgelöst, sondern nur ein bisschen verstärkt. Auch das europäische Drama, mit dem sich Ivan Krastev schon seit Jahrzehnten beschäftigt.

Der Bulgare ist einer der bekanntesten Politologen des Kontinents und hat 2019 zusammen mit Stephen Holmes die Analyse „The light that failed. A reckoning“ veröffentlicht, das bei Ullstein auf deutsch unter dem Titel „Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung“ erschien, ein Titel, dem der Inhalt des Buches eigentlich widerspricht, denn Krastev gibt den europäischen Osten ganz und gar nicht verloren, sieht nur 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks die riesige Enttäuschung in den Ländern Osteuropas, dass der Versuch, den Westen 1:1 nachzuahmen so gründlich gescheitert ist, eine Enttäuschung, von der ausgemachte Populisten profitieren.

Aber die Demokratie ist nicht tot. Sie ist als Anspruch an echte Teilhabe und Gestaltungsmöglichkeit in den Ländern Osteuropas nach wie vor wirksam.

Nur steht natürlich die Frage: Wie kann ein eigener Weg in eine demokratische und freiheitliche Zukunft aussehen?

Die Frage ist offen. Damit beschäftigen sich auch Demokratieforscher im Westen, die hier längst ganz ähnliche Erscheinungen studieren können. Obwohl die Staaten Europas über eine ausgebaute Demokratie verfügen, ist überall die wachsende Enttäuschung spürbar, gibt es auf einmal völlig neue Konfrontationen von Menschen, die Freiheit als das absolute Recht zur Unverantwortlichkeit verstehen und die Sorge um das Gemeinwohl als Zumutung empfinden, und auf der anderen Seite Forderungen nach mehr Staat, Ordnung und Regulation. Aber ist das wirklich der Clinch zwischen Liberalismus und Illiberalismus?

Die Corona-Pandemie hat eine ganze Menge der Verwerfungen offengelegt, die selbst Menschen verunsichern, die niemals einem Populisten hinterherlaufen würden. Auf einmal zeigten sich die Schwächen der zusammengesparten Gesundheitssysteme, dazu die extreme Abhängigkeit bei der Lieferung sensibler Güter aus Asien. Regierungen agierten auf einmal wieder streng national, schlossen die Grenzen, um bei sich die Epidemie in den Griff zu bekommen – und Brüssel verstummte komplett.

Alles Dinge, die auch Krastev beobachtete, der mit Beginn des Shutdown sogar von Wien, wo er für gewöhnlich forscht und arbeitet, zurückkehrte nach Bulgarien, in die „Heimat“ eben, wo er auf einmal auch die Umkehrung der Gefühle erlebte: Eben noch galt jeder Bulgare, der aus dem Westen zurückkehrte, als hochwillkommen. Und auf einmal galt gerade diese Gruppe als überhaupt nicht mehr willkommen, sogar als potenzielle Gefahr.

Die EU erlebte etwas, was zumindest die eifrigen Verfechter von Globalisierung und Freihandel so nicht mehr erwartet hatten, Nationalisten sich aber immer gewünscht hatten. Aber gleichzeitig machen gerade die Grenzschließungen deutlich, wie angewiesen die Staaten Europas aufeinander sind – und zwar nicht nur in ihrer Funktion als Urlaubsland. Pendler kamen nicht mehr zur Arbeit, Saisonarbeitskräfte fehlten, Lieferketten wurden unterbrochen, Waren blieben beim Erzeuger hängen.

Auch Krastev liefert kein Bild, wie Europa nach Corona aussehen wird. Aber er hat sehr wohl gesehen, wie Corona auf einmal Dinge möglich machte, die vorher als völlig unmöglich galten. Auf einmal diskutiert die EU tatsächlich über ein Rettungspaket für ganz Europa, kommt also aus der seit Jahrzehnten zu beobachtenden Verklemmung heraus, ein europäisches Projekt anzupreisen, das gar keins ist, weil jeder Mitgliedsstaat ja doch nur auf seine nationalen Vorteile bedacht ist.

„Doch gerade in Europa wird Covid-19 seine vielleicht radikalste politische Wirkung entfalten, weil die Pandemie die Grundlagen des europäischen Projekts hinterfragt, vor allem die Überzeugung, dass eine gegenseitige Abhängigkeit die verlässlichste Quelle von Sicherheit und Wohlstand ist“, schreibt Krastev.

Denn Corona hat auch offengelegt, wie sich die internationalen Machtverhältnisse verschoben haben. Die USA sind unter Trump endgültig auf den Weg einer neuen Isolation gegangen, haben den Kampf gegen China aufgenommen, als ginge es wie einst gegen die Sowjetunion um die Weltherrschaft. Gleichzeitig kehren sie wieder zu einem abgeschotteten Markt zurück. Gleichzeitig ist aber auch der bisherige Weg der Globalisierung in Verruf geraten.

Er hat die Welt weder sicherer noch solidarischer gemacht. Im Gegenteil: Das gegenseitige Misstrauen ist gewachsen. Und wenn es zur Krise kommt, vertrauen die Bürger zuallererst ihrem eigenen Staat, akzeptieren überall die strikten Shutdown-Regeln. Wir erlebten also eine gewisse Re-Nationalisierung. Aber die unterscheidet sich deutlich vom vorher zu beobachtenden Nationalismus. Staatliche Regierungen erwiesen sich als erstaunlich handlungsfähig. Aber wie nun weiter?

Denn jetzt kommt erst einmal die erwartbare Rezession, auf die wieder – wie 2009 – mit riesigen Rettungspaketen reagiert wird. Aber das löst die offengelegten Probleme ja nicht. Und eins dieser Probleme ist: Die Globalisierung war immer ein Eliten-Projekt. Und so empfinden es auch die meisten Europäer bis heute.

Krastev: „Das Coronavirus hat uns alle auf die gleiche Stufe gestellt und diesmal suchen die ,Menschen von überall‘ verzweifelt nach ihrem ,Irgendwo‘. Doch dass wir in derselben Welt leben, heißt noch nicht, dass wir in einer gemeinsamen oder einer fairen Welt leben. In normalen Zeiten können die Eliten reisen. In der Zeit von Covid-19 können sie zu Hause bleiben.“

Die Niedriglöhner oder gar die schlecht bezahlten „Systemrelevanten“ in ganz Europa können es nicht – nicht einmal die polnischen Lkw-Fahrer, die rumänischen Erntehelfer und Schlachthofmitarbeiter. Da, wo die Regierungen zu spät reagiert haben, trifft Covid-19 vor allem die „working poor“.

Aber die Coronakrise hat eben auch die Verletzlichkeit Europas offengelegt – ein als Krisenmanager völlig ausgefallenes Brüssel und die vor allem von Regierungen praktizierte nationale Arroganz nach dem Motto „Wer sich um sich selbst kümmert, kümmert sich um alle“. Genau das alte Verhalten, das Krastev und Holmes schon in „Das Licht erlosch“ kritisiert haben und dann gewissermaßen als Nachahmung in den osteuropäischen Ländern interpretiert haben: Wenn ihr nur an euch denkt, lassen wir jetzt eben auch den Rücksichtslosen raushängen.

Viele Kritiker des Buches wollten dem zwar nicht folgen, aber – psychologisch betrachtet – ist viel dran an dieser Interpretation einer 30 Jahre währenden Ent-Täuschung.

Was alle Europäer im Corona-Shutdown erlebten, bringt Krastev so auf den Punkt: „Das Coronavirus behandelt vielleicht nicht alle gleich, doch es stärkt die Vorstellung, wenn nicht sogar die Tatsache, dass wir alle in derselben Welt leben.“

Und dass ein paar Linienflüge reichen und das Virus ist überall. Und es fordert dann jedes einzelne Gesundheitssystem heraus. Und es wird nicht verschwinden. Die Menschheit wird noch viele solcher Krisen meistern müssen. Krastev formuliert am Ende seines Essays sieben Paradoxa, die die ganze Corona-Widersprüchlichkeit auf den Punkt bringen – die eigentlich die Paradoxa unserer Zeit sind.

Das zweite Paradoxon beschäftigt sich zum Beispiel mit dem „Trend zur Deglobalisierung“, der auch schon vorher (man denke an Trumps „Zollkriege“) im Gang war, das fünfte mit der widersprüchlichen Rolle der EU, der durchaus passieren könnte, dass sie jetzt wieder auseinanderfliegt.

Was aber auch Krastev nicht als zwangsläufige Folge ansieht. Denn gleichzeitig hat ja Corona gezeigt, wie sehr die europäischen Staaten gerade in Krisenzeiten aufeinander angewiesen sind. An einer Entscheidung jedenfalls kommen die Europäer nicht vorbei: „Mit der politischen Herausforderung ,Covid-19‘ konfrontiert, stehen die europäischen Führer vor einer strategischen Entscheidung: Sie können entweder darum kämpfen, eine globalisierte Welt der offenen Grenzen zu bewahren, oder sie können auf eine gemäßigtere Form der Globalisierung hinarbeiten.“

Und das geht nur gemeinsam. Kein einzelnes Land in Europa ist stark genug, neben China und den USA in der Weltpolitik ein Gegengewicht sein zu können. Als integrierter Markt aber ist Europa ein starker Spieler. Das, was eigentlich seit den letzten großen Krisen (9/11 im Jahr 2001, der Finanzkrise 2008/2009 und der „Flüchtlingskrise“ 2015) unbewältigt vor sich hinschwelt, steht mit Corona endgültig als Herausforderung im Raum.

Krastevs Buch ist im Grunde eine dringende Mahnung auch und gerade an die westlichen Regierungen, sich endlich auf Augenhöhe auch mit den Ost- und Südeuropäern an einen Tisch zu setzen und eine echte Basis für ein gemeinsames Europa zu schaffen. Krastev: „Die Europäer werden bald merken, dass der einzige Schutz, den sie haben, jene Form von Protektionismus ist, die ihr Zusammenschluss mit dem Rest des Kontinents bietet.“

Auch wenn er es nicht ganz so deutlich formuliert, ist doch die Quintessenz seiner Analyse, dass Europa jetzt den Schritt zu einer echten Integration auf Augenhöhe gehen muss – sonst wird es von den nationalen Fliehkräften tatsächlich auseinandergerissen, von Populisten (wie in Großbritannien) regelrecht demontiert, Leuten, die immer noch den alten Träumen nationaler Macht anhängen, ohne die Folgen einer derart globalisierten Welt überhaupt zu bedenken, wie wir sie nun einmal haben.

Aber die Botschaft ist nicht mal in den Regierungskabinetten angekommen, schreibt Krastev: „Die Regierungen sahen sich zu einer Reihe außerordentlicher politischer Maßnahmen gezwungen, doch sie regieren noch immer in der Erwartung, dass die Welt zu dem vorherigen Zustand zurückkehren wird, sobald die Krise vorbei ist.“

Doch genau das wird nicht passieren. Corona hat eigentlich nur eine Veränderung beschleunigt, die vorher schon im Gange war.

Krisen bergen Chancen und Risiken zugleich. Aber eins machen sie praktisch unmöglich: Dass sich gar nichts ändert. Die Klugen ergreifen die Chancen und machen das Land und den Kontinent widerstandsfähiger für die Zukunft. Die Dummen betteln um Rettungspakete und Abwrackprämien. Was dann Krastev auch eine gewisse Überraschung entlockt: „Paradoxerweise hat die Covid-19-Krise die politische Vorstellungskraft der Öffentlichkeit entfesselt, die politische Vorstellungskraft der Eliten dagegen gelähmt.“

Vielleicht hat sie aber auch das nur offengelegt, denn die Eliten hatten ja schon vorher so ihre Probleme, aus dem „There-is-no-alternative“-Käfig auszubrechen.

Ivan Krastev Ist heute schon morgen?, Ullstein, Berlin 2020, 8 Euro.

Die Zukunft nach Corona: Matthias Horx wirft einen Blick in die Zukunft in unseren Köpfen

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