Wahrscheinlich ging es 2001 vor allem um die schöne Alliteration, als das von Christfried Böttrich geschriebene „Petrus“-Buch in der Reihe Biblische Gestalten den Untertitel „Fischer, Fels und Funktionär“ bekam. Tatsächlich ist aber die Geschichte Simons, der von Jesus den Namen Petrus verpasst bekam, alles andere als die Geschichte eines Funktionärs. Dass sich Böttrichs Rekonstruktion genau um diese Frage dreht, wird spätestens klar, wenn es um den Stuhl Petri geht.

Was Christfried Böttrich, Professor für Neues Testament in Greifswald, so wohl gar nicht beabsichtigt hat. 2001 war er noch an der Uni Leipzig tätig. Und an seiner Spurensuche nach dem biblischen Petrus haben sich auch viele seiner Studierenden beteiligt.Immerhin ist das „Petrus“-Buch die Nummer 2 in der Reihe Biblische Gestalten, die dem Leser die Welt der wichtigsten Protagonist/-innen der Bibel näherbringt. Nicht nur durch Nacherzählen der alten Legenden, sondern auch durch den Versuch, die realen Gestalten aus den verfügbaren Quellen zu rekonstruieren.

Wobei ja auch bei Petrus schnell klar wird, dass es so viele Quellen über diesen Mann und sein Wirken nicht gibt. Im Grunde gibt es ihn nur in der Bibel – in den Evangelien und in der Apostelgeschichte. Kein römischer Historiker hat über ihn geschrieben. Und die Flut von Petrus-Legenden, die ihn letztlich in Rom sterben lassen, setzt erst Jahrzehnte nach seinem nirgendwo dokumentierten Tod ein. Die letzte Station seines Lebens, die noch benennbar ist, ist Antiochia, die damals drittgrößte Stadt im Römischen Reich, die auch im Leben des Paulus eine zentrale Rolle spielt.

Denn wahrscheinlich begann genau hier die Ablösung des Christentums von der Jerusalemer Gemeinde, die sich nach der Kreuzigung von Jesus herausgebildet hat – oder überlebt hat. Die Interpretationen sind ja das Spannende. Hier steckt Sprengstoff, wie ja schon Martin Luther wusste.

Kein Fels für die Katholische Kirche

Denn wenn man etwas in der Bibel nicht findet, dann ist es auch nur der geringste Hinweis auf das Primat des Bischofs in Rom und die allein seligmachende Rolle der Katholischen Kirche. Was Böttrich natürlich erwähnt und im Kapitel „Wirkung“ diskutiert. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass keine der Quellen aus der Frühzeit des Christentums als objektive Geschichtsschreibung im heutigen Sinne gelesen werden kann. Und dass es zu den Gestalten des Neuen Testaments anderseits so gut wie keine anderen Quellen außerhalb des Neuen Testaments gibt.

Ganz ins Reich der Erfindung verweisen kann man freilich die Evangelien auch wieder nicht. Denn natürlich beschreiben sie Dinge, die aus Sicht der damaligen römischen Geschichtsschreibung überhaupt nicht interessierten. Hätte es Flavius Josephus nicht gegeben, wüssten wir so gut wie nichts darüber, was damals in der römischen Provinz Judäa geschah. Das war – aus römischer Perspektive – alles Provinz.

Und so weist Böttrich auch beiläufig darauf hin, dass die vier Evangelien nicht als Schriften jener Personen interpretiert werden sollten, deren Namen sie bekommen haben, sondern als vier parallele Überlieferungen, in denen sich die Christus-Geschichten aus Sicht von vier verschiedenen Urgemeinden darstellt. Es gibt deutliche Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Auch in der Sicht auf Petrus, den Jünger, den Christus quasi zum Ersten unter den Aposteln ernannt hatte.

Der Mut des Kleingläubigen

Was aber – wie Böttrich anhand der Befunde aus dem Neuen Testament zeigt – eben nicht als Funktionär interpretiert werden kann. Bei ihm bleibt Petrus der „Kleingläubige“, der Unsichere, der dennoch versucht, seine Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen. Selbst in jener Nacht, als er nach der Verhaftung von Jesus in den Tempel geht, beweist er Mut, setzt sich dem Risiko aus, selbst verhaftet zu werden. Da hat man die ganze Sache mit dem krähenden Hahn vor Augen und die Voraussage von Jesus: „Bevor der Hahn zwei Mal kräht, wirst du mich drei Mal verleugnet haben.“

Aber trotzdem geht er das Risiko ein, während die anderen Jünger längst geflohen sind. Und Judas sich aufgehängt hat. Eine Geschichte, die praktisch parallel läuft zur Petrus-Geschichte. Man merkt schon, welche Faszination es für Bibel-Forscher hat, die Stilmittel der Bibel-Autoren zu entschlüsseln und die ganz bewusst eingebaute Dramatik zu erkennen, die ja in diesem Fall dazu führt, dass Petrus Jesus zwar drei Mal verleugnet, hinterher aber doch die zerstreute Truppe wieder sammelt und damit dafür sorgt, dass die Geschichte weitergeht.

Da hat sich einer was aufgeladen …

Was Böttrich und seine emsig mitsuchenden Mitstreiter/-innen herausgefunden haben, ist im Grunde die Geschichte des Stellvertreters, der zu seinem Amte kommt wie die Jungfrau zum Kinde, selbst immer wieder daran zweifelt, ob er dem gewachsen ist. Und dennoch versucht, das Beste draus zu machen. Auch bei dem ersten großen Treffen in Jerusalem, bei dem es um die Klärung der Frage geht, wie die eigentlich urjüdische Gemeinde der Jesus-Jünger nun mit den Nicht-Juden, den Unbeschnittenen umgehen soll.

Petrus wird da augenscheinlich zum Mittler, befördert den Kompromiss. Der aber nur solange anhält, bis in Antiochia die Frage in neuer Form auftaucht: Dürfen dann die getauften Nicht-Juden auch mit den nach wie vor nach strengen jüdischen Sitten lebenden Juden am selben Tisch essen? Nach jüdischen Reinheitsgebot völlig unmöglich. Diesmal gerät Petrus zwischen die Fronten.

Und es ist, wie es bei allen gesellschaftlichen Weiterentwicklungen immer war und ist: Irgendwann reichen Kompromisse nicht mehr, fliegen sie selbst einem gutwilligen Mann wie Petrus um die Ohren, weil klar ist, dass einige Dinge, die der große Lehrer gepredigt hat, auch Konsequenzen haben, die ein Verharren im Alten unmöglich machen.

Großes Fragezeichen über Rom

Nur ist Petrus dabei nicht der große Gegenspieler des Paulus, wie er oft dargestellt wird, auch nicht der Betonkopf. Das ist wohl das Leid so vieler Menschen, die den Versuch machen, die Risse noch einmal zu kitten, wenn sie eigentlich nicht mehr zu kitten sind. Was Böttrich in den Bibeltexten gefunden hat, ist ein Mann, der genauso wie Paulus auf Mission gegangen ist. Möglicherweise vor allem im alten jüdischen und arabischen Raum, während Paulus ja ganz bewusst zu den „Heiden“ gegangen ist.

Und dass Petrus zwar derjenige war, der nach der Hinrichtung des Jesus die Jünger zusammengehalten hat, aber ganz bestimmt kein Bischof oder Funktionär, wird gerade mit der Frage deutlich, wohin ihn eigentlich seine Mission geführt hat. Denn die letzte belegbare Nachricht ist sein Aufenthalt in Antiochia.

Danach verschwindet er praktisch aus der Geschichte und taucht erst Jahrzehnte später in Apokryphen und Legenden wieder auf, als insbesondere römische Bischöfe versuchten, den Primat des römischen Bischofsamtes mit Legenden zu untermauern. Legenden, die ihrerseits eine enorme literarische Wirkung bis heute entfalten. Und natürlich Knoten geschürzt haben, die sich die großen Kirchen seit Jahrzehnten bislang vergeblich bemühen zu entwirren.

Wer gibt schon gern den Heiligenschein der Schlüsselgewalt ab, die Petrus legendarisch zugeschrieben wird? Obwohl der im Grunde nur skizzenhaft in den Evangelien sichtbar werdende Fischer vom See Gennesaret an keiner einzigen Stelle so auftaucht, als hätte er die Schlüsselgewalt zum Himmel. Oder als würde er gar als Heiliger die Nachfolge Christi antreten.

Wahrscheinlich konnte er nicht mal schreiben und lesen, fühlte sich nur zutiefst der gemeinsamen Sache verbunden und war – seit der Aufforderung ihm zu folgen – nur zu bereit, die Botschaft des Jesus nach seinen Möglichkeiten zu hüten und weiterzugeben. Eine Kirche zu bauen oder gar funktionierende Hierarchien, war ganz augenscheinlich seine Sache nicht. Lieber überließ er Jakobus die Gemeinde in Jerusalem und ging selbst missionieren.

Wer schrieb die Sache eigentlich auf?

Was andererseits auch ein wenig erklärt, warum die ganze Christus-Geschichte erst Jahrzehnte nach der Kreuzigung aufgezeichnet wurde. Denn dazu brauchte man Leute, die des Schreibens kundig waren und Geschichtsschreibung für wichtig hielten – auch zur Selbst-Vergewisserung einer Glaubensgemeinschaft, die zwar noch ungemein jung war, sich aber längst im Römischen Reich ausgebreitet hatte.

Da brauchte man eine gemeinsame Basis, eine Verständigung darüber, was als Überlieferung für diese Gemeinschaft eigentlich gültig war und was nicht. Da war dann zwar noch die Rolle von Petrus in Erinnerung, der für das Weiterexistieren der kleinen Jüngerschar sorgte. Aber auch diesen Befund kann Böttrich machen: Unter den zwölf Aposteln ist Petrus noch derjenige, der am deutlichsten Kontur gewinnt.

So viel, dass auch heute die meisten Menschen noch ungefähr wissen, mit welchen Ereignissen man diesen Mann in Verbindung bringen kann – dem Versuch übers Wasser zu laufen zum Beispiel, der Nacht in Getsemani und dann natürlich den Szenen im Hof des Hohepriesters, in denen er Jesus drei Mal verleugnet.

Was ihm so oft und so gern angekreidet wird. Dabei sind das einige der menschlichsten Szenen in der ganzen Bibel – Szenen, die auch den felsenfest glaubenden Petrus in Ängste stürzen. Denn er kann zwar vollmundig behaupten, er wäre nur zu bereit, ebenso das Martyrium auf sich zu nehmen – aber eigentlich zeigt gerade diese Nacht, wie sehr dieser Petrus am Leben hängt.

Die Krux der mündlichen Überlieferung

Natürlich taucht immer wieder die Frage auf: Wie verlässlich sind all die Szenen aus dem Neuen Testament? Inwieweit stecken darin wirklich Ereignisse, von denen wir heute noch annehmen können, dass sie sich so zugetragen haben? Eine nicht ganz unwichtige Frage. Ist im Neue Testament alles Legende? Oder stecken dennoch Spuren dessen darin, was da in Jerusalem tatsächlich passiert ist und dann über Jahrzehnte fast ausschließlich in den entstehenden neuen Gemeinden überliefert wurde?

Was ja die Frage verfeinert: Wie viel verbürgtes Wissen steckte damals in den an unterschiedlichen Orten aufgezeichneten Überlieferungen? Und kann man von solchen Szenen wie denen in der Nacht nach Jesu Verhaftung annehmen, dass hier wirklich ein reales Ereignis dahintersteckt?

So wie sich dieser Petrus verhält, könnte das durchaus so gewesen sein. So wird gerade dieser „kleingläubige“ Kefas/Petrus zur Identifikationsfigur. Mit dem kann man sich auch als ängstlicher, furchtbeladener Mensch identifizieren. Denn natürlich stimmt, was Böttrich ebenfalls anmerkt: Dass die frühen Christen-Gemeinden auch immer mit Verfolgung und Angriffen zu rechnen hatten. Auch in Rom. Die Christenverfolgungen unter Kaiser Nero sind dokumentiert – in diesem Fall sogar von römischen Autoren.

Wenn man also – wie Böttrich anbietet – auf die Evangelien so schaut, dass man darin die Überlieferungen verschiedener christlicher Urgemeinden sieht, die einfach mal als Kanon zusammentragen wollten, was ihre gemeinsame Glaubensgrundlage und ihr gemeinsamer Erzählschatz ist, wird natürlich auch klarer, warum die Petrus-Geschichte nirgendwo ganz erzählt wird.

Sie wird nur so weit mit-erzählt, wie sie zur Überlieferung der Jesus-Geschichte unabdingbar ist. Aber ganz offensichtlich hatte niemand im Sinn, diesen Mann damit auch gleich zum Heiligen oder gar zum ersten Papst zu stilisieren. Dieses Bedürfnis hatte erst später die sich etablierende römische Kirche.

Der Petrus der späteren Legendenbildung

Und da fällt es schwer, die von Böttrich im Kapitel, „Wirkung“ aufgeführten Petrus-Legenden noch als Teil einer Biografie-Rekonstruktion zu begreifen. Eher sind es lauter Versuche, das – unbekannte – Leben des Apostels weiterzuschreiben und zu überhöhen und damit eine Basis zu schaffen für die Rolle der römischen Kirche.

Aber nach den Ereignissen in Antiochia verlieren sich die Spuren von Petrus. Wahrscheinlich auch deshalb, weil er sich überhaupt nicht anmaßte, etwas Besseres sein zu wollen als die Menschen, an deren Tisch er Platz nahm. Also alles andere als ein Funktionär, nicht mal ein Kirchenfunktionär.

Da gibt es dann zwar zwei berühmte Briefe, die ihm zugeschrieben wurden. Aber da hat Böttrich wohl recht: Dieser Fischer Simon konnte wohl weder lesen noch schreiben und beherrschte wohl auch das Griechische bestenfalls rudimentär. Vielleicht spielte ein Mann namens Markus eine Art Dolmetscherrolle für ihn.

Aber auch das ist nur vermutet, nicht nachweisbar. Sodass einige Worte, die ihm in den Evangelien in den Mund gelegt werden, möglicherweise tatsächlich so oder so ähnlich von ihm gesagt wurden in den zuweilen heiklen Momenten, in denen sie fallen.

Aber wirklich authentische Aussagen dieses Mannes gibt es nicht. Und das, obwohl er ja zur selben Zeit lebte und missionierte wie Paulus, von dem ja eindrucksvolle Briefe überliefert sind. Sodass Luther sich zitatreich immer auf Paulus beziehen konnte, während Petrus, was eigene Aussagen und Ansichten betrifft, praktisch nicht greifbar ist. Ein dienstbarer Geist, ein guter Organisator, wie Böttrich schreibt, einer, der verstehen will, und trotzdem nicht alles glaubt und begreift.

Das kann man naiv nennen. Oder einfach menschlich. Bis hin zu dem gescheiterten Versuch, die Sache in Antiochia noch einmal zu kitten, vielleicht nicht mal ahnend, dass die Sache nicht mehr beherrschbar war und sich hier eine neue Religion zwangsläufig loslöste von ihrer Mutterreligion und von der emsig auf Einheit bedachten Urgemeinde in Jerusalem.

Einer muss den Laden ja zusammenhalten

Die Rekonstruktion, die dieses Buch praktisch allein mit den im Neuen Testament verfügbaren Texten vornimmt, kann natürlich nur jenen Petrus zeigen, den die Autoren der Evangelien auch Jahrzehnte später noch erinnerten – in kurzen Szenen und Anekdoten. Was schon etwas ist. Denn es erzählt davon, dass er nicht einfach vergessen war und für die frühen christlichen Gemeinden wichtig war als Apostel, der tatsächlich dafür sorgte, dass es weiterging und nach der Kreuzigung nicht einfach alle auseinanderliefen.

Einen muss es immer geben, der hinterher die Verschreckten zusammenruft und sagt: „Wir machen weiter. Ich habe keine Lust, nach Kafernaum zurückzukehren.“ So oder so ähnlich. Wahrscheinlich viel weniger märchenhaft, als es dann die Evangelien nacherzählt haben. Es ist gut vorstellbar, dass es diesen Mann wirklich gab und dass er sich in entscheidenden Situationen auch genauso verhalten hat.

Es gab zwar seit der Erstauflage dieses Buches im Jahr 2001 noch eine Menge mediale Aufregungen, insbesondere um die Petrus-in-Rom-Frage. Aber diese Debatten haben dem Ganzen keine neuen belastbaren Zeugnisse beigefügt. Sodass Christfried Böttrich die neuen Quellen auch wirklich nur mit ins Anmerkungsverzeichnis gepackt hat für diese Neuausgabe. Die eben letztlich auch bestätigt, dass man die Spuren des realen Petrus wohl wirklich nur im Neuen Testament finden kann.

Keine Lust auf Märtyrer

Für die entstehende neue Religionsgemeinschaft war er als früheste Apostelgestalt unersetzlich. Für die römische Geschichtsschreibung existierte er quasi nicht. Vielleicht für ihn sogar zum Glück. Denn Böttrich diskutiert ja nicht grundlos die Frage des Martyriums, das dieser Petrus scheinbar bereit ist auf sich zu nehmen.

Doch seine Reaktion in der Nacht der Verhaftung erzählt eher davon, dass er eine Rolle im Scheinwerferlicht der Geschichte gar nicht haben will – keinen Gerichtsprozess und keinen Kreuzestod. Da verleugnet er lieber, um hinterher den führerlosen Jüngern wieder Halt zu geben. Einfach dadurch, dass er sagt: Ich mach’s. Oder: Einer muss es ja machen. Kneifen gilt nicht.

Das macht den Burschen sympathisch auf eine Weise, die zur Petrus-Legenden-Bildung nicht wirklich passen will.

Aber gerade, weil Böttrich (mithilfe seiner Studierenden) hier jeden Wortfetzen zu Petrus mehrfach umgedreht hat, dürfte das Buch auch für all jene eine gewisse (wissenschaftliche) Aufregung bieten, die die Szenen aus den Evangelien lieber so nehmen möchten, wie sie erzählt wurden. Was nur zu berechtigt ist. Denn gerade weil Böttrich die Erzählmechanismen der Autoren genauer unter die Lupe nimmt, merkt man, mit welcher Finesse hier erzählt wurde.

Eine Finesse, die natürlich darauf zielte, die Zuhörer in den Bann zu ziehen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass alles, was geschah, und alles, was gesagt wurde, eine doppelte und dreifache Bedeutung hat. Die es zu erahnen und zu erfassen gilt – so, wie man gute Geschichten erfasst und mit sich trägt. Immer wieder aufrufbar, wenn einem im Leben Ähnliches geschieht. Dann ist es oft gut, wenn man ein gutes Vorbild hat, das einem sagt: Das schaffst du. Du bist nicht allein.

Jedenfalls kein Scharfmacher

So kann man sich diesen Petrus durchaus vorstellen. Auch erschrocken, wenn ihn seine Mit-Jünger heftig angefeindet haben dürften: „Aber mit Heiden setzt man sich doch nicht an einen Tisch!“

Darauf wusste Petrus, wie wir wissen, nicht gleich eine Antwort. Und das geht auch heute noch vielen Leuten so, die mehr Angst haben vor dem Geschimpf ihrer Mitgläubigen als vor den Fremden, mit denen sie gern am Tisch sitzen würden. Denn die unbeschnittenen Leute sind auch nur Menschen und keiner besser als die anderen. Aber wie wir wissen, sind die Vor-Urteile groß und mächtig und oft auch unberechenbar aggressiv. Auch unter „Christen“ und solchen, die sich dafür halten.

So unpassend ist die Rolle des Petrus also gar nicht. Nur sollte man ihn wohl nicht in Rom suchen, sondern in der nächsten Nachbarschaft. Denn noch etwas wird deutlich: Der Mann war auch am Schluss der Geschichte noch der einfache Fischer, der sich selbst ganz bestimmt nicht für auserwählt hielt. Nur verantwortlich für das, was geschah. Oder eben nicht geschehen wäre, wenn er selbst nicht Mut gefasst hätte.

Einer muss es ja machen. Auch das kann ein gutes Vorbild sein.

Christfried Böttrich Petrus, 3. Auflage, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2021, 18 Euro.

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Profunde geschrieben, aber an einer Stelle hat sich ein Fehler in den Text geschlichen:
“Und dass Petrus zwar derjenige war, der nach der Hinrichtung des Petrus [hier sollte wohl von Jesus die Rede sein]…”

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