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Dienstag, der 16. Februar 2021: Tauwetter auf den Straßen, erste Pandemie-Beschränkungen fallen und ein Hotel für Obachlose

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    Flockdown und Lockdown – ein fast namensgleiches Pärchen hat das öffentliche Leben mit eiserner Faust noch mehr in die Knie gezwungen, als es das Virus ohnehin schon seit fast einem Jahr tut. Doch nun zeichnet sich ein Tauwetter ab – in doppelter Hinsicht. Das dürfte zwiespältige Folgen mit sich bringen. Außerdem: Nach der Selbstverbrennung eines Mannes nahe dem Sächsischen Landtag herrscht Gewissheit über dessen Identität und den möglichen Hintergrund des schrecklichen Geschehens. Und in Leipzig finden Obdachlose eine neue Bleibe. Die LZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 16. Februar 2020, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

    Sachsen und Corona: Von dunkelrot bis orange ist alles dabei

    Die Corona-Situation in Sachsen entspannt sich insgesamt weiter, wobei die regionalen Unterschiede beachtlich sind. Nach offiziellen Angaben von heute Mittag verzeichnet der Freistaat einen Infektionszuwachs von 446 neuen Ansteckungen im Vergleich zu Montag. Damit steigt die Verbreitung des Virus zumindest weiterhin weniger stark. Die als richtungsweisend geltende 7-Tage-Inzidenz beläuft sich auf 69,7.Die dunkelrote Färbung dreier Landkreise – der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der Vogtlandkreis und der Landkreis Leipzig – verweist jedoch auf das starke Gefälle an Infektionen in Sachsen.

    Während der Inzidenzwert in den benannten Regionen immer noch die Hunderter-Marke sprengt, scheinen die Städte Dresden und Leipzig mit einem Wert unter 50 auf einem richtigen Weg zu sein. Allerdings sind auch in Sachsen inzwischen mehr als 80 Fälle einer Virusmutation nachgewiesen, über deren langfristige Auswirkungen noch Unklarheit herrscht.

    Indessen bleiben die Impfungen in Sachsen vor allem ein zermürbendes Geduldsspiel. Immerhin hat der Freistaat seit letzter Woche nun mit dem Impfstoff von AstraZeneca auch ein drittes Mittel zur Immunisierung im Einsatz, was zu einer leichten Beschleunigung führen könnte.

    Leipzig: Hurra, Lockerungen in Sicht!

    Dank der bisher stabilen Inzidenz von unter 100 neuen Corona-Fällen über mehrere Tage darf sich neben anderen Landkreisen und Städten in Sachsen auch die Leipziger Bevölkerung auf vorsichtige Lockerungen freuen. Oberbürgermeister Burkhard Jung (62, SPD) hat festgelegt, dass bereits ab Donnerstag der 15-Kilometer-Radius entfallen wird, der die Mobilität um den eigenen Wohnort herum eingrenzte.

    So darf man diese Distanz zwecks Grundversorgung nun wieder überschreiten, auch die Ausgangssperre für die Nachtstunden wird aufgehoben, individuelle Bewegung im Freien ist unter Achtung von Hygiene- und Abstandsregeln möglich.

    Möglich wurde dies durch eine Abstimmung mit den Landkreisen Leipziger Land und Nordsachsen sowie einer Passage der Sächsischen Corona-Schutzverordnung, die Landkreisen und Kreisfreien Städten Lockerungen in Eigenregie zugesteht, sofern die Infektionszahlen niedrig bleiben. Gleichwohl ist eine Rücknahme der Maßnahmen möglich, sollte sich die Pandemie wieder verschärfen. Unser Redakteur René Loch hat die geltende Verordnung genauer untersucht.

    Tauwetter – und Turbo-Frühling im Anmarsch?

    Dominierten vor einer Woche noch die Wetterwarnungen wegen des heftigen Schnee-Einbruchs, steht nun offenbar ein Wechsel bevor. Nach der Frostperiode schaufelt ein Tief warme Luftmassen Richtung Deutschland und leitet eine Tauwetterphase ein. Am kommenden Wochenende sind auch für Leipzig frühlingshafte Temperaturen angekündigt.

    Der rapide Umschwung sorgt indes nicht nur für Freude. Meteorologen befürchten ein steigendes Hochwasser-Risiko, wenn die Sonne Schnee und Eis den Garaus macht. Aktuelle Prognosen lassen zumindest hoffen, dass es zwar zu erhöhten Flusspegeln, aber keiner nennenswerten Hochwasserlage kommen wird – vor allem, weil der Nachschub an Niederschlag überschaubar bleiben soll.

    Für Bürgerinnen und Bürger, die das Thema Hochwasser interessiert, stellt das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie übrigens einen „digitalen Hochwasseratlas“ bereit. Nach kostenfreier Anmeldung kann der ständig aktualisierte Datensatz von jedermann genutzt werden.

    Ein ganz anderes Problem des Tauwetters stellen die Schneemassen und die Eiszapfen auf Hausdächern dar. Gerade letztere sind wunderschön anzuschauen, wirken geradezu mystisch – und können doch zur ernsthaften Gefahr werden, wenn sie herabstürzen. Offizielle Stellen weisen darauf hin, dass bei nicht-öffentlichen Gebäuden wie Mietshäusern in aller Regel die Eigentümer in der Pflicht sind.

    Muss die Feuerwehr präventiv tätig werden, wie jüngst in Dresden, dürfte den Verantwortlichen eine saftige Rechnung für den Einsatz ins Haus flattern.

    Unterdessen wollen auch die LVB wieder in einen Normalbetrieb ihrer Busse und Straßenbahnen zurückkehren. Nachdem der Frost den Verkehr vorübergehend fast völlig lahmlegte, sollen ab Donnerstag auch die noch immer nicht bedienten Straßenbahnlinien 2 und 10 regulär ans Netz gehen. Aktuell wird nach Angaben des Unternehmens noch immer mit Hochdruck an der Beräumung von Verkehrswegen und der Reparatur von Fahrzeugen gearbeitet.

    Selbstanzündung aus Protest?

    Nach der tödlichen Selbstverbrennung eines Mannes unweit des Dresdener Landtages am vergangenen Freitag ist dessen Identität offenbar geklärt. Laut Informationen des MDR soll es sich um einen 49-Jährigen türkischer Herkunft gehandelt haben, der in Dresden wohnhaft war. Möglicherweise hatte der Tote Bezüge zur kurdischen Arbeiterpartei PKK, die sich für eine Autonomie der türkischen Kurdengebiete einsetzt und vom Westen als terroristische Organisation eingestuft wird.

    Deren Mitbegründer und langjähriger Chef Abdullah Öcalan (71) ist zu lebenslanger Haft verurteilt und seit 15. Februar 1999 auf der türkischen Gefängnisinsel İmralı interniert. Rund um das für Kurden symbolträchtige Datum kommt es bis heute immer wieder zu Kundgebungen und Protesten.*

    Eine würdige Unterbringung für Obdachlose. Grafik: TiMMi ToHelp e.V.
    Eine würdige Unterbringung für Obdachlose. Grafik: TiMMi ToHelp e.V.

    Ein Hotel für Obdachlose

    Das Team des HomePlanet Hostels aus Leipzig hat sich aufgrund der aktuellen Corona-Situation und der extremen Wetterlage entschieden, seine Türen zu öffnen. Mit dieser Idee ist das Team an SAFE und TiMMi ToHelp e. V. herangetreten und innerhalb weniger Tage entstand ein Unterbringungsprojekt für bis zu 13 Obdachlose in Leipzig. Mit der Umsetzung haben die Partner bereits begonnen und hoffen darauf, dass die Leipziger/-innen helfen.

    Im HomePlanet Hostel ist Platz für 13 Personen in Ein- oder Zwei-Bett-Zimmern, die neben einem warmen Bett auch Frühstück und Abendessen bekommen und Zugang zu einem Regal haben, welches mit Snacks, Lebensmitteln und Getränken sowie Hygieneartikeln gefüllt ist. Die Vermittlung der Menschen in das Hostel läuft ausschließlich über Streetwork-Projekte und soziale Einrichtungen aus Leipzig.

    Eine Begleitung und Betreuung der Menschen ist durch Streetworker von SAFE abgesichert.

    Um die Gesamtkosten für den gesamten Projektzeitraum von 45 Tagen zu realisieren, werden 1.350€ pro Person benötigt. Für 13 Personen sammelt der TiMMi ToHelp e.V. daher eine Gesamtsumme von 17.550€ (zur Crowdfunding-Plattform Betterplace).

    Worüber die L-IZ heute berichtet hat: Den Streit um ein Gutachten zum 365-Euro-Ticket für Leipzig, mögliche Verbesserungen im Leipziger Radverkehr, den umstrittenen Flughafenausbau und den harten Kampf um saftige Filetstücke zum Wohnungsbau.

    Was heute außerdem wichtig war: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) möchte nach eigener Aussage ab 1. März allen Bürgerinnen und Bürgern kostenlose Corona-Schnelltests bereitstellen.

    Was morgen wichtig wird: Der politische Aschermittwoch findet wegen COVID-19 diesmal digital statt. Gerade das große Wahljahr 2021 lässt trotz dieses Novums massive Angriffe auf der Traditionsveranstaltung erwarten. Außerdem: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62, CDU) stellt eine Strategie vor, wie auf einen weiteren Pandemie-Verlauf reagiert werden kann.

    * Die LZ berichtet nur über Suizide, wenn diese wegen ihrer Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Sollten Sie selbst Suizidgedanken haben und Hilfe benötigen, finden Sie untenstehend wichtige Hinweise.

    Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

    Telefonseelsorge: Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 1110111 und 0800 1110222. Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis. Die Telefonseelsorge finden Sie auch hier im Internet.

    Muslimisches Seelsorgetelefon: Das muslimische Seelsorgetelefon ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 030 443509821 erreichbar.

    Weitere Möglichkeiten und Angebote finden Sie hier
    www.suizidprophylaxe.de

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