Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Europa wird in den nächsten Wochen wohl mit einer massiven Infektionswelle der Virusvariante namens „Omikron“ konfrontiert sein – auch Deutschland, wo die Fallzahlen derzeit noch moderat sind, muss sich auf das Szenario vorbereiten. Mehrere Wochen nach einer Razzia gegen Angehörige eines rechten Telegram-Chats wird bekannt, dass sich dessen Mitglieder offenbar nicht allein über die Ermordung des sächsischen Ministerpräsidenten austauschten. Und: Im Landkreis Mittelsachsen wurde eine womöglich „verirrte“ Kokain-Lieferung im Millionenwert konfisziert. Die LZ fasst zusammen, was am Dienstag, dem 11. Januar 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Omikron: Die Welle türmt sich langsam auf

Die Pandemie, derer wir alle nur noch überdrüssig sind, geht in ihr drittes Jahr – und ein wirkliches Ende scheint noch immer nicht in Sicht. „Dank“ der Ende November identifizierten und hochansteckenden Omikron-Variante des Virus erwartet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine neue Welle an Infektionen, die in den nächsten sechs bis acht Wochen über Europa fegen wird.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland steigen die Ansteckungen wieder deutlich. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet für Dienstag 45.690 bestätigte Neuinfektionen und damit 15.129 Fälle mehr als noch vor einer Woche (tagesaktuelles Gesamtbild). Die 7-Tage-Inzidenz ist von 375,7 auf 387,9 geklettert.

Immer mehr Fälle können dabei der Omikron-Variante zugeordnet werden (tagesaktueller RKI-Bericht). In Deutschland allerdings türmt sich die neue Infektionswelle zumindest langsamer auf – was Fachleute auch dem vorsichtigen Agieren der Bevölkerung zuschreiben.

Proteste von Leugnern und Verharmlosern der COVID-19-Pandemie, wie erst gestern in Leipzig (und von Gegendemos begleitet) sollten jedenfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrzahl der Menschen die Schutzmaßnahmen mitträgt und sich umsichtig verhält. Kritik an überzogenem Handeln des Staates und prinzipielles Befolgen der Spielregeln zum Schutz aller sind übrigens kein Widerspruch.

Trotz allem hat der Freistaat Sachsen mit dem Auslaufen der aktuell noch geltenden Corona-Verordnung ab Freitag Lockerungen im Bereich von Gastronomie, Kultur, Sport und Freizeit angesetzt, die vor allem auf das Modell „2G+“ hinauslaufen (Öffnungen für zweifach Geimpfte und Genesene, die dazu einen aktuellen Negativtest vorlegen, für dreifach geimpfte Personen entfällt dieser).

Rechtsextremer Telegram-Chat: Tipps von US-Neonazis

Unerwünschten Besuch durch Spezialkräfte des LKA Sachsen erhielten Anfang Dezember mehrere Personen in Dresden und Heidenau, die sich in einem Kanal des Chatdienstes Telegram über die Ermordung von Politikern ausgetauscht haben sollen, unter letzteren auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU).

Der Razzia gingen Recherchen der Journalisten Arndt Ginzel und Henrik Merker voraus, die der Online-Gruppe anonym beigetreten waren – und Erschreckendes zu hören bekamen.

Nun bringen Audiodateien und Chatverläufe die Truppe mit dem Namen „Dresden Offlinevernetzung“ noch mehr in Bedrängnis: Diese soll Unterstützung durch „MZWNEWS“ bekommen haben. Das US-Neonazinetzwerk unter Führung des Holocaust-Leugners und Verschwörungsideologen John de Nugent empfahl den Deutschen demnach unter anderem die Bildung militanter Kleinzellen zum „Widerstand“ gegen das System.

Infolgedessen soll sich die Gruppe tatsächlich in kleinere Einheiten geteilt haben, auch reale Treffen abseits des Chats habe es gegeben. Vor allem für den Wortführer des Zusammenschlusses könnte es nun eng werden – dessen Anwalt bestreitet dagegen, dass es ernsthafte Planungen zu Straftaten gegeben habe.

Aktuell ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wegen „gemeinschaftlicher Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ gegen 7 Verdächtige.

Größte Kokain-Konfiszierung im Freistaat

150 Millionen Euro – das ist die vorsichtige Schätzung des Verkaufswertes von 700 Kilogramm Kokain, die wahrscheinlich aus Südamerika kommen und im Landkreis Mittelsachsen entdeckt wurden. Mitarbeiter eines Lebensmittelbetriebs stießen in einer Lieferung Zucker auf verdächtige Päckchen und schalteten die Behörden ein.

Die Ermittler fanden daraufhin 600 Päckchen reines Kokain. Nun sollen die Hintergründe des brisanten Funds ausermittelt werden. Dessen Konfiszierung dürfte den regionalen Drogenmarkt spürbar beeinflussen. Gegen die betroffene Firma besteht laut LKA kein Anfangsverdacht.

Worüber die LZ heute berichtet hat: Tauchas Bürgermeister Tobias Meier (FDP) stellt sich erneut zur Wahl. Bei Ralf Julke geht es um die Fluglärmkommission, die Leipziger Kampagne zur Verkehrssicherheit und den literarischen Trip in ein bedrohtes Orchideen-Paradies.

Was heute sonst noch wichtig war: Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (52, Grüne) beklagt den massiven Rückstand Deutschlands bei den CO2-Einsparungen in der Wirtschaft – und will mit dem massiven Ausbau regenerativer Energien gegensteuern.

Jens Maier (59, AfD), bekannt für rassistische Ansichten und laut sächsischem Verfassungsschutz Rechtsextremist, soll als Richter wieder in den Staatsdienst zurückkehren dürfen – eine fatale Entscheidung, kommentiert der Verfassungsblog.

Das DDR-Erbe ist auch mehr als 31 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung noch relevant – und das ist tatsächlich im monetären Sinne gemeint. 2021 profitierten die Neuen Bundesländer jedenfalls von 150 Millionen Euro aus dem Vermögen der SED und ihrer Organisationen – womöglich die letzte Tranche, zumindest gibt es derzeit keine Hinweise, wo noch Gelder der Diktatur versteckt sein könnten.

David Sassoli ist tot. Der aus Italien stammende Präsident des EU-Parlaments starb mit 65 Jahren an den Folgen einer schweren Erkrankung.

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