Anwohner der Elsterstraße sammeln nach einem verheerenden Hausbrand Spenden für die Opfer des Feuers. Das länderübergreifende Begleitprogramm zur Buchmesse lädt schon heute in die Nachbarstadt Halle ein. Und im historischen Stadtbad präsentiert das Kult-Magazin „Leipziger Blätter“ die 88. Ausgabe im 44. Jahr seines Erscheinens.
Buchmesseprogramm beginnt (zumindest in Halle) schon heute
Ein paar Tage sind es noch bis zur Leipziger Buchmesse. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es heute schon in unserer charmanten Nachbarstadt Halle. Die beteiligt sich seit 13 Jahren mit ihrer Veranstaltungsreihe „Halle liest mit“ am Rahmenprogramm der Buchmesse. Schauspielerin und Autorin Bastienne Voss („Verbotene Liebe“) stellt ihr Buch „Wolfgang Kohlhaase. Von Solo Sunny bis Sommer vorm Balkon − ein Leben wie ein Film“ vor, eine ganz persönliche Annäherung an einen der wichtigsten Drehbuchautoren Deutschlands.
Dessen Leben, so spannend wie seine eigenen Film-Geschichten, umschließt drei Systeme. 1931 in der unruhigen Weimarer Republik geboren, während der NS-Diktatur aufgewachsen, lebt und arbeitet er vier Jahrzehnte in der DDR und etwas mehr als zwei im wiedervereinten Deutschland. Berühmt war Kohlhaase in beiden Teilen des Landes. Bastienne Voss erzählt über dieses Jahrhundertleben anhand von Kohlhaases Filmen, vielen Zeitzeugen-Stimmen und autobiographischen Dokumenten.
Wolfgang Kohlhaase kam ohne klassische Ausbildung zum Film, arbeitete als Journalist, bevor er in den 1950er-Jahren zur DEFA fand und dort eine Laufbahn als Drehbuchautor begann. Seine Geschichten richteten einen authentischen Blick auf Alltag und soziale Wirklichkeit in der DDR. Frühe Aufmerksamkeit erregte sein Film „Berlin – Ecke Schönhauser“ 1957. Besonders prägend wurde seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Konrad Wolf. Zu den bekanntesten gemeinsamen Arbeiten zählt „Solo Sunny“ von 1980.
Auch nach der Wiedervereinigung blieb Kohlhaase eine wichtige Stimme des deutschen Films und arbeitete unter anderem mit Andreas Dresen („Als wir träumten“) zusammen und brachte so den gleichnamigen Bestseller von Clemens Meyer auf die Leinwand und ins Fernsehen. Kohlhaase wurde u.a. mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises für sein Lebenswerk geehrt.
Autorin Voss begrüßt heute um 19 Uhr im „Grünen Salon“ (Bernburger Straße 8, 06108 Halle) als Gast ihrer Lesung den Schauspieler Sylvester Groth. Kohlhaase arbeitete mit ihm u.a. bei den Filmen „Der Aufenthalt“ (1987) und „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ (2017) zusammen. Karten zu 12 Euro (ermäßigt 9) gibt es an der Abendkasse. Mit den S-Bahn-Linien S3 und S5 kommt man bis spät in den Abend entspannt binnen ca. 20 Minuten zurück in die Buchstadt Leipzig.

Leipziger sammeln nach Feuer Spenden für ihre Nachbarn
Die Rauchwolke war bis zur Stadtgrenze zu sehen, die Warn-Apps meldeten Alarm. Medien berichteten. Doch hinter einem Ereignis, das schnell in Vergessenheit gerät, stehen Schicksale. Und die sind am Unglück Unbeteiligten nicht egal.
Am 11. März 2026 brannten in der Leipziger Elsterstraße Balkone eines Wohnhauses wie eine Fackel ab und machten die dahinter liegenden Wohnungen in Windeseile unbewohnbar. Gegen 16:15 Uhr gingen bei Feuerwehr und Polizei die entsprechenden Notrufe ein. Ausgebrochen war das Feuer nach Polizeiangaben auf dem Balkon im Erdgeschoss. Fünf Wohnungen sind durch das Feuer unbewohnbar.
Alexandra Bremert gehört nicht zu den Opfern des Brandes, sie wohnt im Nachbarhaus und blieb selbst von Ruß und Löschwasser verschont. Selbst davongekommen, ist ihr das Schicksal der Menschen von nebenan aber nicht egal. Um denen zu helfen, die in kurzer Zeit ihre Wohnung verloren haben, startet sie eine Spendenkampagne.
Zuerst berichtete die Leipziger Volkszeitung über das Engagement hinter einer Bezahlschranke, was die erhoffte Hilfe etwas verkompliziert. 4000 Euro möchte die Nachbarin als Soforthilfe sammeln, 3309 davon hat sie bis heute morgen schon auf dem Spendenkonto verbuchen können. In ihrem Spendenaufruf findet sie emotionale Worte. „Es trifft diese Familie … leider hart, weil sie keine Hausratversicherung haben, die nicht nur das gesamte Hab und Gut ersetzt hätte, sondern auch für die Aufräumkosten aufgekommen wäre. Unvorstellbar wie es jetzt für die vier weitergehen soll. Um zumindest die finanzielle Last etwas zu schmälern, möchte ich nun diesen Aufruf starten.“ Die LZ-Leserinnen und -Leser finden den Hilfelink direkt HIER.
Auch eine zweite Familie erfährt Unterstützung durch eine Spendensammlung. Der Leipziger Gerald Meißner sammelt für eine Familie mit einem dreijährigen Kind, will helfen, wenigstens das Nötigste für die Opfer des Feuers zu besorgen. „Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft dieser Familie, Schritt für Schritt wieder auf die Beine zu kommen“, versichert er auf seinem Spendenprofil, das Sie HIER aufrufen können.

„Leipziger Blätter“ erscheinen im 44. Jahr zum 88. Mal
Als sie 1982 das Licht der Leserwelt erblickten, sorgten sie für Staunen und Aufmerksamkeit: die „Leipziger Blätter“. Ein Kulturmagazin auf Kunstdruckpapier, zudem in Farbe – und das auf private Initiative ohne einen großen staatlichen Verlag im Rücken… In der DDR galt so ein Projekt als absolute Besonderheit. Heute Nachmittag stellt die derzeitige Redaktion ihr 88. Heft vor. Um 16:30 im altehrwürdigen Stadtbad auf der Eutritzscher Straße.
Die Leipziger Blätter gehören seit mehr als vier Jahrzehnten zu den konstantesten kulturjournalistischen Publikationen der Stadt, ein Forum für Essays, Reportagen, Fotografien und künstlerische Beiträge. Konzipiert wurde der Kulturalmanach 1981, die erste Ausgabe erschien 1982. Von Beginn an verstand sich die Reihe als ein Forum für Essays, Reportagen, Fotografien und künstlerische Beiträge zur Stadt Leipzig und ihrem kulturellen Umfeld.
Eine zentrale Rolle bei der Entstehung spielte der Leipziger Publizist Helmut Richter, berühmt geworden durch seinen Songtext des Rock-Hits „Über sieben Brücken mußt du gehen“. Er gilt als Initiator und eigentlicher Gründer der Leipziger Blätter. Richter entwickelte die Idee eines regelmäßig erscheinenden Kulturjournals zur Leipziger Messe und setzte sie Anfang der achtziger Jahre gemeinsam mit kulturellen Institutionen der Stadt um. Er prägte die Redaktion und inhaltliche Ausrichtung der Hefte bis 1989 entscheidend.
In der DDR erschienen die Leipziger Blätter zweimal jährlich, traditionell im Rhythmus der Leipziger Frühjahrs- und Herbstmesse. Diese halbjährliche Erscheinungsweise blieb auch nach der Wende erhalten. Bis heute erscheinen die „Leipziger Blätter“ in derselben Frequenz. Herausgegeben wird das Magazin von der Kulturstiftung Leipzig und publiziert im Passage-Verlag. Damit gehört die Reihe zu den langlebigsten kulturjournalistischen Publikationen der Stadt und dokumentiert seit 1982 kontinuierlich Entwicklungen in Kunst, Literatur, Architektur und Stadtgeschichte Leipzigs.
In ihrer aktuellen Ausgabe würdigen die „Blätter“ u.a. die Leipziger Band „Folkländer“, die 2026 ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Die von Jürgen B. Wolff gegründete Gruppe gehörte zu den ersten Folkbands der DDR. Die von den Musikern initiierte, erste offene Folkwerkstatt entwickelte sich ab 1980 zu den „Zentralen Folkwerkstätten der DDR“, die bis 1984 jährlich in Leipzig stattfanden. Mitglieder der Band umrahmen die Vorstellung der aktuellen „Blätter“-Ausgabe am heutigen Abend musikalisch. Das Stadtbad hat zur Besichtigung bereits ab 16:30 geöffnet. Die Heft-Präsentation beginnt um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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