Die Prinzen-Trennung gibt weiter Rätsel auf, die zu lösen so schwer nicht sein dürfte. Ganz sicher beginnt jedoch heute erst einmal der Vorverkauf für die Abschiedskonzerte. Am späten Nachmittag startet eine queere Tausch-Party, die einen ernsten, historischen Hintergrund hat. Zudem befasst sich am Abend der Verleger Christoph Links mit dem Verschwinden von 150 Buchverlagen zwischen 1945 und 1989. Update: in den Morgenstunden hat die Polizei im Rahmen einer großangelegten Razzia mehrer syrische Staatsbürger festgenommen (siehe letzte Meldung).

VVK für Tschüssi-Tour startet. Und ein zweiter Prinz wird politisch

Da hat sich am Wochenende mancher die Augen gerieben – die Prinzen, Leipzigs wichtigster Musik-Exportschlager neben Gewandhausorchester und Thomanerchor, legen ihre Krönchen zur Seite und verlassen nach 35 Jahren Paläste und rote Teppiche (LZ berichtete).

Prinz-Sein ist keine Garantie auf ewige Jugend, was auch die Popstars aus der Bachstadt wissen. Offizielle Lesart ist einem nüchternen Facebook-Post zufolge der Gedanke, es wäre vom Gefühl her Zeit, Abschied zu nehmen. Schwer fiele der Mitteilung zufolge der Schritt dennoch. Damit die A-cappella-Stars nicht vereinsamt in den Ruhestand starten, gehen sie dieses und nächstes Jahr noch einmal auf Tournee.

Die Gastspielreise 2027 soll die letzte sein und führt die Band auf 23 Konzerten vom 22. Oktober (Hof/Saale) bis 16. Dezember (Zürich) durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Vorverkauf startete heute Morgen exklusiv auf dem Ticket-Portal EVENTIM.

Für die beiden markantesten und Talkshow-erprobten Köpfe von Deutschlands erfolgreichster und dienstältester Boygroup gibt es wenig Luft, um trotz des Schweigegelübtes nicht doch auf die Trennung angesprochen zu werden. Sebastian Krumbiegel gastiert am 3. Mai im Leipziger Kupfersaal. Er galt über Jahre als der politisch aktivste  Protagonist der Band, nicht immer zur Begeisterung aller Fans der gesamten Gruppe, wie sich in verschiedensten Fan-Foren erkennen lässt. Manche Stimme meinte in der Vergangenheit, ein diesbezügliches Ungleichgewicht auszumachen.

Nun zieht es auch Tobias Künzel auf die politische Bühne. Morgen wird er sich als prominenter Unterstützer des unabhängigen Kandidaten Dirk Thärichen für die bevorstehende Wahl des neuen Leipziger Oberbürgermeisters vorstellen. Eine erbetene und im Journalismus hier und da übliche Sperrfrist im Zuge der Medieneinladung hatte sich die Leipziger Volkszeitung am 16. April nicht gehalten.

LZ berichtet über den Auftritt am morgigen Mittwoch.

Stand der eine Prinz politisch bisher im Schatten des anderen? Tobias Künzel mischt sich ab morgen in den Leipziger Oberbürgermeisterwahlkampf ein. Foto: Pixabay

Mit Liebe gegen Leid

Im Rahmen der jährlichen „Fashion Revolution Week“ findet heute in Leipzig eine extra farbenfrohe Tauschbörse statt. Hier können Interessierte bereits getragenen „gender affirming“ Produkten eine zweite Chance geben und unter den Tausch-Teilen anderer ein neues Lieblingsstück finden.

Der Begriff bezeichnet Kleidungsstücke und Gegenstände, die Menschen dabei unterstützen, ihr empfundenes Geschlecht auszudrücken oder sich im eigenen Körper wohler zu fühlen. Typische Beispiele sind Brustbinder, Brustprothesen oder figurverändernde Kleidungsstücke. Auch wenn es eigentlich im Veranstaltungsnamen steckt, funktioniert das Event auch ganze ohne Tauschlogik. Mitnehmen was, passt, und das Ganze kostenlos. Genauso auch in der anderen Richtung: schenken, was man nicht mehr selbst benötigt.

Diese Form des Warentauschs ist nicht nur praktisch, sondern hat auch einen ernsten Hintergrund. Um den 24. April, den Jahrestag der Katastrophe von Rana Plaza, findet jährlich weltweit die Fashion Revolution Week statt. Rana Plaza, ein Gebäude in Bangladesch, beherbergte eine Reihe von Bekleidungsfirmen, die für viele der weltweit größten Modemarken produzierten. 2013 stürzte es wegen vernachlässigter Sicherheitsvorkehrungen ein.

Seitdem setzen sich internationale Bewegungen für Gesetze ein, die besseren Arbeitsschutz gewährleisten sollen. Die Fashion Revolution Week ist eine davon. Zudem soll die Wiederverwendung getragener Mode den Kreislauf aus immer schnellerer, billigerer Produktion und baldiger Entsorgung auf Müllkippen unterbrechen. Die Tauschparty findet heute von 17 bis 19 Uhr im Juicy-Shop am Wiedebachplatz statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig, der Eintritt ist frei.

Die eingestürzte Rana-Plaza-Textilfabrik in Sabhar, Bangladesch. Foto: Sharat Chowdhury / Wikimedia Commons

Verschwundene Verlage

In der damaligen Sowjetischen Besatzungszone hatte die Moskauer Militäradministration nach dem Ende des Krieges 1945 mehr als 200 Genehmigungen zum Betrieb von Buchverlagen erteilt. Als die marode und von Abertausenden verlassene DDR zusammenbrach, gab es davon noch ganze 78.

Christoph Links, selbst Verleger, hat die Entwicklung von 150 dieser abhanden gekommenen Verlage untersucht und geht in seinem aktuellen Buch der Frage nach, aus welchen Gründen sie von der Bildfläche verschwanden. Dabei beleuchtet er unterschiedliche Faktoren wie politische Enteignungen, steuerliche Zwänge, Abwanderungen in den Westen, freiwillige Geschäftsaufgaben oder erzwungene Fusionen.

Im Mittelpunkt steht die grundsätzliche Analyse, mit welchen Mitteln die SED-Führung in der Kulturwirtschaft agierte und wie sie Konkurrenz gezielt zurückdrängte, um ausgewählten Betrieben wirtschaftlich lukrative Monopolstellungen zu sichern.

Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk attestiert Links Arbeit in der taz: „Das Buch ist ein Denkmal für die Verschwundenen, deren Lücken nicht nur bis 1989, sondern im übertragenen Maße bis heute schmerzen.“

Christoph Links stellt seine buchgewordenen Forschungsergebnisse heute Abend um 19:30 Uhr im Haus des Buches (Prager Straße, Ecke Gerichtsweg) im Gespräch mit dem Leipziger Verleger Mark Lehmstedt vor und präsentiert dabei auch besondere Fälle aus der Region. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Karten sind an der Abendkasse erhältlich, es ist ausschließlich Barzahlung möglich.

Das Buch von Christoph Links rezensiert in Kürze unser Redakteur Ralf Julke.

SED und Verlagswesen waren in der DDR eng verzahnt. Autor Hermann Kant, Kulturminister und ZK-Mitglied Kurt Hager, Elmar Faber (Direktor Aufbau Verlag) und Klaus Höpcke ( Leiter Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Kulturministerium)  im März 1987 auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Waltraud Grubitzsch/ADN/Bundesarchiv

Razzia in Leipzig und Umgebung

Seit den frühen Morgenstunden läuft in Leipzig und im Umland ein größerer Polizeieinsatz. Das berichtet das News-Portal TAG24 und ließ sich die Nachricht von einem Sprecher der Bundespolizei bestätigen. Den Angaben zufolge begannen die Maßnahmen gegen 6 Uhr, es wurden rund 50 Objekte durchsucht, ein Schwerpunkt lag auf der Leipziger Eisenbahnstraße.

Weitere Durchsuchungen fanden im Stadtgebiet von Leipzig sowie in Eilenburg, Oschatz, Borna und Neukieritzsch statt. Die Groß-Razzia richte sich der Meldung zufolge gegen rund 50 syrische Staatsbürger, denen Missbrauch von Ausweisdokumenten und das Einschleusen von Ausländern vorgeworfen wird. TAG24 berichtet von Festahmen der Beschuldigten.

Die Leipziger Eisenbahnstraße war ein Schwerpunkt der morgendlichen Razzia. Foto: Lucas Böhme

Lizenzhinweise: Das Foto der eingestürzten Textilfabrik stammt von Sharat Chowdhury und wurde auf Wikimedia Commons zur freien Nutzung lizensiert. Die Aufnahme wurde für die Nutzung auf dieser Seite nicht bearbeitet. Die Abbildung zur Buchmesse 1987 stammt von Waltraud Grubitzsch / ADN und ist vom Bundesarchiv auf Wikimedia Commons zur freien Nutzung lizensiert. Die Fotografie wurde für unsere Veröffentlichung geringfügig beschnitten, jedoch nicht inhaltsverändernd bearbeitet.

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