Er soll seine Ex-Partnerin mit Messerstichen ermordet und den gemeinsamen Sohn schwer verletzt haben: Am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht gegen Nick W. (37) wegen Mordes sagten am Mittwoch unter anderem Angehörige der getöteten Susann K. und Nachbarn aus der Reudnitzer Siedlung aus, wo sich das furchtbare Verbrechen im August 2025 abgespielt hatte. Gab es vor der brutalen Tat irgendwelche Warnzeichen?
Sie waren mal ein Paar, hatten einen kleinen Sohn, teilten den Arbeitsort – dann aber kam es zur Trennung, die Nick W. nicht akzeptiert habe: Mit einem Messer sei er aus reiner Wut auf seine Ex-Partnerin Susann K. (42) losgegangen, habe sie so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starb. Weil sie zunächst fliehen konnte, habe er sich dann mit der Tatwaffe an seinem eigenen Kind „abreagiert“. Der 10-Jährige überlebte nach einer stundenlangen Not-OP, wächst nun ohne Eltern auf.
Mutmaßlicher Mörder soll vorab Suizid angedroht haben
Mit dem Geschehen, das sich laut Staatsanwaltschaft am späten Abend des 18. August 2025 in einer Reudnitzer Wohnsiedlung abspielte, befasst sich seit dem 13. Februar das Landgericht. Am Mittwoch versuchte die Strafkammer, sich ein Bild von der Vorgeschichte des Opfers und seines mutmaßlichen Mörders zu machen: Wer waren diese Menschen? Hatten sich Warnsignale, dass sich etwas Furchtbares anbahnen könnte, bereits angedeutet?

Fragen, zu denen die Angehörigen von Susann K., die teils als Nebenkläger auftreten, nur bedingt Antworten liefern konnten: „Dadurch, dass sie ziemlich verschlossen war, haben wir nicht viel über ihre Beziehung gesprochen“, sagte eine Schwester der Getöteten (32) am Mittwoch im Zeugenstand. Dabei waren die Geschwister zugleich Kolleginnen, arbeiteten als Reinigungskräfte in derselben Klinik, wo sie regelmäßig aufeinandertrafen.
Einige Zeit vor der Tat sei die reservierte Susann K. überraschend fröhlich drauf gewesen und verriet auf Nachfrage ihrer jüngeren Schwester, dass sie im Kollegenkreis einen neuen Mann kennenlernte. Für Nick W., der ebenfalls in derselben Klinik tätig war, empfand Susann K. demnach nichts mehr. Diesen habe sie selbst nicht gut gekannt, aber im Arbeitsumfeld als nett und hilfsbereit erlebt, meinte die Zeugin. Immerhin soll unter den Kollegen eine verstörende WhatsApp-Nachricht von Nick W. die Runde gemacht haben, in der er für den Fall einer Trennung seinen Suizid androhte.
Das Verbrechen brachte Leid über die ganze Familie
Auch die Mutter des Opfers kam am Mittwoch zu Wort. Über die Beziehung ihrer ermordeten Tochter wusste die 61-Jährige aber ebenso wenig, weil Susann kaum darüber sprach. Sie sei ein stiller Typ gewesen, der eher abseits stand. Um ihren Sohn habe sich Susann jedoch hervorragend gekümmert, so die Mutter, die zum Tatzeitpunkt im Urlaub war und erst später die Nachricht vom grausigen Tod ihres Kindes erfuhr.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Michael Dahms, wie es ihr gehe, brach die Stimme der 61-Jährigen kurzzeitig: „Dass meine Tochter nicht mehr da ist …“ Der Satz blieb unvollendet und lässt wohl nur erahnen, welches Leid das Verbrechen an Susann K. über eine ganze Familie gebracht hat.
„Mein Ex-Freund hat versucht, mich abzustechen“
Weitere Zeugen aus der Nachbarschaft beschrieben, dass ihnen der Tatabend bis heute im Gedächtnis blieb: „Ich habe das Kind laut schreien gehört. Es hat einfach nur laut geschrien, wahrscheinlich vor Schmerzen. Das habe ich noch nie gehört, so was“, schilderte ein 17-Jähriger. Kurz zuvor war die schwer verletzte Susann K. dem arglosen Teenager auf dem Gehweg mit den Worten „Mein Ex-Freund hat versucht, mich abzustechen“ entgegengetaumelt, ehe sie zusammenbrach, Polizei und Rettungskräfte eintrafen.
Die Anklage geht davon aus, dass Nick W. sich am 18. August 2025 Zugang zur Wohnung seiner Ex-Partnerin verschafft, sie nach einem Wortgefecht mit dem Messer attackiert und seine Aggression anschließend auf den eigenen Sohn gelenkt hat, der bereits im Bett lag. Susann K. und deren neuer Freund, der sich ebenfalls in der Wohnung aufhielt, seien vor dem Messerstecher geflüchtet.
Der 37-jährige Nick W. bestreitet einen Tatplan: Er habe sich um Susann, mit der er eine wechselhafte Beziehung gehabt hatte, Sorgen gemacht und eine Aussprache gewollt. Den Angriff auf die Frau stellte er als Unfall hin, während bei dem, was mit seinem Sohn geschah, die Erinnerung aussetze. Das Kind, das heute in einer sicheren Umgebung lebt und wieder die Schule besucht, hat sich zumindest in körperlicher Hinsicht von dem lebensbedrohlichen Angriff erholt. Seinen Vater, so äußerte der Junge, wolle er nie wiedersehen.
Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.
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