Wenn Leipziger träumen: Andreas Loepki „Welches Maß an Ungleichheit ist vertretbar?“

Für alle LeserLeipzig ist nicht mein Geburtsort und ich bin hier auch nicht aufgewachsen. Doch nachdem ich es an einem herrlichen Frühlingstag 1998 zum ersten Mal betrat, empfinde ich Leipzig mittlerweile als Heimat, die ich mit Begriffen wie: geschichtsträchtig, kulturreich, studentisch, jung, quirlig, grün, spannend und humorvoll verbinde.

Da mir Augen und Ohren gegeben sind, bleiben mir jedoch auch Leipziger Schattenseiten nicht verborgen. Leuchttürmen der Wirtschaftsansiedlung stehen viele Menschen gegenüber, die nicht davon partizipieren und auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Abseits der Einkaufspassagen, Restaurants und sanierten Gebäude lebt manches Kind und mancher Senior in Armut, brechen Jugendliche die Schule ab oder enden Drogenkarrieren tödlich. Damit ist meiner Meinung nach auch die erhöhte Kriminalitätsrate verknüpft.

Wem es dauerhaft an Finanzmitteln mangelt, wird sich die Nase nicht ewig am Schaufenster der Spaß- und Konsumgesellschaft platt drücken. Der oder die andere wird es wohl irgendwann einschlagen (wollen).

Solches Verhalten bliebe gleichwohl kriminell und ich will es nicht als logische Folge pauschalisieren – Fleißanreiz, Moral und Anstand kämen da etwas kurz. Und ich bin kein Sozialromantiker, der das Heil in der Gleichheit aller sieht. Erfolgswille ist eine gesellschaftliche Triebfeder und muss honoriert werden. Leider ist ein paradiesischer Ort, der Glück bei absoluter Gleichheit verheißt, auf Erden nicht herstellbar.

Mithin stellt sich nur die Frage, welches Maß der Ungleichheit noch vertretbar ist. Dahingehend klafft die Schere für meine Auffassung schon hierzulande zu weit auseinander. Als Polizist drängt sich mir zugleich die Bogen spannende Frage auf, welche Mittel zu einer angestrebten Angleichung legitim sind.

In Leipzig leben viele Menschen, die besonders weltoffen, solidarisch und tolerant auftreten, sich öffentlich zu Wort melden und engagieren. Aufgrund meiner Rechtsauffassung sehe ich es zwar kritisch, wenn Grundrechte anderer eine Blockade erfahren, aber letztlich spiegeln derartige Handlungen auch nur die Vielfalt einer sich hinterfragenden Demokratie wider.

Sorge bereiten mir sich dahinter tummelnde Radikalgesinnte, die sich gerade in Leipzig konzentrieren und ihre vorgebliche Toleranz mittels Totalitätsanspruch für ihre Weltauffassung und durch Gewaltauslebung konterkarieren. Sie lehnen einen Staat ab, der ihnen Meinungs- und Versammlungsfreiheit garantiert und verkehren zivilisatorische Errungenschaften, wie Gewaltenteilung und Gewaltmonopol, ins Negative. Damit werden staatliche Ordnung und Rechtssicherheit als „strukturelle Gewalt“ diskreditiert, um sogar Steinwürfe auf Polizisten als Gegengewalt zu legitimieren.

Da jene Geister alles andere als Ausdruck des Pluralismus sind, wünsche ich mir für ein gedeihliches und konstruktives Miteinander, dass sich die gesamte Stadtgesellschaft fortgesetzt und nachhaltig von ihnen distanziert und dass einzelne es unterlassen, ihnen verbale Auffangnetze zu spannen.

Alle Träume, welch bereits veröffentlicht sind, finden Sie ab sofort hier in steigender Anzahl unter dem Tag l-iz.de/tag/traeume.

Eine Reihe kehrt zurück: Wenn Leipziger träumen

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