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Der Stadtrat tagte: Mit einem hochwertigen Radweg zwischen Schleußig und Großzschocher wird es in den nächsten Jahren nichts

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    Auch in der Sitzung am 11. November ging vieles in den Abstimmungen des Leipziger Stadtrates erstaunlich flott vonstatten. So flott, dass auch einige wichtige Themen im Minutentakt abgehandelt und entschieden wurden. So auch der Antrag des Stadtbezirksbeirats Südwest, der im Juli die „Sanierung des Radweges Schleußig–Großzschocher als Teil des sächsischen Radwegekonzepts“ beantragt hatte. Und zwar möglichst vor dem Neubau der Dieskaustraße 2023.

    „Der Rad-/Gehweg befindet sich keineswegs in dem vom Verkehrs und Tiefbauamt am 20.05. 2020 beschriebenen Zustand (Bilder sind angehängt). Der Asphalt ist erneuerungsbedürftig, der Teil in ungebundener Bauweise hat viele reparaturbedürftige Stellen und der Teil durch die Kleingartenanlage entbehrt jeglichem Fahrbahnanspruch und muss derzeit mit den Autos der Gartenbesitzer geteilt werden“, hatte der Stadtbezirksbeirat beantragt.

    „Die Beleuchtung sollte heutigen Sicherheitsansprüchen genügen und von Grün befreit werden, welches die spärliche Beleuchtung zusätzlich behindert. Um den Radfahrer/-innen eine sichere Alternative zur Dieskaustraße in Richtung Zentrum Südwest zu bieten ist der Ausbau vorrangig zu behandeln. Im Rahmen der Sanierung der Dieskaustraße wird eine attraktive Querungsmöglichkeit für den Radverkehr in Richtung Zentrum Südwest geschaffen.“

    Aber das lasse sich so leider nicht umsetzen, hatte das Verkehrs- und Tiefbauamt dann im September festgestellt.

    „Dem Ursprungsantrag kann jedoch nicht entsprochen werden. Die vorgeschlagene Ausführungsform als durchgehende Asphaltierung und Beleuchtung (Punkt 1 des Ursprungsantrags) ist zunächst mit den Randbedingungen (u. a. Durchquerung LSG ,Leipziger Auwald‘, EU-Vogelschutzgebiet ,Leipziger Auwald‘, FFH-Gebiet ,Leipziger Auensystem‘ auf ca. 600 m Länge) abzuklären“, so das VTA in seiner Stellungnahme.

    Man könne hier einfach nicht wie gewünscht drauflosbauen. „Im Lichtmasterplan der Stadt Leipzig (VI-DS-06606-Ifo-01) ist der Volkspark Kleinzschocher als lichtempfindliches Gebiet eingestuft. Die entsprechenden Inhalte aus dem Teilkonzept Lichtempfindliche Gebiete des Lichtmasterplans sind zu beachten. Für die Entscheidung über eine durchgehende Beleuchtung sind FFH-Verträglichkeitsuntersuchungen für die Natura 2000-Gebiete (FFH-Gebiet und SPA) und artenschutzrechtliche Untersuchungen erforderlich. Bei einer durchgehenden Asphaltierung ist davon auszugehen, dass umfangreicher Kompensationsbedarf entsteht (Eingriffsregelung).“

    Und das ist nur ein Problem, das der Stadtbezirksbeirat und sein Sprecher in der Ratsversammlung am 11. November dann auch so sahen. Selbst das Bauen an sich geht nicht so schnell, wie das Planungsdezernat feststellte, denn zwar sei „die Verbindung über die Küchenholzallee/Brauereistraße schon jetzt eine befahrbare, wenn auch vom Zustand der Wegeoberfläche nicht optimale Alternativstrecke für den Radverkehr zwischen Dieskaustraße und Antonienstraße und in der Gegenrichtung darstellt.“

    Andererseits gelte: „Die vorgeschlagene Finanzierungsform (Punkt 3 des Ursprungsantrags) durch Einsatz von Mitteln aus Ausgleichszahlungen des Sanierungsgebietes Kleinzschocher ist nicht möglich, da diese Mittel nur innerhalb der Gebietsabgrenzung eingesetzt werden dürfen. Entsprechend ungesichert ist im Moment die Finanzierung einer solchen Maßnahmen.“

    Was keine Generalablehnung war, denn mit dem Hinweis auf den Radverkehrsentwicklungsplan hatte der Stadtbezirksbeirat ja trotzdem recht. So kann die „Huckelpiste“ nicht bleiben, auch wenn sich die Verwaltung jetzt erst einmal ausbedingt, das Wegeprojekt erst einmal zu prüfen.

    Oder wie es im Angebot aus der Verwaltungsvorlage heißt: „Die Vorwegnahme der Einordnung der Maßnahme mit einer hohen Priorisierung in der Fortschreibung des Radverkehrsentwicklungsplans (Punkt 4 des Ursprungsantrags) wird abgelehnt. Die Maßnahme ist in den Gesamtkontext des Maßnahmenplans zu stellen, der aus dem Radverkehrsentwicklungsplans zu entwickeln und in einem umfänglichen Beteiligungsprozess zu erarbeiten und abzuwägen ist.“

    Trotzdem hofft der Stadtbezirksbeirat auf eine hohe Priorisierung.

    Er zog den eigenen Antrag dennoch zurück und ließ den Verwaltungsstandpunkt abstimmen, der dann vom Stadtrat einstimmig, ohne Gegenstimmen auch so angenommen wurde.

    Was nun freilich für alle Radfahrerinnen und Radfahrer von Schleußig nach Großzschocher heißt: Ein paar lange harte Jahre Geduld zu haben, den Bau der Dieskaustraße durchzustehen und dann zu hoffen, dass der Weg noch in einem menschlichen Zeitraum in einen leidlich befahrbaren Zustand gebracht wird.

    Vor 2023 hat die Küchenholzallee kaum eine Chance, zu einem ordentlichen Radweg zu werden

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