Das geht jetzt munter so weiter. Egal, ob es die Leipziger/-innen in Petitionen schreiben, es in den Budget-Diskussionen der Stadtbezirksbeiräte auftaucht oder als Antrag aus einzelnen Fraktionen: Stückweise beantragen die Leipziger/-innen jetzt all die fehlenden Radwege, die seit 2012 längst hätten gebaut werden sollen. Das Versprechen der Verwaltung von 2010 „Die Stadt strebt einen hohen Anteil des Radverkehrs am Wegeaufkommen an“ war nichts als heiße Luft. Längst sind neue Straßen hinzugekommen, bei denen sich das Fehlen von Radanlagen massiv bemerkbar macht – so wie in der Zschocherschen Straße.

Im Dezember formulierte der Petitionsausschuss des Stadtrates seine Unterstützung für eine Petition, die die Anlage von Radfahrstreifen in der Zschocherschen Straße vom Felsenkeller bis zum Adler zum Thema machte.

Radfahrstreifen Zschochersche Straße: SPD drängt auf Ergänzung

Die soll am 19. Januar in der Ratsversammlung auf die Tagesordnung kommen. Aber da fehlt doch noch was, stellt jetzt die SPD-Fraktion fest. Denn das Drama für die Radfahrer hört ja nicht einfach an der Kreuzung am Felsenkeller auf. Die SPD-Fraktion will eine Ergänzung zum Beschlussvorschlag des Petitionsausschusses:

„Der Oberbürgermeister wird beauftragt zu prüfen, ob entlang der Zschocherschen Straße zwischen der Kreuzung Lützner Straße und Kreuzung Adler ein beidseitiger Radfahrstreifen angelegt werden kann. Das Prüfergebnis wird bis Ende 2. Quartal 2022 vorgelegt, eine Umsetzung soll bei positiver Prüfung bis Ende 4. Quartal 2022 erfolgen.
Der Oberbürgermeister wird außerdem beauftragt zu prüfen, ob dies bis zur Realisierung beidseitiger Radfahrstreifen im Zuge einer komplexen Baumaßnahme auch als Interim möglich ist und dabei das Parken entlang des vorgenannten Straßenzuges untersagt werden kann.“

Vielversprechendes Programm von 2012 wurde einfach gestoppt

Wobei das mit dem Prüfen mittlerweile einen sauren Beigeschmack hat. Denn die Stadt prüft dann meistens anhand der gezählten Radfahrer auf der Straße. Was dann oft zum Ergebnis hat, dass man die Notwendigkeit einer Radverkehrsanlage nicht sehen will, obwohl alle Beteiligten wissen, dass Radfahrer gefährliche Straßenabschnitte eher meiden, wenn es dort keine verlässlichen Radwege gibt.

Genau das ist nämlich seit 2012 passiert, als das erste wirklich ambitionierte Radstreifenprogramm der Stadt nach dem lauten Protest der Autofahrerlobby gestoppt wurde: Statt endlich das lückenlose Radwegenetz an allen Hauptstraßen in Leipzig zu schaffen, das die Grundlage dafür wäre, dass der Radverkehr wirklich attraktiv wird, hat man weiter den Autoverkehr favorisiert.

Kraftfahrer müssen nicht beweisen, dass von ihnen möglichst viele unterwegs sind – sie bekommen die Fahrbahn ganz selbstverständlich zur Verfügung gestellt.

Das heutige Leipzig mit seinen vielen Verkehrskonflikten ist das Ergebnis dieser Strategie, der praktisch drei Viertel der Maßnahmen aus dem Radverkehrsentwicklungsplan 2010 zum Opfer fielen, sodass Leipzig heute genaugenommen erst wieder da ansetzt, wo ab 2013 das öffentlich nie erklärte „Stopp!“ ausgesprochen wurde.

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