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HauptnetzRad in Leipzig – Problemstellen Nr. 18 bis 21 und drei alte Bekannte

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    Auf die Petition des Ökolöwen zur Schaffung von zehn zusätzlichen (Pop-up-)Radwegen jedes Jahr hat das Dezernat Stadtentwicklung und Bau ja nicht nur mit einer kurzen „Liste der Straßenabschnitte, für die eine Vorprüfung bereits positiv abgeschlossen wurde“, reagiert, deren Umsetzung 2021 / 2022 zu erwarten ist, sondern auch mit einer zweiten Liste von Straßen, für die „bislang kein positives Ergebnis erbracht“ wurde. Darunter natürlich auch lauter Problemstellen, die in unsere Serie gehören.

    Dass diese Straßen in der Stellungnahme des Baudezernats extra aufgeführt werden, bedeutet natürlich, dass sie bis 2022 auf keinen Fall angepackt werden. Aus unterschiedlichen Gründen, die eben nicht alle technischer Natur sind.

    Ein alter Bekannter in Schleußig

    Nr. 18: Das ist ein alter Bekannter, die Rödelstraße von der Könneritzstraße bis zur Schnorrstraße. Hier gab es eine Petition, um auf das Problem gerade für die Schüler/-innen aufmerksam zu machen, die mit dem Rad zur Schule wollen. 2020 votierte der Stadtrat einen Antrag der Linksfraktion positiv. Aber von einer zeitnahen Entschärfung ist jetzt sichtlich keine Rede.

    „Sicherheitsdefizite durch Kfz-Rückstau, Neubau und Neuprogrammierung von LSA notwendig“, beschreibt das Verkehrs- und Tiefbauamt seine Probleme, hier zeitnah tätig zu werden. Was ja auch heißt: Man hat die radfahrenden Schüler/-innen schon beim Bau der Lichtsignalanlage und der Gestaltung der Kreuzung völlig ignoriert. Ergebnis ist eine Kreuzungsgestaltung, die sich nur mit hohem Investitionsaufwand wieder ändern lässt.

    Der Floßplatz: vierspurig für den Kfz-Verkehr, aber kein Platz für Radfahrer. Foto: Ralf Julke
    Der Floßplatz: vierspurig für den Kfz-Verkehr, aber kein Platz für Radfahrer. Foto: Ralf Julke

    Keine Rücksicht auf die Räder mehr am Floßplatz

    Nr. 19: Der Floßplatz von der Dufourstraße bis zum Martin-Luther-Ring. Auch das eine mittlerweile Jahre alte Forderung des ADFC Leipzig, denn am Floßplatz selbst enden die Radstreifen erst einmal, auf denen Radfahrer/-innen aus dem Süden kommen. Wer weiter will bis zum Ring muss zwangsläufig in einen Mischverkehr, der hier auf Radfahrer keine große Rücksicht nimmt.

    Also fahren Radfahrer/-innen hier meistens auf den Fußwegen, während der Kfz-Verkehr zweispurig bis zum Ring geführt wird. Und da sich das auf der Harkortstraße auch nicht ändert, kann man auch entsprechend abenteuerliche Aktionen von Radfahrern beobachten, die hier entlang fahren und dann entscheiden müssen, ob sie nicht doch lieber zur Karli hochfahren, wo es Radverkehrsanlagen gibt, oder mit den Fußgängern versuchen, bis zur Beethovenstraße oder zum Ring zu kommen. Warum man keine Radstreifen aufbringt, begründet das VTA so: „LSA Anpassungen notwendig“.

    Karl-Heine-Straße vor der Einmündung der Erich-Zeigner-Allee. Foto: Marko Hofmann
    Karl-Heine-Straße vor der Einmündung der Erich-Zeigner-Allee. Foto: Marko Hofmann

    Ausflüchte der Stadtverwaltung

    Nr. 20: Die Karl-Heine-Straße zwischen Erich-Zeigner-Allee und Zschocherscher Straße. Auch hier gab es schon Anfragen an den Stadtrat und Ausflüchte der Stadtverwaltung. Es ist das einzige Stück auf der Karl-Heine-Straße, das noch keine Radfahrstreifen hat. Mit entsprechenden Überraschungen an beiden Enden. Hier ist die Begründung des VTA nicht wirklich verständlich: „Im bestehenden Querschnitt nicht möglich, da ÖPNV behindert würde.“

    Was wohl eher ins Reich der schönen Ausreden gehört. Denn die Karl-Heine-Straße weist vor der Erich-Zeigner-Allee und nach der Zschocherschen Straße dieselben Querschnitte aus und hat dort trotzdem Radstreifen. Und die Straßenbahn wäre gar nicht betroffen, sondern lediglich der Kfz-Verkehr auf der rechten Fahrspur.

    Nur um den geht es hier – und natürlich um die Aufmerksamkeit auf die (langsameren) Radfahrer/-innen, die hier einfach an den Rand gedrängt werden, weil „nicht genug Platz da ist“. Und das ausgerechnet vor einer Kreuzung, auf der ein großes Gleiskreuz sowieso schon für einige Schikanen für Radfahrer sorgt.

    Im Westen nichts Neues

    Nr. 21: Die Zschochersche Straße zwischen Karl-Heine-Straße und Lauchstädter Straße, also mitten im betriebsamen Herz von Plagwitz. Hier ist die Ausrede des VTA geradezu abenteuerlich, warum hier Radfahrstreifen nicht möglich sein sollen: „Zu viele gewerbliche Nutzungen.“ Was so nicht stimmt, denn darin unterscheidet sich die Zschochersche Straße nicht von anderen Leipziger Geschäftsstraßen wie etwa der Karli oder der Eisenbahnstraße.

    Tatsächlich liegt der Fehler hier wieder in den Planungen beim Umbau dieses Straßenabschnitts, in denen man Radverkehrsanlagen einfach mal weggelassen hat. Es sollte ja nur eine Vorzeigestraße für die EXPO 2000 werden. Mit möglichst vielen Stellplätzen rechts und links, sodass Radfahrer/-innen sowieso schon in die beängstigende Nähe der Straßenbahngleise gedrängt werden, wenn sie nicht sowieso schon dazwischen fahren.

    Ein echtes Leipziger Beispiel für einen Straßenumbau, bei dem nur Autofahrer mit am Tisch saßen, die nie auf die Idee kommen würden, von Lindenau nach Kleinzschocher mit dem Fahrrad zu fahren.

    Gleich drei alte Bekannte

    Freilich nur indirekt begegnen wir auch unserer Nr. 3, der Georg-Schumann-Straße, wieder. Doch hier hat das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) diesmal den weiter westlich gelegenen Abschnitt Slevogtstraße bis Annaberger Straße untersucht und zumindest keine Gründe gefunden, hier keine Radfahrstreifen anzulegen.

    Aber warum gibt es das Amt nicht einfach in Auftrag, wo es ja an Radfahrer/-innen von Möckern Richtung Wahren und umgekehr nicht fehlt? – Auch hier seien Anpassungen der Lichtsignalanlagen notwendig, meint das VTA. Was aber mit den Schaltungen eher weniger zu tun haben dürfte, als mit der simplen Anbringung von Ampeln für die Radfahrer/-innen, die sich ja jetzt schon nach den Phasenschaltungen für den Kfz-Verkehr richten müssen.

    Manchmal scheinen die Barrieren, Dinge einfach umzusetzen, im VTA erstaunlich hoch zu sein. Eine echte Problemstelle ist das eigentlich nicht, nur eine, an der Ausstattungen für den Radverkehr schlichtweg fehlen.

    Zwischen Rüdigerstraße und Emmausstraße. Foto: Martin Zinger
    Zwischen Rüdigerstraße und Emmausstraße. Foto: Martin Zinger

    Auch im Osten sieht es nicht besser aus

    Nr. 4: Die Problemstelle in der Wurzner zwischen  Rüdigerstraße bis Emmausstraße, wo Radfahrer/-innen sich zu recht fühlen wie im Testkanal, eingeklemmt zwischen Straßenbahnen und geparkten Autos. Hier ist – wie auch unter den anschließenden Eisenbahnbrücken – allein schon aus Sicherheitsgründen die Schaffung von Radfahrstreifen überfällig. Aber die Sicherheit von Radfahrer/-innen spielt im VTA noch immer nicht die wichtigste Geige.

    Noch immer sorgt man sich viel eher um die Parkplätze der Pkw-Besitzer. Denn die Ausrede, dass man hier nicht handelt, lautet diesmal: „Fehlende Ausweich-Stellplätze“. Was ja übersetzt heißt: Die Stadt fühlt sich dafür verantwortlich, Autobesitzern einen kostenlosen Parkplatz zur Verfügung stellen zu müssen. Und sei es auch auf Kosten der Sicherheit von Radfahrer/-innen. So sehr kann Denken auf dem Kopf stehen.

    Käthe-Kollwitz-Straße: Modernisierung zu erwarten

    Nr. 9: Die Käthe-Kollwitz-Straße zwischen Ferdinand-Lassalle-Straße und Westplatz. Die gesamte Straße muss sowieso spätestens in fünf Jahren saniert und modernisiert werden. Aber bis dahin sieht die Stadt hier keine Möglichkeit zu handeln. Was sie so begründet: „LSA-Anpassungen derzeit nicht im nötigen Umfang möglich, zu hohe Verkehrsstärke im Querverkehr“.

    Wirklichen Querverkehr gibt es eigentlich nur an der Marschnerstraße. Alles andere ist selbst organisierter Schnellverkehr auf vier Fahrspuren. Das Wörtchen „derzeit“ macht zumindest Hoffnung, dass man beim geplanten Umbau der Straße den Radverkehr dann mitdenkt und Radstreifen endlich durchgängig befahrbar macht.

    Denn am Westplatz und darüber hinaus redet niemand von zu viel Querverkehr, da gibt es einfach durchgehende Radfahrstreifen.

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