Die Herderstraße in Connewitz grenzt direkt an den Herderpark. Doch an den meisten Tagen merkt man das nicht. Da ist die Straße zugeparkt und Autofahrer brettern durch, um schnell mal abzukürzen. Obwohl sich die schmale Straße geradezu anbietet, sie als ruhigen Übergang zum Park und zum Spielplatz zu gestalten. Genauso war der Antrag von Stadtrat Thomas Kumbernuß angelegt.

Antrag: Tempo 10 in der Herderstraße

„Es wird bis spätestens Ende 2. Quartal 2022 geprüft, ob in der gesamten Herderstraße zwischen der Wolfgang-Heinze-Straße und der Biedermannstraße in Connewitz Tempo 10 angeordnet werden kann“, hatte der Stadtrat von Die PARTEI beantragt. Und: „Sofern die Prüfung zu einem positiven Ergebnis kommt, wird die Regelung spätestens im 3. Quartal 2022 umgesetzt.“

„Diese Nutzungen machen die Herderstraße trotz ihrer beinahe unscheinbare Größe zu einer stark frequentierten Straße. Die dort schon vorhandene Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h bietet den die Herderstraße Nutzenden allerdings keinen ausreichenden Schutz, weshalb ein Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf 10 km/h dringend geboten ist“, hatte er seinen Antrag begründet. „Auf beide Enden der Straße aufgebrachte Piktogramme der dann neuen Höchstgeschwindigkeit wäre äußerst wünschenswert!“

Keine Lust zum Umbauen

Doch das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) fand: Das ist nicht möglich. „Eine Anordnung von Tempo 10 bzw. eines verkehrsberuhigten Bereiches ist daher nicht möglich“, schrieb es einfach als Ergebnis seiner Überlegung, in der das Amt eigentlich Kumbernuß stillschweigend recht gab. Aber irgendwie hatte da mal wieder keiner Lust, die alte Straßengestaltung zu überdenken.

„Grundsätzlich sieht der Gesetzgeber die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit unter 30 km/h nur in bestimmten Ausnahmefällen vor. Für die beantragte Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h wäre die Anordnung eines verkehrsberuhigten Bereiches erforderlich. Dafür müssen bestimmte bauliche Voraussetzungen erfüllt sein, die dem Fahrzeugführer verdeutlichen, dass in diesem Bereich die Aufenthaltsfunktion überwiegt und der Fahrverkehr eine untergeordnete Bedeutung hat“, schreibt das VTA und bestätigt damit eigentlich das Anliegen von Kumbernuß.

Aber die Ablehnung wird dann genau damit begründet, dass die Straße eben nicht verkehrsberuhigt ist: „In der Herderstraße ist die für die Ausweisung eines verkehrsberuhigten Bereiches erforderliche bauliche Gestaltung nicht vorhanden. Sie ist Bestandteil des Sanierungsgebietes ‚Connewitz-Biedermannstraße‘ und wurde mit Fördermitteln des Amtes für Wohnungsbau und Stadterneuerung 2001 umgebaut. Die Fahrbahn wurde in Asphalt und die Stellflächen mit Pflaster hergestellt. Neben der Anordnung von Baumtoren (incl. Gehwegnasen) wurden im Bereich der 3 Parkzugänge auf beiden Fahrbahnseiten die Gehwegbereiche vorgezogen, sodass die Fahrbahn besser einsehbar ist.

Der südlich am Park anliegende, ansonsten sehr schmale gepflasterte Bereich ist kein Gehweg, sondern dient als Sicherheitsstreifen zur Einhaltung des Lichtraumprofils für parkende Pkws. Die Zuwegung zum Park und Spielplatz erfolgt über den nördlichen Gehweg und die Überwege an den Parkzugängen. Ein erneuter Umbau der Herderstraße ist derzeit nicht vorgesehen.“

Ein paar Umbauten können die Verkehrsberuhigung herstellen

Was dann bei der SPD-Fraktion für Stirnrunzeln sorgte. Denn man muss eine Straße nicht komplett umbauen, damit sie verkehrsberuhigt wird. Was das VTA da als Begründung vorbrachte, war nicht mehr als eine faule Ausrede, nicht tätig werden zu wollen.

Und so schreibt die SPD-Fraktion in ihrem Änderungsantrag kurz und trocken: „Die Herderstraße wird durch bauliche Maßnahmen zur faktischen verkehrsberuhigten Zone umgestaltet. Es werden zusätzliche Sitzmöglichkeiten, Raum für einen Freisitz, Platz für Hochbeete und Fahrradbügel geschaffen. Ein entsprechendes Konzept, auch auf Grundlage des Stadtratsbeschlusses zu Schanigärten wird bis Ende 2022 vorgelegt.“

Denn dass ein kompletter Straßenausbau nötig wäre, ist ein Märchen. Und was sich die Anwohner wünschen, wenn es um die Nutzung der Straßen geht (außer zum Parken von Automobilen), weiß Leipzigs Stadtverwaltung inzwischen auch. Worauf will also das VTA noch warten, bevor es beginnt, die Aufenthaltsqualität in Leipzigs Straßen zu erhöhen?

„Die Stadtverwaltung schätzt ein, dass eine Tempo-10-Zone in der Straße nicht angeordnet werden kann“, stellt die SPD-Fraktion deshalb noch einmal deutlich fest. „Durch bauliche Maßnahmen kann aber der identische Effekt erzielt werden, wie ihn der Antragsteller intendiert. Gleichzeitig erhöht sich durch diese Maßnahme die Aufenthaltsqualität und die Stadtverwaltung kann anhand dieser relativ kurzen Straße Erfahrungen sammeln, wie Straßenräume in Anliegerstraßen zukunftsfähig und nachhaltig neu aufgeteilt werden können.“

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Wäre es nicht eine Möglichkeit, die Straße zu einer Sackgasse umzugestalten (auf einer Seite abpollern)? Ich fahre dort selten durch und frage mich, woher die Verkehrsströme hauptsächlich kommen. Nur Anlieger werden es ja wohl kaum sein.

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