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Gleichstellungsbeirat: Frauen sollen frühzeitig mitreden dürfen beim „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“

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    Am Matthäikirchhof soll ja künftig ein „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ entstehen. Das eigentlich ein Forum für Bürger/-innenrechte sein sollte. Denn die Emanzipationsbewegung in Deutschland hat immer auch eine weibliche Seite gehabt, auch wenn das die Männer nur zu gern vergessen. Daran erinnert jetzt ein Antrag des Gleichstellungsbeirats.

    Denn die Erfahrungen zeigen ja, wenn Frauen nicht frühzeitig bei den Weichenstellungen dabei sind, wird ihr Teil der Emanzipation wieder zum Feigenblättchen, irgendwo noch mit hineingequetscht, aber nicht als Grundbedingung begriffen, dass Demokratie und Gleichberechtigung wirklich gelebt werden.Der Leipziger Gleichstellungsbeirat hat deshalb einen Antrag an die Ratsversammlung gerichtet: „Die Perspektiven von Geschlechtergerechtigkeit sowie eine erweiterte Sichtweise auf Demokratie werden bei der weiteren Planung des ,Forums für Freiheit und Bürgerrechte‘ angemessen und in allen Bereichen berücksichtigt.“

    Zu diesem Zweck wollen sich Frauen auch aktiv einbringen. Daher möchte der Gleichstellungsbeirat, dass der Arbeitskreis „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“, der momentan aus fünf gesellschaftlichen Akteuren besteht, um eine weitere Akteurin aus dem Bereich Geschlechtergerechtigkeit erweitert wird.

    Die Vorsitzende des Beirats für Gleichstellung von Frau und Mann, Beate Ehms, erklärt dazu: „Nur mit einem geschlechtergerechten Ansatz lässt sich das Vorhaben ,Forum für Freiheit und Rechte von Bürgerinnen und Bürgern‘ in einem zukunftsweisenden Demokratie-Kontext realisieren. Demokratie und Gleichberechtigung aller Menschen bedingen einander.

    Die Entwicklung zum geplanten Forum tangiert vielfältige Perspektiven und Prozesse der historischen Demokratie-Entwicklung in der Stadt. Leipzig ist aufgrund der demokratisch organisierten Frauen- und Freiheitsbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert ein Ort mit besonderer Bedeutung für die Entstehung und das Bestehen der Demokratie in Deutschland.“

    Schon im November 2020 haben der Frauenkultur e.V. Leipzig und die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft Leipzig e. V. ein Positionspapier „Demokratie und Gleichberechtigung aller Menschen bedingen einander. Erweiterte Entwicklungsperspektiven für das ,Forum für Freiheit und Bürger/-innenrechte‘“ vorgelegt, das genau dieses Thema benennt. Auch in der Erinnerung an die Friedliche Revolution in Leipzig wird ja nur zu gern der Anteil der Frauen vergessen. Dabei ist Leipzig seit über 150 Jahren die Stadt gewesen, wo die Frauenbewegung einst ihre Zentren hatte.

    Daran erinnert auch der Antrag: „In der Zeit des Vormärz und der Deutschen Revolution von 1848/49 sowie von 1989 bis zu den ersten demokratischen Wahlen in der DDR 1990 und darüber hinaus gestalteten Frauen und Männer die damalige Gesellschaftsbewegung. Frauen waren an den Runden Tischen wie bei den Demonstrationen ebenso ,in der ersten Reihe‘.

    Sie beteiligten sich unmittelbar und direkt an allen politischen Entscheidungen. 1989 gründete sich die Fraueninitiative Leipzig (FIL), die Mitglied des Unabhängigen Frauenverbands (UFV) wurde. Der UFV trat 1990 bei den ersten freien Volkskammerwah­len der DDR und zu den Wahlen des Deutschen Bundestags 1990 an. Bei der Leipziger Stadtratswahl 1990 ging ein Stadtratsmandat an die Leipziger Fraueninitiative.“

    Was dem Anteil der Frauen an der Friedlichen Revolution nicht im Geringsten gerecht wurde. Doch patriarchale Strukturen sind zählebig. Sie sitzen in den Köpfen nicht nur der Männer. Gerade die patriarchalen Strukturen, die nach 1990 wieder etabliert wurden, bremsten die Emanzipationsbewegung im Osten massiv aus und verzerren auch die Demokratie – bis hin zur massiven Einflussnahme von Männern in wirtschaftlichen und Verbandsstrukturen, die „von außen“ ihren Einfluss auf Verwaltung und Politik ausüben.

    Doch das wird als so „normal“ empfunden, dass es kaum wahrgenommen wird. Der Gleichstellungsbeirat stellt deshalb auch fest: „Demokratie und Gleichberechtigung aller Menschen bedingen einander.“

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