7.4 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Der Stadtrat tagte: Grüne Welle Antrag der AfD-wegen Unnötigkeit abgelehnt + Video

Mehr zum Thema

Mehr

    Nicht nur der gemeinsame Antrag von Grünen, Linken und SPD zur Einrichtung von Modellprojekten für flächendeckendes Tempo 30 wurde am 24. März in der digitalen Ratsversammlung abgestimmt, auch der AfD-Antrag „Grüne Welle für Kraftfahrzeuge auf Hauptverkehrsachsen“ kam zur Abstimmung. Dabei hatte die Verwaltung so schön erklärt, dass es in einer realen Stadt praktisch nicht machbar ist, Grüne Wellen sicherzustellen.

    Dazu sind viel zu viele Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlichsten Zielen, Geschwindigkeiten und Erwartungen unterwegs. Das Straßenraster ist alles andere als „quadratisch, praktisch, gut“. Spätestens an den großen Kreuzungen ist ein stetiger Geradeaus-Fluss nicht mehr zu gewährleisten.Was natürlich Autofahrer dann als „sinnloses“ Warten an Ampelkreuzungen erleben, geradezu als persönliche Beleidigung, weil sie nicht einfach zügig durchfahren können. Und nur allzu begierig greifen sie dann so dubiose Statistiken auf, wie sie die us-amerikanische Firma INRIX gerade wieder veröffentlichte, die es fertiggebracht hat, aus einem nicht verifizierbaren Datenpool heraus Leipzig zur Nr. 5 unter den Staustädten in Deutschland zu erklären.

    Eine Meldung, die einerseits natürlich davon erzählt, welch seltsame Firmen so alles seltsame Meldungen in die Welt lancieren, und zum anderen von dem Bedürfnis auch einer autofahrenden Minderheit, sich aus solchen Meldungen neue Argumente für Autopolitik zu machen. Zum Beispiel im Kampf um „Grüne Wellen“.

    So wie am 24. März der Gas-Wasser-Installateur Tobias Keller, der für die AfD-Fraktion den Antrag einbrachte und meinte, dem Leipziger Verkehrsdezernat Widersprüchlichkeit vorwerfen zu müssen, weil das ja behauptet habe, es bemühe sich ja um stetige Verkehrsflüsse, andererseits aber feststellte, dass Grüne Wellen auf den Hauptachsen in Leipzig schlicht an der Realität scheitern.

    Die Leipziger Verkehrsplaner nehmen ja zumindest wahr, dass da auf allen kreuzenden Straßen auch noch hunderte Verkehrsteilnehmer darauf warten, endlich die Hauptachse queren zu können oder einbiegen zu dürfen. Leipzigs Straßennetz besteht nun einmal nicht nur aus schnurgeraden Hauptachsen, die alle aufs Zentrum zulaufen, sondern auch aus allerlei Querverbindungen, auf denen eilige Klempnermeister ebenso genervt an Ampeln stehen, weil nun ausgerechnet ihre Straße wieder keine Grüne Welle hat.

    Etliche der von Keller vorgebrachten Argumente hatte er schon in seiner Rede gegen den Tempo-30-Modellversuch vorgebracht. Das lag ja gerade erst einen Tagesordnungspunkt zurück. Jetzt fühlten sich die anderen Ratsmitglieder nicht einmal mehr bemüßigt, auf seinen Beitrag einzugehen.

    OBM Burkhard Jung brachte es wohl auf den Punkt, als er sagte, dass der Antrag vollkommen unnötig sein, „weil schon in diesem Sinne gehandelt werde“. Er hätte auch sagen können: Weil es schon des Öfteren in der Vergangenheit solche Anträge gab und sie alle an der Wirklichkeit einer komplexen Stadt scheiterten.

    Das Abstimmungsergebnis machte dann einmal mehr deutlich, wie sehr gerade zwei Fraktionen im Stadtrat an der alten Autofahrer-Illusion festhalten, es müsse doch möglich sein, für Autos schnurgerade Grüne Wellen zu programmieren.

    22 Stadträt/-innen stimmten für den Antrag der AfD-Fraktion. Aber 40 stimmten dagegen. „Abgelehnt“, sagte denn auch Burkhard Jung. Die Zeiten, dass das Auto in Leipzig auch nur in Abstimmungen eine derartige Priorität bekommt, sind vorbei.

    Die Debatte vom 24. März 2021 im Stadtrat

    Video: Livestream der Stadt Leipzig

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Topthemen

    2 KOMMENTARE

    1. Habe mir mal die Mühe gemacht und den Antrag von Herrn Keller angesehen/gehört mal vom Inhalt abgesehen, der Hintergrund ist ja mal voll crazy. Nicht nur das da Ordner stehen die ALLE weiße unbeschriebene Label haben nein die wurden auch noch in SchwarzRotGold hingestellt. Und unterste Reihe natürlich DeppenBlau, aber nur soweit man sie sieht hinter dem Herrn wurden dann einfache weiße genommen. Blöd ist nur das er sich bei seiner Rede ebend bewegt und man Sie so sieht.
      Also wer bei seine nächsten Zoomkonferenz mal ein Hintergrund mit stupiden aber einfachen Botschaften braucht die auch noch der letzte **** versteht – bitte schön da kan man ja mal abkupfern.
      Grüße

    2. Es kann keine grünen Wellen für alle Verkehrsteilnehmer einer Straße geben, da sie unterschiedlich schnell unterwegs sind, das ist klar. Aber man kann diese grünen Wellen natürlich für einen festzulegenden Teilnehmer einrichten.
      Dies ist der zweite Artikel der mir auffällt, in dem behauptet wird, in „realen“ Städten könne es diese Art der Verkehrsoptimierung gar nicht geben. Beim letzten Artikel dieser Art hatte ich einige Links aus anderen Städten gepostet, wo es diese grünen Wellen sehrwohl gibt. Solche für Autos, solche für Straßenbahnen. Da ist wohl auch etwas Konzentration auf die eigene Weltsicht beim Autor vorhanden…
      Nun spielt hier noch der Beruf des Antragstellers im Stadtrats eine Nebenrolle im Artikel. Schon erstaunlich.

      Autosicht:
      – Wer auf der Pfaffendorfer vom Zoo kommend bei grün mit etwa 30-40 km/h Richtung „Runde Ecke“ fährt, der erhält dort ankommend grün Richtung links. Seit Jahren.
      – Wer am Leuschnerplatz links in den Petersteinweg einbiegt, bekommt reproduzierbar gerade noch so grün an der Stadtbibliothek für „geradeaus“.
      – stadteinwärts auf der Rackwitzer Straße auf die Brandenburger Brücke zufahrend ist die Ampel auf dem Brückenkopf für „rechts“ immer grün, wenn die vorherige Ampel für „links“ grün war (schwer jetzt die genaue Position zu beschreiben).

      Das waren nur drei Beispiele, bei denen Ampeln in irgendeiner Form aufeinander abgestimmt oder verkettet sind. In der realen Stadt Leipzig. Dass das so nicht auf der Karli geht, und vermutlich auch nicht ohne weiteres auf der Prager Straße, mag ja stimmen. Aber für die Bahn auf diesen Strecken könnte man es doch mal untersuchen. Oder für Autos auf der B2 stadtauswärts, wenn ich da an die Ampelfolge vor dem BVG, den zweien am Floßplatz und der an der Gabelung August-Bebel-Straße denke.

      Im Video zur Stadtratssitzung zum Thema „Tempo 30“ wurde die Aufforderung zur „ideologiefreien Verkehrsoptimierung“ (leider frei zitiert) laut. Genau das würde ich mir an dieser Stelle wünschen. Gern für reale Städte…

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ