LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelEinen 10. Vereins-Geburtstag stellt man sich schon ziemlich toll vor: Party-Hütchen, Luftschlangen und immer eine handbreit Sekt im Glas. Viele Gäste, beschwingte Festreden und der verklärte Blick auf die zurückliegenden Jahre. Auf all das mussten die Icefighters Leipzig in diesem Jahr leider verzichten. Corona und der ungewisse Blick in die Zukunft sprengten die schönsten Party-Pläne.

Doch irgendwie passt dieses Szenario ganz gut zur Geschichte der Leipziger Eishockey-Recken, die dem „Fighters“ in ihrem Namen immer und immer wieder alle Ehre machten. Vor zwei Jahren zog der Eishockey-Tross unter großem Jubel vom Zelt in Taucha endlich wieder zurück nach Leipzig – in den Kohlrabizirkus – ehrgeizige Ziele inklusive.

Doch es dauerte gar nicht lange, bis es zwischen dem Eigentümer – der Vicus Group AG – sowie dem Hauptmieter und Betreiber – der Eisarena Leipzig GmbH – zum handfesten Streit kam (LZ 81 vom 31.07.2020 berichtete). Bereits am 3. Juli 2019 wurde das Mietverhältnis fristlos gekündigt. Am 19. März 2020 verriegelte Vicus schließlich die Tore und sprach allen Mietern und Untermietern ein Hausverbot aus.

Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 84, Ausgabe Oktober 2020. Foto: Screen LZ
Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 84, Ausgabe Oktober 2020. Foto: Screen LZ

Das waren so gar keine guten Nachrichten im Hinblick auf die bevorstehende Oberliga-Saison der Icefighters. Denn das Thema der fehlenden Spielstätte fiel ihnen im Zulassungsverfahren gehörig auf die Schlittschuhe. Am 8. Juli teilte der Deutsche Eishockeybund (DEB) den Leipzigern mit, dass sie – vor allem deshalb – vorerst keine Zulassung für das kommende Spieljahr erhalten.

Der weitere Verlauf im Schnelldurchgang: Am 21. Juli legten die Icefighters Widerspruch gegen diesen Bescheid ein. Am 20. August kam es zur mündlichen Verhandlung vor dem Spielgericht in München. Dort wurden Auflagen erteilt und die endgültige Entscheidung vertagt. Zur gesetzten Frist am 4. September lieferten die Icefighters die nachgeforderten Unterlagen ein.

Dem Schiedsgericht war das noch zu wenig. Am 14. September räumte es vier Tage Nachreichungsfrist ein. Diese wurde entsprechend genutzt, sodass am 24. September mit dem DEB ein Vergleich bzgl. der Zulassung zur Oberliga-Saison abgeschlossen werden konnte. Im Mittelpunkt nach wie vor: Die Spielstätte. Bis Ende des Monats mussten Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Das gelang. Am 1. Oktober vermeldeten die Icefighters offiziell den Abschluss eines Mietvertrages für den Kohlrabizirkus. Gemeinsam mit Vicus und der Stadt Leipzig wurde eine Lösung gefunden. Zunächst jedoch nur für ein Jahr. Die Icefighters sind dabei selbst der Hallenbetreiber. Ziel ist es, möglichst frühzeitig eine längerfristige Lösung zu finden.

Dafür haben die Leipziger die Verantwortung nun auf mehrere Schultern verteilt, die Zahl der Gesellschafter ist auf 7 angewachsen. Ganz vorn mit dabei ist auch Headcoach Sven Gerike. Dafür zieht sich Urgestein André Krüll demnächst nach 10 Jahren als Geschäftsführer zurück.

Mit großem Engagement wird derzeit die Halle für den Spielbetrieb hergerichtet. Zum Saisonstart am 6. November (siehe „Sport vor Ort“) soll alles bereit sein. Die Zeit bis dahin ist kurz, und Corona hängt wie ein Damoklesschwert über dem Ganzen. Der Kampf für die Icefighters scheint also noch längst nicht zu Ende.

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