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Zwischen WM-Absage und Neuanfang: Wie der Dragons Club Leipzig durch die Pandemie paddelt

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    Die Floskel „Wir sitzen alle in einem Boot“ ist beim Dragons Club Leipzig alles andere als nur ein Spruch. Denn in dem Drachenboot-Team schwingen im Wettkampf gleich 20 Sportler/-innen gemeinsam die Paddel, um das zwölfeinhalb Meter lange Gefährt möglichst zeitnah über den Zielstrich zu manövrieren.

    Was von einigen Teams mit lustigen Verkleidungen als Spaß-an-der-Freude-Event zelebriert wird, wollen die ehrgeizigen Leipziger/-innen lieber auf einem sportlich ambitionierten Niveau betreiben. Um diese Philosophie auch perspektivisch umsetzen zu können, haben die Dragons ihren bisherigen Verein SG LVB verlassen und sind nach einigem Suchen per Jahresbeginn beim Leipziger-Kanu-Club (LKC) untergekommen. „Wir wollen kein reines Spaßteam sein und haben beim LKC als Olympiastützpunkt die sportliche Unterstützung vom ganzen Verein, damit wir weiterhin auf einem hohen Niveau trainieren können“, begründet Dragons-Schlagfrau und -Pressesprecherin Steffi Schneider diesen Wechsel. „Wir haben hier perfekte Trainingsbedingungen: Es gibt Kraft- und Athletikräume für unser Wintertraining. Es ist ein abgeschlossenes Gelände, zentrumsnah und mit einem tollen Zugang zum Wasser. Mehr brauchen wir gar nicht.“

    Nicht alle Mitglieder des bisherigen Dragons-Teams wollten diesen Schritt in Richtung erfolgsorientierter Sport mitgehen, wodurch von den teilweise bis zu 60 Leuten aktuell nur noch etwa 35 übrig geblieben sind. Trainer Bastian Mörstedt bezeichnet diese Reduzierung als ein „Gesundschrumpfen“. Er war es, der vor knapp fünf Jahren den Grundstein für den Dragons Club Leipzig legte.

    „Ich bin damals aus meinem alten Team in Friedersdorf ausgestiegen, weil das doch etwas weitab vom Schuss war“, verrät er im Interview mit der LZ. „Dann habe ich geschaut, ob ich in Leipzig selbst etwas aufbauen kann und habe bei der SG LVB angefragt, die schon ein kleines Team hatten, das eher spaßmäßig gepaddelt ist. Ich habe den Steuermann Sten gefragt, ob wir es zusammen versuchen wollen, und so haben wir ins Blaue hinein am 28. April 2016 unsere Facebook-Seite online gestellt, auf der wir unseren Start bekannt gaben. Innerhalb kürzester Zeit konnten wir viele neue Leute gewinnen, die manchmal wirklich zum ersten Mal ein Paddel in der Hand hatten. Von da an sind wir stetig gewachsen.“

    Und auch der sportliche Erfolg stellte sich schnell ein. Im Jahr 2019 gewannen die Leipziger/-innen souverän die 3. Liga und stiegen somit in die 2. Bundesliga auf. Bereits im Frühjahr hatten sie sich erstmals für eine Teilnahme an der Langstrecken-DM angemeldet. „Das war echt ein großer Erfolg, denn wir sind auf Anhieb Fünfter geworden“, ist Steffi Schneider auch heute noch begeistert.

    Die neue „Leipziger Zeitung (LZ)“, VÖ 26.02.2021
    Die neue „Leipziger Zeitung (LZ)“, VÖ 26.02.2021

    „Wir waren wirklich angespannt, da das für uns das erste Großereignis war, bei dem es richtig auf etwas ankam. Am Ende waren wir sehr glücklich darüber, uns bewiesen zu haben, dass wir es können, auch wenn es noch viel zu verbessern gibt.“ Im Drachenboot-Sport spielt die Ligazugehörigkeit formell keine Rolle. Jedes Team kann frei entscheiden, in welcher Liga bzw. auf welchem Niveau es mitmischen möchte.

    Genauso verhält es sich mit der Teilnahme an Deutschen Meisterschaften – wer sich als ausreichend leistungsstark empfindet, darf mitmachen. Das erklärt auch, warum die Dragons 2019 als damals noch 3. Liga-Team überhaupt bei der DM teilnehmen konnten und sich durch die überraschend gute Platzierung zudem sogar für die Weltmeisterschaft der Clubteams qualifizierte.

    Diese sollte im August 2020 in Frankreich stattfinden und die Vorfreude des Leipziger Teams war riesig. Doch Corona ließ den WM-Traum platzen. „Das war echt hart“, gesteht Schneider. „Die WM war für uns das absolute Highlight. Wir hatten es in kürzester Zeit geschafft, uns so gut zu entwickeln, dass wir uns sogar für eine WM qualifizieren konnten, um mit den besten Teams der ganzen Welt in Frankreich zu paddeln. Wir wollten uns so gut wie möglich darauf vorbereiten, wollten alles in die Waagschale werfen, auch wenn wir wussten, dass wir nicht um die Platzierungen mitgefahren wären, denn so weit sind wir einfach noch nicht.“

    Der sportliche Vergleich mit der Weltelite rückt somit in unbestimmte Ferne. Das liegt zum einen daran, dass es die WM nur alle zwei Jahre gibt. Außerdem wird sie so schnell sicherlich nicht wieder in Europa ausgerichtet werden, was den Leipziger/-innen eine Teilnahme fast unmöglich macht. „Wir finanzieren das ja alles privat und könnten es uns nicht leisten, zu einer WM nach Kanada oder Thailand zu fliegen“, erklärt Schneider.

    „Frankreich wäre für alle machbar gewesen, mit Fahrgemeinschaften und Übernachtung auf dem Zeltplatz. Doch nun müssen wir warten, bis wir uns irgendwann wieder für eine WM qualifizieren können, die in Europa stattfindet.“

    Der Dragons Club Leipzig in voller Aktion. Foto: Wakenitzdrachen
    Der Dragons Club Leipzig in voller Aktion. Foto: Wakenitzdrachen

    Doch auch wenn dieser Rückschlag und das momentan nur virtuell mögliche Training arg an der Motivation zehren, richten die Dragons den Blick weiterhin nach vorn. Erst vor wenigen Tagen konnten sie eine Crowdfunding-Aktion erfolgreich abschließen. Diese brachte 5.100 Euro ein, die das Team in die Anschaffung eines Outrigger investieren will.

    Dabei handelt es sich um ein Auslegerboot für eine Einzelperson, um auch in Coronazeiten zumindest das Wassergefühl nicht zu verlieren. Denn dass diesen Sommer der Liga-Betrieb wieder halbwegs regulär aufgenommen werden kann, glaubt Steffi Schneider aufgrund der großen Bootsbesatzungen eher nicht. „Wir wären schon froh, wenn dieses Jahr überhaupt irgendwo ein Rennen stattfinden kann.“

    „Zwischen WM-Absage und Neuanfang: Wie der Dragons Club Leipzig durch die Pandemie paddelt“ erschien erstmals am 26. Februar 2021 in der aktuellen Printausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG. Unsere Nummer 88 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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