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Gewässerqualität

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Eingezwängt in 100 Jahre alte Stützmauern: die Parthe. Foto: Ralf Julke

Der Löwenanteil sächsischer Fließgewässer ist bis 2027 in keinem guten Zustand – auch nicht in Leipzig

Was 150 Jahre Industriezeitalter mit Sachsens Flüssen gemacht haben, das lässt sich nicht in wenigen Jahren reparieren. Es ist eine Generationenaufgabe, die Flüsse wieder zu sauberen, artenreichen Fließgewässern zu machen. Das sächsische Umweltministerium spricht zwar tapfer von einem „extrem hohen Handlungsbedarf“, wenn die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 erreicht werden sollen. Aber das „extrem hoch“ […]

Beispiel für einen kanalisierten, naturfernen Fluss: die Parthe. Foto: Ralf Julke

Gesunde Flüsse sehen anders aus: Das Integrierte Gewässerkonzept von 2004 gehört in den Papierkorb

Wer bezahlt am Ende die Rechnung dafür, dass in Sachsen in den vergangenen 10, 15 Jahren viel zu wenig getan wurde, um die Gewässer wieder in einen gesunden und naturnahen Zustand zu versetzen? Die Staatsregierung, die das Thema Auenrevitalisierung immer wieder verschoben hat? Kommunen wie die Stadt Leipzig, die ihrerseits an völlig überholten Konzepten festgehalten hat, die schon bei der Beschlussfassung 2004 inakzeptabel waren?

Das Elsterbecken: Lieber nicht drin baden. Foto: Ralf Julke

Sie werden noch ewig nicht in Leipziger Flüssen bedenkenlos baden können

Noch in den 1920er Jahren badeten die Leipziger im gerade frisch gebauten Elsterbecken. Zuvor gab es jahrzehntelang Flussbadeanstalten an der Parthe, der Pleiße und dem Pleißemühlgraben. Doch in den 1930er Jahren endete der Spaß, weil sich die Flüsse in schaumgekrönte Kloaken der Industrie verwandelten. Wann kann man endlich wieder in Leipziger Flüssen baden? Das war eigentlich die hoffnungsvolle Frage hinter einer Einwohneranfrage zum Stand der Dinge.

Probenahme am Fluss. Foto: André Künzelmann/UFZ

Weltwassertag am 22. März 2020: Wie ist es um die Wasserqualität in Deutschland bestellt?

Am 22. März rufen die Vereinten Nationen alljährlich den Weltwasserstag aus. "Wasser und Klimawandel" heißt das Motto in diesem Jahr. Es soll darauf aufmerksam machen, wie eng die Themen Wasser, Natur und Klimawandel miteinander verbunden sind. Doch wie ist es 2020 um die Wasserqualität in Deutschland bestellt? Welche Quellen sorgen für Verschmutzung? Welche Folgen haben menschliche Einflüsse? Wie kann der ökologische Zustand unserer Gewässer verbessert werden? Vier Fragen - vier kurze Antworten der UFZ-Wasserexperten Dietrich Borchardt, Markus Weitere und Karsten Rinke.

Schaum auf der Pleiße am Connewitzer Wehr. Foto: Ralf Julke

Nur 10 Prozent der Gewässer in Deutschland sind in einem guten Zustand

Nein, nicht nur in Sachsen glänzten die verantwortlichen Ministerien und Behörden jahrelang durch Untätigkeit. Die Null-Politik zur Reinhaltung der Gewässer galt genauso in anderen Bundesländern und auf Bundesebene. Das Ergebnis: Die Wasserqualität hat sich aufgrund hoher Belastungen nicht verbessert. Und zum Weltwassertag am 22. März stellen Leipziger Umweltforscher der deutschen Umweltpolitik ein ganz schlechtes Zeugnis aus.

Staatsminister Thomas Schmidt. Foto: SMUL/Foto-Atelier-Klemm

Sachsens Gewässer besser als ihr Ruf – 15. Sächsische Gewässertage laden zu Information und Diskurs ein

Rund um die Qualität und auch die zerstörerische Kraft der sächsischen Gewässer geht es kommenden Dienstag (27. November 2018) in Dresden. Um 10.00 Uhr werden im Haus der Kirche (Dreikönigskirche, Hauptstraße 23) die 15. Sächsischen Gewässertage eröffnet. Themenschwerpunkte der Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) organisiert wird, werden die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und das Hochwasserrisikomanagement im Freistaat Sachsen sein.

Auch der Elstermühlgraben kommt über die Note 5 nicht hinaus. Foto: Ralf Julke

Mit seiner falschen Wasserpolitik bekommt Sachsen jetzt die schlechtesten Noten aller Bundesländer

Wer jahrelang zur Verbesserung der Wasserqualität in den Flüssen nichts tut, der bekommt irgendwann die Rechnung. Und Sachsen hat nichts getan, hat sich ausgeruht auf der Erwartung, die Gewässergüte würde sich schon irgendwie von allein verbessern. Aber eine Auswertung des WWF zeigt jetzt: Mit dieser Geht-mich-nichts-an-Politik hat Sachsen nun die Gewässer mit der miesesten Wasserqualität in ganz Deutschland.

Note 5: Weiße Elster bei Lützschena. Foto: Ralf Julke

96 Prozent der Flüsse und Seen Sachsens gelten nach wie vor als heillos verschmutzt und lebensarm

Was passiert eigentlich, wenn gewählte Minister im Amt überhaupt nicht dran denken, Zielvorgaben ernst zu nehmen und die Dinge zu verändern? So wie die sächsischen Landwirtschaftsminister, die ja auch für die Gewässerqualität in Sachsens Flüssen zuständig sind? Nichts passiert. Die Flüsse bleiben giftbelastet. Und das schöne Versprechen bleibt eine Blase. Nicht nur in Leipzig sind die Flüsse ein schäumender Zutatencocktail.

Der Bagger 2016 - hier noch mit klarem Wasser. Foto: Ralf Julke

Sind die Überdüngungen in der Landwirtschaft Ursache für die Blaualgen-Pest in Thekla?

“Mehr Blaualgen im ‚Bagger‘ – bitte nicht baden“, wiederholte das Leipziger Gesundheitsamt im Juni seine Warnung aus dem Mai. Dem Naturbad Nordost geht es nicht gut. Hellgrüne Teppiche schwimmen im Wasser. Und wer in dieses Wasser steigt, spielt mit seinem Leben. Aber so richtig erklärt, warum der See jetzt unter Cyanobakterien leidet, hat das Gesundheitsamt dabei nicht. Das sollte aber schleunigst geklärt werden, finden die Grünen.

Weiße Elster bei Möckern. Foto: Ralf Julke

Wasserkraftbetreiber sind gerettet, doch eine Lösung für die schlechte Gewässerqualität in Sachsen ist noch immer nicht gefunden

Das hat mal richtig gekracht im Sächsischen Landtag am Mittwoch, 22. Juni. Nach drei Jahren war die einst von CDU und FDP eingeführte Wasserentnahmegebühr für Wasserkraftbetreiber Geschichte. Drei Jahre lang hat man mit dieser Gebühr die Wasserkraftbetreiber unter Druck gesetzt und in existenzielle Nöte gebracht. Der Punkt geht natürlich an die SPD, die sich diese Rücknahme eines Sinnlos-Gesetzes zur Aufgabe gemacht hatte.

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