In einer Zeit, in der es diese Grünen als Partei noch nicht gab und in der Friedrich Merz, Katherina Reiche und Markus Söder noch nicht geboren waren also im Jahre 1946 saß ein Mann am Schreibtisch und schrieb die folgenden Worte:
„Kaum unwichtiger als bei der Ernährung ist die regionale Autarkie bei der Energieversorgung für Industrie, Landwirtschaft und Transport. Einer der Gründe für die letzten Kriege war der internationale Wettstreit um die lokalen Ölvorkommen: das Positionsgerangel im Nahen Osten, wo alle verbleibenden Großmächte Ansprüche auf persisches, mesopotamisches und arabisches Öl anmelden, lässt für die Zukunft nichts Gutes erwarten.“
Die Zukunft, für die Aldous Huxley in seinem Essay „Zeit der Oligarchen“ nichts Gutes erwartete, war während der Ölkrisen von 1973, 1978 und ist jetzt. Warum sind nur alle erstaunt über extreme Preissteigerungen für fossile Energieträger und über deren begrenzte Verfügbarkeit?
Ach ja die Preise, das Problem ist ja völlig neu. In einer vor, im galaktischen Maßstab, kurzen Zeit sprach ein SPD-Politiker folgende Worte:
„Es ist sehr zu begrüßen, daß das Bundeswirtschaftsministerium über die Landeswirtschaftsminister mit den Landeskartellämtern bereits eine breite Aktion zur Überprüfung der Kalkulationsgrundlagen in der Mineralölindustrie eingeleitet hat. So richtig es ist, Höchstpreisfestsetzungen wegen der möglichen Verdrängung des Öls vom deutschen Markt zu problematisieren, so richtig und notwendig ist es auch, genau hinzusehen, wer im Bereich der Mineralölwirtschaft ohne zwingenden Kalkulationsgrund einen Engpaß auf dem Markt rigoros zu Lasten der wirtschaftlich Schwächeren ausgenutzt hat.“
Ja, das war Dr. Ehrenberg, Abgeordneter der SPD, bei der 67. Sitzung des Deutschen Bundestages am 29. November 1973. Wie gesagt vor kurzem.
Wurde das durchgeführt? Auf jeden Fall gab es keine dauerhafte Lösung, denn 2026 heißt es im „Kraftstoffmaßnahmenpaket der Koalition“: „Dem Bundeskartellamt soll ermöglicht werden, einfacher gegen marktbeherrschende Unternehmen aus dem Kraftstoffbereich vorzugehen, wenn Hinweise auf unangemessen hohe Preise vorliegen. Bei stark steigenden Preisen soll künftig die Beweislast umgekehrt werden, was bedeutet, dass Unternehmen darlegen müssen, dass ihre Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt seien.“
Wenn man überlegt, dass es 53 Jahre gedauert hat, kann man es kaum als Fortschritt, oder wie Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) betonte: „Die Koalition handelt!“, bezeichnen.
Aber gehen wir zurück auf das Jahr 1946, also läppische 80 Jahre vor der aktuellen Krise. Huxley schreibt dort, im Zusammenhang mit den Beschränkungen der Energieerzeugung durch Wasserkraft:
„Doch auf den Ebenen, auf denen das Wasser meist still steht, gibt es oft starke und verlässliche Luftströmungen. Seit Jahrhunderten drehen sich dort kleine Windmühlen, doch der Einsatz großer Windturbinen befindet sich seltsamerweise noch in der Experimentierphase.“
80 Jahre später gibt es funktionierende Windkraftanlagen an Land und auf See, die ständig effektiv Strom erzeugen. Die Experimentierphase ist längst vorbei, die Entwicklung schreitet immer weiter fort, aber politische Akteure bremsen den Ausbau zu Gunsten der oben beschriebenen fossilen Energieträger. Sie wissen um die Risiken von Kriegen und anderen Konflikten, aber die Lobbyisten, die sie unterstützen, verdienen gut daran.

Es gibt bei Huxley auch viel über Solarenergie und Energiespeicher zu lesen. Für ihn war das Zukunftsmusik, heute ist es vorhandene und funktionierende Technik. Warum nutzen wir diese nicht im vollen Umfang der Möglichkeiten?
Ach was, reaktivieren wir doch lieber die Kernkraftwerke, zumindest hält Söder das für eine gute Idee. Kurz nach Einsatz der ersten Atombomben schrieb Huxley, dass vielleicht eine friedliche Nutzung der Kernkraft möglich wäre. Er warnt aber auch: „Wenn der Rohstoff der Atomenergie radioaktive Elemente sind, die auf der Erde nur selten vorkommen, dann haben wir auch hier ein natürliches Monopol mit all seinen unerwünschten Konsequenzen und all seinen Versuchungen für Machtpolitik, Krieg, imperialistische Aggression und Ausbeutung.“
Er schließt den Exkurs mit den Worten: „Daher müssen wir zu dem Schluss kommen, dass Atomenergie heute und auf absehbare Zukunft als Energiequelle der Industrie politisch und menschlich in keiner Weise wünschenswert ist.“
Fazit: Es ist mir gelungen ein Plädoyer für erneuerbare Energien zu schreiben, ohne einmal das Wort „Klima“ zu verwenden. Nicht, dass ich den Klimaschutz ablehne, aber erneuerbare Energien machen uns in erster Linie unabhängig von Monopolen und Autokraten, sie sichern auch den Frieden, weil Wind und Sonne können nicht erobert werden.
Es gibt selbstverständlich immer noch seltene Rohstoffe, die nur regional vorkommen, aber diese werden nur für den Bau der Infrastruktur benötigt. Wenn die Anlagen stehen und laufen, wenn Energiespeicher, wie Akkus für Elektroautos, recycelt werden, dann braucht man nicht immer wieder Nachschub.
Es ist also im Sinne der Volkswirtschaft und der Bürgerinnen und Bürger diese Energien auszubauen. Leider ist die Fossil-Propaganda zu tief in den Köpfen der Menschen verankert. Politikerinnen und Politiker die fossile Energieträger propagieren, wie Katherina Reiche, verdienen daran – das sollte man nicht vergessen.
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Es gibt 2 Kommentare
” Leider ist die Fossil-Propaganda zu tief in den Köpfen der Menschen verankert.” w.z.b.w.
2008 war der Ölpreis schon mal über 120 USD , aber Diesel über 1€ billiger wie zu heutiger Zeit. Wer ist wohl der Preistreiber an der Zapfsäule? Jeder weiß wer sich eine goldene Nase verdient und garnicht Interesse an sinkenden Preisen hat. Die Quittung wird irgendwann vorgelegt.