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Flexa-Bestellbus-System startet auch in Probstheida und weitere Gebiete werden geprüft

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    Es war das wohl am heftigsten diskutierte Thema im 2019 beschlossenen neuen Nahverkehrsplan der Stadt Leipzig: Wie kann man die ÖPNV-Verbindungen in den Ortsteilen am Stadtrand deutlich verbessern, sodass die dort Wohnenden nicht immer nur aufs Auto angewiesen sind? Einige der Vorschläge waren logischerweise kostenintensiv, obwohl natürlich stabile Straßenbahnanbindungen auch in der Randlage die Situation deutlich zum Besseren verändern. Schnell reagieren können die LVB nur mit kleinen Bussen.

    Das testen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) mit ihrem Flexa-Pilotprojekt seit Herbst 2019 schon in Lindenthal aus, womit man quasi den Wünschen des Ortschaftsrates Lindenthal schon entgegenkam, der das ÖPNV-Angebot in Lindenthal als völlig unzureichend wertete. Und nicht nur dort war es ja so. Im August weiteten die LVB das Einzugsgebiet ihres Flexa-Kleinbusses bis Seehausen aus.

    Das löst zwar noch nicht die Probleme, die in der Stadtratsdiskussion zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans alle zur Sprache kamen. Vor allem zeigt es, dass bessere ÖPNV-Angebote kein Hexenwerk sind und oft mit wenig Mitteleinsatz begonnen werden kann, die Situation endlich ernst zu nehmen und zu verbessern. Und das in einem Pilotprojekt, das ziemlich schnell zeigte, wie sehr es eigentlich gebraucht wird.

    Das Ergebnis gaben die LVB nun am 10. Dezember bekannt. Die Leipziger Verkehrsbetriebe starten im nächsten Jahr mit einem weiteren Flexa-Pilotgebiet.

    Geplant ist das flexible Angebot in weiten Teilen von Probstheida, Holzhausen und Meusdorf. Gemeinsam mit den Unternehmen des Taxigewerbes und Clevershuttle wollen so „die Leipziger Verkehrsbetriebe die Verkehrswende in Leipzig gestalten“, beschrieben es die LVB in ihrem herrlichen Werbedeutsch. „Dafür kooperieren die LVB bereits mit der Taxizentrale 4884 im Flexa-Bediengebiet Nord, in Breitenfeld, Lindenthal, Wiederitzsch und Seehausen.“

    „Die Mobilität der Menschen wandelt sich. Die prinzipielle Festlegung auf ein bestimmtes Verkehrsmittel wie das Auto weicht zunehmend der situativen, bedürfnisgerechten Verkehrsmittelwahl. Befördert wird dieser Trend durch neue Möglichkeiten, die sich aus der zunehmenden Digitalisierung für Kunden aber auch insbesondere bei der Gestaltung von Verkehrsangeboten ergeben“, meinte bei der Gelegenheit Sandy Brachmann, Bereichsleiterin Marketing der Leipziger Verkehrsbetriebe.

    Was so nicht ganz stimmt, aber der seit einigen Jahren von den LVB propagierten Philosophie entspricht: Man möchte eigentlich lieber eine Mobilitätsplattform sein, die alle möglichen Mobilitätsangebote auf einer digitalen Plattform zusammenbringt und quasi Kunden für das ganze Spektrum der Angebote einsammelt.

    Die LVB beschreiben das Ganze so: „Mit dem Mobilitätstrend verschwinden in einem fortschreitenden Maß die Grenzen zwischen öffentlichem Personennahverkehr, klassischen Taxidiensten und neuen On-demand-Angeboten, wie sie von neuen Anbietern auch in Leipzig angeboten werden. So wird auch der ÖPNV durch eigene On-demand-Dienste wie ,Flexa‘ in Leipzig für die Kunden der LVB flexibler.“

    Es wird nicht mehr lange dauern, da kann man auch das Wort „flexibel“ nicht mehr wirklich ohne Gänsehaut aussprechen. Denn es geht natürlich vom windschnittigen, flexiblen Kunden aus, der das Verkehrsmittel eben wechselt, wenn die Straßenbahnlinie endet oder der Bus nicht fährt.

    Die Erfahrungen im „Flexa“-Bediengebiet in Wiederitzsch, Breitenfeld und Lindenthal waren jedenfalls so gut, dass die LVB mit dieser „kundenorientierten Angebotsform in den nächsten Jahren das Netz der Leipziger Verkehrsbetriebe in zunehmendem Maß attraktiv ergänzen“ wollen. Was ja wohl heißt: Überall dort, wo 2019 überall massive Unterversorgung thematisiert wurde, könnte es in nächster Zeit „Flexa“-Angebote mit verschiedenen Partnern geben.

    „So wurde bereits der Start des ersten Pilotgebietes mit der Taxizentrale ,4884‘ erfolgreich in einen verstetigten Pilotbetrieb überführt“, so die LVB.

    „Als regionaler Anbieter im Personenbeförderungsverkehr haben wir als Taxizentrale 4884 das regionale Wissen und die Kompetenz, die anstehende Mobilitätswende in der Stadt Leipzig mit zu begleiten. Mit unserem hohen technischen Knowhow stehen wir für zukünftige Aufgaben bereit, um an einem modernen und leistungsfähigen ÖPNV für die Bürger und Besucher der Stadt Leipzig mitzuarbeiten“, betonte Thomas Voigt, Geschäftsführer von „4884 – Ihr Funktaxi“.

    Mit dem Gebiet „Südost“, das weite Teile Probstheidas, Meusdorfs und Holzhausen umfasst, wird erstmals die Firma „CleverShuttle“ Flexa-Leistungen als Teil des ÖPNV für die LVB erbringen. Nach einer notwendigen Ausschreibung bedient CleverShuttle nun auch das Flexa-Gebiet im Leipziger Norden.

    „Wie sieht der öffentliche Nahverkehr der Zukunft aus? Die Leipziger Verkehrsbetriebe weisen den Weg und demonstrieren bereits heute, wie ein innovativer und leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr aussehen kann“, meint Tobias Wachowski, General Manager Ost der CleverShuttle Leipzig GmbH.

    „Die Taxizentrale 4884 hat im Projekt Flexa beeindruckende Arbeit geleistet, umso mehr freuen wir uns, den Weg fortan gemeinsam zu gehen. In der Zusammenarbeit sehen wir eine strategische Partnerschaft, um gemeinsam die Verkehrswende in Leipzig weiter voranzubringen.“

    Mit Flexa folgen die LVB einem im Stadtrat nun seit Jahren immer wieder vorgebrachten Wunsch: Das ÖPNV-Angebot in Leipzig endlich auszubauen. Es muss den Bedürfnissen einer wachsenden Stadt und einer echten Mobilitätswende folgen, auch wenn der Ausbau neuer Straßenbahnstrecken erst in den nächsten Jahren beginnen kann.

    „Schon in unserem Antrag zur schrittweisen Einführung des 365-Euro-Jahrestickets haben wir der Stadtverwaltung mit auf den Weg gegeben, die am Rand gelegenen Stadtteile besser an den öffentlichen Personennahverkehr anzubinden“, erklärte SPD-Stadträtin Heike Böhm zum Flexa-Start in Probstheida, die ihren Wahlkreis im Leipziger Südosten hat.

    „Auch deshalb freue ich mich natürlich, dass die Verkehrsbetriebe mit Flexa ihr Angebot im Leipziger Südosten ausweiten. Der ÖPNV in unserer Stadt wird davon profitieren.“

    In Meusdorf, Holzhausen und Probstheida merkt man sehr wohl, dass hier „die Taktzeiten des regulären Nahverkehrs bisher nicht so strukturiert sind wie im innerstädtischen Gebiet.“

    „Die Bevölkerungsdichte ist in den Ortslagen am Rand der Stadt zu gering, dass die Linienverbindungen mit Bus und Bahn ähnlich wirtschaftlich betrieben werden könnten wie in der Kernstadt“, erläuterte Böhm und hob hervor: „Ich lebe selbst in einem Ortsteil am Rand der Stadt, kenne deshalb die Situation recht gut und sehe die Notwendigkeit, dass auch neue Wege gegangen werden müssen, um das ÖPNV-Netz dort zu verdichten. Die Erfahrungen der LVB mit dem Flexa-Angebot im ersten Pilotgebiet im Leipziger Norden sind gut, sodass nun der Südosten hinzukommt. Uns ist wichtig, dass wir zügig an den Punkt kommen, wo alle Ortschaften am Rand der Stadt, wo Bus und Bahn lange Taktzeiten haben, in den Genuss des Flexa-Angebots kommen.“

    Und dabei wird es nicht bleiben. Dazu meldeten zu viele Ortschaftsräte 2019 erheblichen Nachholbedarf im Nahverkehrsangebot an.

    Die nächsten „Flexa“-Angebote, die auch Taxi-Unternehmen neue Einnahmequellen erschließen, sind in Planung, meldeten die LVB.

    Wo soll es weitergehen? – „Geprüft werden derzeit die Gebiete Knautkleeberg und Leutzsch um der steigenden Nachfrage nach On-demand-Angeboten in diesen Gebieten weiter gerecht zu werden“, so die LVB.

    Ortschaftsrat von Lindenthal beantragt besseren ÖPNV und LVB testen ab 13. Oktober das Bestell-Bus-System „Flexa“

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    1 KOMMENTAR

    1. „Die Erfahrungen im „Flexa“-Bediengebiet in Wiederitzsch, Breitenfeld und Lindenthal waren jedenfalls so gut, dass“ es inzwischen zum Opfer seiner selbst geworden ist. Sehr lange Wartezeiten von teilweise mehreren Stunden auf eine Verbindung sind keine Seltenheit und zeigen einen ganz wesentlichen Aspekt: Flexa kann den ÖPNV/ SPNV ergänzen, jedoch nicht ersetzen.

      Eine stabile und frequentierte Anbindung ist und bleibt das Maß, an dem sich der ÖPNV von den (potentiellen) Fahrgästen messen lassen muss. Da ist eine Abgrenzung von Stadtrandlagen anhand der politischen Grenzen aus den 1990igern einfach völlig veraltet und auf keinen Fall eine analytische Betrachtung den Potentials.

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