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Fahrradklima-Test des ADFC: 69 Prozent fühlen sich beim Radfahren in Leipzig gefährdet

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    Es hat ein bisschen gedauert. Befragt wurden ja die (Leipziger) Radfahrer/-innen schon im vergangenen Jahr. Aber jetzt liegen die ausgewerteten Ergebnisse zum Radklima in 1.024 deutsche Regionen vor. Und Leipzig landet in einem erwartbar ambitionslosen Mittelfeld auf Rang 427. Denn auch 2020 galt: 69 % der Leipziger fühlen sich gefährdet, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. 82 % sehen sich mit dem Rad an Baustellen nur unzureichend geschützt und 85 % wünschen sich ein konsequenteres Vorgehen der Stadt gegen Falschparker/-innen auf Radwegen.

    Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der am Dienstag, 16. März, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

    Neben dem Sicherheitsgefühl beim Radfahren weisen die Ergebnisse der ADFC-Studie auf weitere Problemstellen beim Radverkehr in Leipzig hin. 73 % finden, dass die Ampelschaltungen in der Stadt Radfahrende benachteiligen. Vier von fünf Befragten kritisieren die zu geringe Breite der Radwege und rund zwei Drittel wünschen sich eine bessere Oberflächenqualität der Wege. 77 % beklagen, dass sie regelmäßig zu knapp und gefährlich von Autos überholt werden.

    Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, betont den dringenden Handlungsbedarf in Leipzig: „Beim Fahrradboom der letzten Jahre handelt es sich um einen anhaltenden Trend, den die Pandemie im vergangenen Jahr zusätzlich verstärkt hat. Gerade im letzten Jahr konnte man sehen, wie viele Leute bereit sind, mehr Wege mit dem Rad zurückzulegen. Die Leipziger Kommunalpolitik muss angemessen auf diese Entwicklung reagieren und den Radverkehr mit mehr Engagement sicher machen. Dass die Menschen für mehr Radwege auf die Straße gehen, sollte für den Oberbürgermeister eigentlich ein Zeichen sein, warmen Worten nun Taten folgen zu lassen. Die Leipziger wollen mehr Wege mit dem Rad zurücklegen. Doch damit sie das tun können, braucht die Stadt ein durchgehend sicheres Radnetz und angstfreie Wege.“

    53 % der Leipziger wünschen sich mehr Engagement der Stadt für den Radverkehr.
    Außerdem nehmen 94 % den Fahrraddiebstahl in der Messestadt als großes Problem wahr. In keiner anderen deutschen Stadt tritt dieses Thema so deutlich hervor wie in Leipzig. Der ADFC Sachsen fordert daher eine moderne Präventionsarbeit der Polizeidirektion Leipzig, um Diebstähle zu verhindern und aufzuklären.

    „Das Fahrradgate ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Leipziger Polizei muss dem Fahrraddiebstahl endlich mit tauglichen Mitteln begegnen. Die Fahrradregistrierung gehört nicht dazu. Angesichts dieses traurigen ersten Platzes muss bei der Polizeidirektion Leipzig endlich ein Umdenken erfolgen“, sagt Krause.

    Der ADFC Leipzig zeigt sich selbst ebenso unzufrieden mit den Ergebnissen.

    „Leider können wir nicht zufrieden sein über das Fahrradklima in Leipzig. Die Konflikte zwischen Rad- und Kfz-Verkehr haben sich weiter verschärft, beim Raddiebstahl sind wir bundesweiter Spitzenreiter und 73 % geben an, dass man auf Radspuren und Radwegen nicht sicher fahren kann. Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests zeigen zudem deutlich, dass das Ordnungsamt mehr unternehmen muss gegen Falschparken auf Radwegen. Wir rufen alle Akteur/-innen auf, mit dem ADFC gemeinsam Lösungen zu suchen“, betont Rosalie Kreuijer, stellvertretende Vorsitzende des ADFC Leipzig.

    ADFC-Fahrradklimatest 2020. Grafik: ADFC Leipzig
    ADFC-Fahrradklimatest 2020. Grafik: ADFC Leipzig

    Der Fahrradklima-Test zeige aber auch, dass Verbesserungen anerkannt werden. 76 % der Teilnehmenden aus Leipzig zeigen sich zufrieden mit dem Angebot an öffentlichen Nextbike-Leihrädern. Auch sagen 77 %, dass man in Leipzig Wege mit dem Rad grundsätzlich zügig zurücklegen kann. Deutlich besser als im sächsischen Durchschnitt bewerteten die Leipziger auch die Anzahl geöffneter Einbahnstraßen für Radfahrende und auch die Anzahl an verfügbaren Abstellanlagen.

    „Natürlich muss aber auch der Freistaat die sächsischen Kommunen beim Radwegebau unterstützen. Dass Verkehrsminister Martin Dulig jetzt den Städten und Gemeinden den Geldhahn zudrehen will, besorgt mich sehr“, sagt Konrad Krause.

    Der Haushaltsentwurf der sächsischen Staatsregierung sieht eine Reduzierung von Mitteln zum Ausbau kommunaler Radwegenetze von eh schon knapp bemessenen 11,7 Millionen Euro im Jahr 2020 auf rund 2,4 Millionen Euro ab 2021 vor. Der ADFC setzt große Hoffnungen darauf, dass die Landtagsabgeordneten von CDU, Grünen und SPD dies in letzter Sekunde noch korrigieren.

    Nicht nur in Leipzig kränkelt das Fahrradklima

    Der Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zum Radverkehr weltweit und wird seit 2012 alle zwei Jahre vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) durchgeführt. Er umfasst 27 Fragen. Zwischen September und November 2020 konnten Radfahrende deutschlandweit ihre Meinung zu den Radverkehrsbedingungen in ihrer Stadt äußern. 94 % der Befragten verfügen über einen Führerschein und 76 % besitzen ein Auto. 85 % sind nicht Mitglied im ADFC.

    Das Fahrradklima, also die Wahrnehmung der Radverkehrsbedingungen, hat sich bundesweit weiterhin verschlechtert. 2014 wurde das Fahrradklima noch mit der Schulnote 3,7 bewertet, 2016 mit 3,8, 2018 mit 3,9 und nun mit 3,93.

    2020 bewerteten in Leipzig 2.163 Personen ihre Stadt nach Fahrradkriterien, in Sachsen waren es über 11.000 und deutschlandweit sogar fast 230.000. Die Ergebnisse für die Stadt Leipzig zeigen einen Aufholbedarf, stellt der ADFC fest. Mit einer Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 3,85 befindet sich Leipzig im bundesweiten Mittelfeld: Platz 427 von 1.024. Nachdem der Fahrradklima-Test 2018 im gesamten Freistaat eine kleine Verbesserung zu den Vorjahren aufzeigte, verschlechterte sich das Fahrradklima in Sachsen wieder leicht von der Schulnote 3,95 auf 4,02.

    Beim Fahrradklima-Test lag dieses Jahr ein besonderer Fokus auf dem Zusammenhang zwischen der Pandemie-Situation und dem Radverkehr. Danach hat das Fahrrad mit der Corona-Pandemie als Verkehrsmittel an Bedeutung gewonnen. 69 % der Leipziger bestätigten diese Tendenz. 52 % der Befragten in Leipzig gaben an, während der Corona-Pandemie mit dem Rad neue Ziele in der Umgebung entdeckt zu haben. Im Kontrast dazu vermissen 67 % handfeste Signale der Kommunalpolitik zur Radförderung in der Krise.

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